Dieses hat es in sich: Eine neue Folge des Formats „Deutschland 3000“ des mit ARD/ZDF-Rundfunkgebühren finanzierten Jugendangebots „Funk“ lässt Frauen zu Wort kommen, die darin über Abtreibung und Sterilisierung sprechen, als wäre es das normalste der Welt. 

Das verstörende Video dreht sich um freiwillige Kinderlosigkeit mit Frauen – natürlich mit den Narrativ, dass es sich dabei um eine „selbstbestimmte“ Entscheidung handle. Als Lösungsoptionen wird der Schwangerschaftsabbruch sowie die operative Entfernung der Geschlechtsorgane thematisiert. Das Medienangebot richtet sich übrigens an 14- bis 29-jährige Seher und wirkt auf diese Kerngruppe somit auch meinungsbildend…

Harmloser Start gleitet schnell in harte Themen ab

Das Video beginnt einigermaßen harmlos, indem die Sprecherinnen mit dem Narrativ aufräumen wollen, dass eine Frau erst dann eine richtige Frau sei, wenn sie sich einen Kinderwunsch erfüllt. Sie sprechen davon, dass die Frage in Beziehungen ein Reizthema war und über Gründe, weshalb Akademikerinnen häufiger kinderlos sein. Dabei verfechten sie natürlich die Ansicht, dass Kinderlosigkeit ein emanzipatorischer Lebensstil ist.

So weit, so gut – aber was zuerst nur anklang, schaltet dann einen Gang hoch. Denn das nächste Thema ist die Frage nach dem Preis für eine Sterilisierung. Eine Protagonistin – die übrigens in einer Vorschule arbeitet – hat diesen Eingriff sogar bereits durchführen lassen. Sie erklärt die Zeit in der freiwilligen Unfruchtbarkeit zum „glücklichen Leben“. Eine andere findet, dass die Krankenkasse jegliche Form der Verhütung übernehmen soll.

Sterilisierung als erstrebenswertes Ideal dargestellt

Auffällig ist die Offenheit, in der die Teilnehmerinnen über Sterilisation sprechen. Eine davon erklärt, dass sie bei einer ungewollten Schwangerschaft schon immer „sofort abtreiben“ lassen hätte – und sagt dies mit der Selbstverständlichkeit, als wäre ein Baby ein Hühnerauge. Damit „nichts mehr passieren“ könne, habe sie sich sterilisieren lassen.

Die nächste strahlt über beide Ohren bei der Vorstellung, dass sie denselben Eingriff plant, sobald sie das Geld dafür zusammen hat. Den Einwand, dass bis zu 13 Prozent aller Frauen eine Sterilisierung später bereuen lassen sie nicht gelten.

Plädoyer für Tabubruch in der Debatte

Die Überlegung, dass Kinderlose mehr Steuer zahlen könnten, empfinden sie als einen „diskriminierenden“ Vorschlag. Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) – als homosexueller Mann selbst kinderlos – hatte dies vor anderthalb Jahren in die öffentliche Debatte eingebracht. Wie eine der Frauen in einem abschätzigen Ton sagt: Man zahle ja mit seinen Steuern bereits Kindergärten und Schulen.

Insgesamt wünschen sich die jungen Frauen eine offenere Debatte über solche Themen wie Sterilisierung und Abtreibung. Denn die „gewollte Kinderlosigkeit“ bei einer Frau sei „eines der letzten großen Tabus“. Es liege an der Gesellschaft, welche einsehen möge, dass Menschen auch ohne Kinder glücklich sein könnten, so der Grundtenor.

Mehrere Funk-Videos zu Abtreibung & Sterilisierung

Wer geglaubt hätte, es handelt sich um einen einmaligen Ausrutscher, der wird dann im Abspann eines besseren belehrt: Denn diese Masche hat offenbar System. Verlinkt wird das Video eines weiteren Funk-Kanals, in dem die sterilisierte Sprecherin von ihrem Eingriff erzählt. Diesen empfindet sie als „Glücksmoment“, sie habe sich sogar die Daten ihrer Operationen sowie das englische Wort für Sterilität tätowieren lassen.

Als zweites weiterführendes Angebot führt der Kanal den eigenen Beitrag über Abtreibung an. Dort erzählen Frauen von ihrem Schwangerschaftsabbruch und plädieren auch hier für eine freie Debatte und ein Ende des Werbeverbots dafür. Was nicht fehlen darf, ist dabei der feministische Einschlag. So sagt eine der Damen „Wenn Männer diese biologische Funktion hätten, gäbe es an jeder Ecke eine Abtreibungsklinik“. Kritische Stimmen fehlen.