Sperrfrist 01.05. „Wir werden kriminalisiert vom Staat“
Bild: Pixabay; Guggenbichler; Bildkomposition "Wochenblick"

Das unablässig verbreitete Politikermärchen von der Leistung, die sich wieder lohnen müsse, wie auch die vielen behördlichen Auflagen und Stolpersteine machen es auch für engagierte Unternehmer wie Martin Rohrer aus Gunskirchen zusehends schwieriger, noch halbwegs Freude am Geld verdienen und am Steuerzahlen zu empfinden – wie mein Lokalaugenschein bei ihm zeigt.

Lokalaugenschein von Chefredakteur Kurt Guggenbichler

Dabei ist der Rohrer ein smarter, fleißiger und wagemutiger Typ, ein typischer Selfmade-Unternehmer, der nach der Devise „geht nicht, gibt’s nicht“ zu leben scheint.

Arbeiten in moderner Produktionsstätte

In schwierigen Zeiten hat er in einem schwierigen Gewerbe reüssiert und aus der kleinen Bäckerei seines Großvaters einen respektablen Betrieb mit 85 Mitarbeitern gemacht. Die arbeiten heute natürlich in einer modernen Produktionsstätte auf der grünen Wiese in Gunskirchen und nicht mehr im alten Geschäft.

Mit Rohrer basteln seine Mitstreiter an einer zeitgemäßen Arbeitsstätte an der optimalen Formel für Aufbackware, denn sein Tiefkühlgebäck soll auch mit der Qualität jener Semmeln mithalten können, die er frisch im Ofen seines Bäckereibetriebes erzeugen lässt.

11% Umsatzsteigerung

Die Bäckerei Rohrer mache eigentlich nichts falsch, schwärmt man beispielsweise bei Kröswang im hauseigenen Frische-Magazin und man weiß offenbar wovon man spricht, weil auch der Grieskirchner Convenience-Waren-Händler diverse Rohrer-Produkte im Angebot hat.

Mit qualitativ guten Erzeugnissen sowie mit großem Engagement und jeder Menge richtiger Ideen hat der innovative Gunskirchner seinen Betrieb in den letzten Jahren zu einer der größten und modernsten Backstuben Oberösterreichs gemacht, mit der er einen jährlichen Umsatz von 4,5 Millionen Euro erwirtschaftet – trotz der vielen Handelsunternehmen in seiner Umgebung, die ihm bei Brot und Gebäck  Konkurrenz machen. Dennoch ist Rohrer im Geschäftsjahr 2015/2016 eine elfprozentige Umsatzsteigerung gelungen.

Überwachung der Pauseneinhaltung

So machte das Arbeiten Spaß, wären da nicht die vielen entrümpelungswürdigen Vorschriften, die den Unternehmern in unserem Land das Leben schon seit Jahren erschweren. Die von den Politikern versprochenen, wirksamen Reformen und Erleichterungen sind nicht in Sicht. „Daher werden wir uns weiter kriminalisieren lassen müssen“ seufzt Rohrer, der es trotz penibler Überwachung der Pauseneinhaltung für seine Mitarbeiter oft nicht schafft, stets alles richtig zu machen und im Griff zu haben.

Denn geht nur einer seiner Leute eine Minute zu spät in die Pause, was trotz penibler Überwachung der Ein- und Ausstempelungen schon einmal passiert, dann kostet Rohrer das eine Stange Geld, weil der einzelne Verstoß dann gleich für die letzten sechs Monate hochgerechnet wird. „Eigentlich müsste ich ständig einige Tausend Euro auf der Seite haben“, erläutert er, weil man es als Firmenchef, so sehr man sich auch bemühe, nicht vermeiden könne, nicht in die aufgestellten  Behördenfallen zu tappen. Ähnliches hört Rohrer auch von befreundeten Unternehmerkollegen, mit denen er jede Woche am Stammtisch sitzt.

Polizisten-Gebäck

Am Ende unseres Treffens erzählt er mir noch jene Geschichte, die sich in einer seiner Filialen ereignete, die morgens um 6:30 Uhr öffnet. Die Mitarbeiterin hat aber schon um sechs Uhr Arbeitsbeginn, kommt meist sogar eine Viertelstunde früher in den bereits mit frischer Ware belieferten Laden, um noch Kaffee zu trinken. Doch zehn Minuten vor Sechs pumpern plötzlich Polizisten an ihre Geschäftstür, die zum Frühstücken auf dem Posten noch schnell frisches Gebäck mitnehmen wollen.

Die Rohrer-Angestellte wollte nicht unhöflich sein und rückte das gewünschte Gebäck raus, das sie auch ordnungsgemäß bonnierte. „Mehr brauchte ich nicht“, sagt Rohrer, denn bei einer späteren Kontrolle durch Finanzamt, Sozialversicherung und Arbeitsinspektorat entdeckte man die „schwere Verfehlung“ seiner Mitarbeiterin, die aber Rohrer zu verantworten hat.

„Sie haben der Mitarbeiterin fünf Minuten ihres Nachtzuschlags vorenthalten“, rügte man ihn und konfrontierte ihn mit dem Corpus Delicti, dem Kassenbon für das Polizisten-Gebäck, auf dem die Uhrzeit der Transaktion vermerkt war: 5:55 Uhr! Doch Arbeitsbeginn für die Angestellte, die niemand zu etwas gezwungen hatte, war fünf Minuten später. Rohrer senkte reumütig sein Haupt und hat – wieder einmal – zähneknirschend bezahlt.

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