US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden will sich im Fall eines Wahlsiegs für eine obligatorische Impfung gegen COVID-19 einsetzen. „Wir brauchen einen Präsidenten, der an die Wissenschaft glaubt“, sagt er – und sorgt so für wohlwollende Schlagzeilen bei namhaften US-Publikationen wie Scientific American. 

Dort warf man bereits jedes Neutralitätsgebot über Bord und positionierte sich öffentlich für Biden als nächsten US-Präsidenten. Mit Fakten hat das wenig zu tun: Zwar formuliert man beim Scientific American eine ganze Reihe von Vorwürfen gegen Donald Trump – unter anderem der Austritt aus der WHO wird dabei kritisiert, ebenso wie geplante Budgetkürzungen für Gesundheits- und Wissenschaftsbehörden. Doch daraufhin eine Wahlempfehlung namentlich für Joe Biden auszusprechen, der bisher nicht mehr vorzuweisen hat als ein Bataillon an Wahlversprechen? Das ist mit der politischen Neutralität, zu der die Wissenschaft eigentlich verpflichtet ist, kaum vereinbar.

Scientific American ist dennoch nicht das einzige Blatt, das sich für Biden ausspricht. Auch das Magazin Nature ist auf den Zug aufgesprungen. „Wir können nicht tatenlos zusehen, wie die Wissenschaft untergraben wird. Joe Bidens Vertrauen in Wahrheit, Beweise, Wissenschaft und Demokratie macht ihn zur einzigen Option bei den US-Wahlen“, heißt es da.

Biden ist für Corona-Impfpflicht

Allzu passend ist es da, dass Biden sich bei seinem jüngsten Wahlkampfauftritt auch für eine Impfpflicht gegen COVID-19 aussprach. Auf die Frage, ob er selbst einen Impfstoff nutzen würde, wenn er Ende des Jahres auf den Markt käme, sagte er: „Wenn die Wissenschaftler sagen, dass es das ist, was man tun kann, und wenn es getestet wurde und sie die drei Phasen durchlaufen haben, ja, ich würde es nehmen, und ich würde die Leute ermutigen, es zu nehmen.“

Abgesehen davon, dass die Entwicklung von sicheren Impfstoffen normalerweise mehrere Jahre in Anspruch nimmt und der Grad, inwieweit ein Corona-Impfstoff als „getestet“ gelten kann, somit fraglich ist, darf man an dieser Stelle nicht vergessen, dass die involvierten Pharma-Konzerne vornehmlich finanzielle Interessen verfolgen. Im Wettlauf um funktionierende und sichere Corona-Impfstoffe geht es um Milliarden-Umsätze – und die finanziellen Risiken für die Konzerne sind hoch. Inwieweit Vertrauen in Blitzstudien und pharmakologische Schnellschüsse da angebracht ist, darf hinterfragt werden.

Dennoch: Biden möchte andere nicht nur „ermutigen“, den Impfstoff zu nehmen – er plant gar eine Impfpflicht. Leider sei die Umsetzung zwar schwierig, doch man könne ja zumindest vorgehen wie bei der Impfung gegen Masern: „Das kann man nicht vorschreiben, aber man kann den Leuten sagen, dass sie ohne Impfstoff nicht zur Schule kommen können.“