Bald werden wir eh nur mehr mit dem Rad unterwegs sein dürfen“, sagte mir ein wütender, circa 50 Jahre alter Mann, am Sonntag während eines Lokalbesuches in Linz-Urfahr. Grund für seinen emotionalen Ausbruch war die kurz zuvor publik gewordene Ankündigung von Verkehrsministerin Gewessler, das Projekt „Tempo 140“ auf Österreichs Autobahnen wie geplant wieder abzuschaffen.

Ein Kommentar von Chefredakteur Christian Seibert.

Türkis-Blau gewählt – Schwarz-Grün bekommen

Der 1,90 Meter große Hüne trat zu mir an den Tisch, um über die Politik und insbesondere die Grünen so richtig los zu ledern. Die Benzinpreise würden bald steigen und die Lohnsteuerreform wird auch nicht so ausfallen wie ursprünglich unter Türkis-Blau beschlossen wurde. Auch, wenn der Mann von der Null-Promille-Grenze soweit entfernt war wie der Wirt von seinen Umsätzen vor dem Rauchverbot, scheute ich das Gespräch mit ihm nicht.

Mittlerweile wurde klar, dass er mich „aus der Zeitung“ kennt. Peter, wie er sich vorstellte, schien also sehr unglücklich über die Situation in der österreichischen Innenpolitik zu sein. Wir waren uns weitestgehend einig darüber, wo es in der Zuwanderungs- oder etwa der Sozialpolitik des Landes hakt. Erstmals erstaunt war ich, als Peter auf meine Frage, wen er denn gewählt habe, mit „Sebastian Kurz“ antwortete.

„Über den Basti lass ich nichts kommen“

„Und Peter, bereust du deine Entscheidung schon?“, dachte ich seine Antwort nach der Schimpforgie, die meine Begleitung etwas zum Schmunzeln brachte, bereits vorweg nehmen zu können. „Nein, wieso? Die Bremser sind die Grünen. Über den Basti lass ich nichts kommen!“, sagte er.

Etwas verdutzt verabschiedete ich Peter. War es nicht Kurz, der trotz seiner Ankündigung „Mitte rechts“ regieren zu wollen, nun mit einer Linksaußen-Partei in eine Koalition gegangen ist? Eine Konstellation, in der es abzusehen war, dass neue Steuern auf Kraftstoffe, die Wiederaufnahme von „Seenot-Rettungsmissionen“ oder das Aus für Tempo 140 kommen wird.

Bei der Strahlkraft von Kurz scheinen seine Wähler nicht auf seine Politik zu achten. „Noch“, denke ich, bevor ich Peter zuprostete, der mittlerweile an der Bar stand.