Die links-liberale New York Times (NYT), von US-Präsident Donald Trump als „Fake-News“-Medium eingestuft, sorgte im April mit einem antisemitischen Cartoon für einen Aufschrei in der jüdischen Gemeinschaft. Die Karikatur nahm den israelischen Premier Benjamin Netanyahu und Trump in übelster Weise aufs Korn. Netanyahu und Trump sind linken Kreisen in Israel und in den USA wegen ihrer patriotischen und rechts orientierten Politik ein Dorn im Auge.

Ein Beitrag von Kornelia Kirchweger

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Blinder Trump an der Leine von Netanyahu

Der am 25. April veröffentlichte Cartoon zeigte Netanyahu als Blindenhund mit einem David-Stern um den Hals, dahinter den sich an der Leine festhaltenden, blinden US-Präsidenten Trump, der eine Kippah (jüdische Kopfbedeckung) trägt. Die jüdische Gemeinde und der israelische UNO-Botschafter verglichen die mehr als bedenkliche Darstellung mit jenen der Nazis im Stürmer.

Rechtfertigung: Redakteur fehlte der Überblick

Die NYT entschuldigte sich. Das Ganze sei auf einen internen, fehlerhaften Prozess zurückzuführen. Ein einzelner Redakteur, dem der Überblick fehlte, hab den Cartoon heruntergeladen und verwendet. Dieser Redakteur werde zur Rechenschaft gezogen, kündigte New York Times Herausgeber, A.G. Sulzberger, an. Zudem wurde der Vertrag mit dem Konsortium, das den Cartoon bereitstellte, gekündigt. Die NYT will künftig in ihrer internationalen Ausgabe keine politischen Cartoons mehr bringen, diesen Plan gebe es schon seit Jahren, hieß es.

Widerstand gegen ständiges Trump-Bashing steigt

Der Chef-Karikaturist der Zeitung, Patrick Chappatte, widersprach dem und behauptete, diese Entscheidung hänge direkt mit dem Netanyahu-Trump Cartoon zusammen. Chappatte hatte am Höhepunkt des Skandals noch die Veröffentlichung der Karikatur verurteilt. Jetzt befürchtet er, dass Medien sich immer mehr dem politischen Druck und der Kritik eines „moralisierenden Mobs“ in den sozialen Medien beugen müssen. Er bezieht sich damit offenbar auf die zunehmende Zahl der Gegner des ständigen Trump-Bashing durch die NYT. Laut Chappatte mussten angeblich schon einige der besten NYT-Cartoonisten gehen, weil die Herausgeber deren Arbeit als zu Trump-kritisch empfanden.