Die #BlackLivesMatter-Proteste haben längst auch das europäische Festland erreicht, in Paris gehen tausende Menschen auf die Straße. Dabei vermischen sie den jüngsten Fall des Afro-Amerikaners George Floyd mit jenen von durch Polizisten zu Tode gekommenen Schwarzen in Frankreich. 

Es ist ein Pulverfass auf dem Frankreich sitzt: Das Land kämpft bereits seit Jahren mit regelmäßigen Unruhen, besonders im prekären Pariser Umland. Wie der Wochenblick berichtete, führte erst vor sechs Wochen die schwere Verletzung eines flüchtigen Migranten bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei zu tagelangen Unruhen in der Banlieue.

Vier Jahre alter Fall heizt aggressive Stimmung an

Nach dem Beispiel der Revolte in den USA bekommt dieses explosive Potenzial jetzt neuen Zunder. Und tatsächlich sind es auch ältere Fälle, welche die Leute auf die Straßen treiben, in Paris über 10.000 Demonstranten. So geht es dort vor allem auch um Adama Traoré, einen 24-Jährigen der 2016 bei einer Fixierung infolge einer Anhaltung erstickte. Obwohl die offizielle Obduktion damals kein Verschulden der Polizei feststellen konnte, gibt es weite Kreise, welche dieses weiterhin behaupten.

Brennende Barrikaden und Wurfgeschosse

Und tatsächlich: Vom hiesigen Mainstream weitgehend unbeachtet, sind die Proteste diesmal auch in der französischen Hauptstadt alles andere als ausschließlich friedlich. Ein Yahoo-Journalist, früher auch beim renommierten Blatt Le Parisien, hielt mehrere solcher Szenen filmisch fest.

Unter anderem errichteten einige Protestgänger eine Barrikade aus Leihrollern, Motorrollern und Fahrrädern und setzten diese in Brand. Auch sollen Wurfgeschosse auf Polizisten gefeuert worden sein, diese reagierten ihrerseits mit Tränengas.

Schmierfinken bekritzeln wichtiges Justizgebäude

Manche der Demonstranten machen angesichts der Verfahrungseinstellung gegen die Polizei in der Causa Traoré auch die Justizbehörden verantwortlich. Entsprechend wurden am Tribunal de Paris einschlägige Parolen wie „Pas de justice, pas de paix“ (Keine Gerechtigkeit, kein Frieden) oder „ACAB“ (alle Polizisten sind Bastarde) hinterlassen.

Bleibt Paris ein europäischer Einzelfall?

Dort beteiligt sich auch die ältere Schwester von Traoré als Rednerin der Proteste, was die Demonstranten zusätzlich emotionalisieren soll Unklar ist unterdessen, ob die explosive Lage in Paris eine Blaupause für andere Städte in Europa sein kann – oder ob es aufgrund der schwierigen generellen Sicherheitssituation im Großraum Paris ein negativer Ausläufer bleibt. Zumindest in London gab es ebenfalls gewalttätige Übergriffe auf Polizisten.

Auch in Wien wird demonstriert

Auch in Wien finden etwa am heutigen Donnerstag Proteste nach dem Muster der #BlackLivesMatter-Bewegung statt. Diese findet ausgerechnet am Platz der Menschenrechte statt, wo  ein Denkmal für den 1999 bei seiner Abschiebung verstorbenen Marcus Omufuma steht.

In den Jahren nach dem Vorfall betrieben gerade linke Gruppen einen regelrechten Kult um den Nigerianer. Auch einschlägig gewaltbereite, linksextreme Antifa-Gruppen mobilisieren nun in dessen Namen zu den Protesten – in Analogie zu den Ausschreitungen in den USA ein Omen?