Auch wenn sich Weihnachten stark verändert hat, so ist es trotzdem noch schön, vor allem, solange wir nichts Besseres haben. Das befindet der Leondinger Unternehmensberater und Weihnachtsbuchautor Alois Markschläger, der zur Rückkehr zu etwas mehr Besinnlichkeit mahnt.

Dass unser irgendwann einmal beschaulich gewesenes Weihnachtsfest zu einem Fress-, Rausch- und Kauf-Event verkam, bedauert heute nicht nur Markschläger. Er hat diese traurige Entwicklung schon beizeiten erkannt, was ihn nachdenklich stimmte. Das Ergebnis seiner Überlegungen zum angeblich schönsten Fest des Jahres hat er nicht für sich behalten, sondern seinen Freunden, Bekannten und Geschäftspartnern in schriftlicher Form mitgeteilt.

Früher ist vorbei

Diese erhielten dann jedes Jahr im Advent statt obligater Weihnachtswünsche Markschlägers sehr persönliche Erkenntnisse und Gedanken zum Weihnachtsfest. Da diese Gedanken kein Verfallsdatum haben, hat er sie jetzt – ergänzt um neuere Überlegungen – als gebundene Nachdenkhilfe in Buchform herausgebracht.
Darin ist viel Kritisches, Besinnliches und Beschauliches rund um das Fest enthalten, das schon längst zu einem „anderen Weihnachten“ geworden ist als jenes, das Markschläger noch aus seiner Kindheit kannte. Verzichten möchte der Autor aber trotz allem nicht darauf. Solange wir nichts Besseres haben …

Schnell leben, schnell fertig

Daher hat er seinem Buch vermutlich auch den trotzigen Titel „Aber schön ist’s ja trotzdem“ verpasst – und verfeuert darin konzentriert Gedankensplitter aus seinen ehemaligen Weihnachtsbriefen. Oft treffe er noch Leute, die seine Weihnachtsschreiben aufbewahrt hätten, freut sich der Leondinger, und verhehlt nicht, dass diese Menschen ihm den Mut zur Buchveröffentlichung gaben.

Die Überlegungen seien ihm jeweils beim Laufen gekommen, betont Markschläger, der sonst eher für eine langsamere Gangart durchs Leben plädiert. „Langsamkeit ist eigentlich öfter gefragt, als es unsere Hochgeschwindigkeitsgesellschaft vorschreibt“, weiß der Mann, der mit 51 Jahren seinen ersten Marathon lief. „Dabei habe ich aber nicht beachtet, dass beim Trainieren die Pausen genauso wichtig sind wie das Laufen“, so seine Erkenntnis, die er auch auf das Leben angewendet wissen möchte. Denn Markschläger kennt die Gefahr, die die Hektik des Alltags birgt, nämlich „dass wir immer weiter und schneller nach vorn wollen und vergessen, das Heute zu genießen.“

Doch wer im Leben schneller läuft, ist auch früher damit fertig, postuliert der Hobbyphilosoph, der genau zu wissen scheint, wovon er spricht. Ist nicht auch er in seinen jungen Jahren ein Sprinter gewesen? Noch heute gehörte er zu den Galoppierern, zumindest beim Lesen, gesteht Markschläger. Auch in seiner beruflichen Laufbahn dürfte er nicht gerade langsam unterwegs gewesen sein. Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums in Linz studierte der 1949 in Aschach an der Donau zur Welt gekommene Alois Betriebswirtschaft. Anschließend arbeitete er acht Jahre lang in leitender Position in einem Industriebetrieb. 1980 machte er sich als Unternehmensberater selbstständig.

Öfter mal stehenbleiben

„Ich kümmerte mich um die Sanierung von Klein- und Mittelbetrieben und in der Folge um die Personal-, Persönlichkeits- und Organisationsentwicklung“, erklärt er. Nebenher absolvierte er eine Ausbildung zum Meditationsleiter. Heute ist Alois 71 und arbeitet immer noch. Seit 1974 ist er mit Frau Laura verheiratet. Sie haben zwei Kinder und fünf Enkel.

Bei seinen eigenen Kindern konnte er schon sehen, wie extrem kurz die Freude an ausgepackten Weihnachtsgeschenken währt. Seiner Ansicht nach sollte es Freude und Frohsinn auch ohne äußere Anreize geben können. Denn Frohsinn hätte immer etwas mit Besinnen zu tun, „etwas mit den Sinnen erfassen, sich mit seinen Sinnen über etwas klarwerden.“

In unserer hochtechnologisierten Welt brauchten wir unsere Sinne leider immer weniger, bedauert der Weihnachtsbuchautor und denkt dabei an so traditionelle Berufe wie Schlosser, Tischler, Bäcker, die bei ihren Tätigkeiten noch hören, riechen und spüren müssen. Heute jedoch hätten wir schon zu viele „sinn-lose“ Berufe, bei denen ihre Ausüber Gefahr liefen, dass ihre Sinne verkümmerten.

Daher empfiehlt Markschläger, im Alltag öfter stehenzubleiben, um diesen mit allen Sinnen zu erfassen: „Wir werden nie erfahren, worüber wir hinweggehen, wenn wir nicht stehenbleiben.“ Außerdem rät er, sich von unnützen Gegenständen zu trennen. Wir leben ohnehin in einer Überflussgesellschaft. Er selbst zog vor vier Jahren mit seiner Frau aus dem 220-Quadratmeter-Haus in eine Wohnung mit 90 Quadratmetern. Was die beiden nicht mitnehmen konnten, wollten sie verkaufen, erkannten jedoch schnell, dass es kaum möglich war.

Schenken ohne Kaufen

So wanderte der überwiegende Teil der eigentlich immer noch guten Sachen ins Altstoffsammelzentrum, wo an einem Samstag im Advent gerade Hochbetrieb war. Wegen der neuen Weihnachtsanschaffungen brauchten die Menschen offenbar Platz, also flog vieles, das noch gute Dienste geleistet hätte, raus.

„Vielleicht wäre es sinnvoller, den ganzen Kram künftig von den Einkaufszentren direkt ins Altstoffsammelzentrum zu fahren“, „sinniert“ Markschläger. Angesichts dieser vorweihnachtlichen Wegwerforgie ist der Abstieg des Weihnachtsfestes zu einem Schlemmer-, Rausch-und Luxusfest besonders spürbar. Natürlich darf und soll man sich zu Weihnachten etwas schenken, meint Markschläger, fragt aber auch: „Ist es wirklich notwendig, dafür etwas zu kaufen?“