Was vor 300 Jahren die Hexenprozesse für unbequeme Frauen waren, sind heute die Sexismus-Vorwürfe gegenüber Männern. Sind diese erstmal erhoben, setzt sich die Maschinerie der gesellschaftlichen Vernichtung unaufhaltsam in Bewegung. #metoo schießt sich selbst ins Knie.

Eine Kolumne von Laila Mirzo

Wenn man mit Dreck beworfen wird, bleibt immer etwas hängen. Auch wenn nichts an den Anschuldigungen stimmte, ein Beigeschmack bleibt immer. Gerade beim Vorwurf der sexuellen Belästigung oder gar der Vergewaltigung ist Mann nachhaltig ruiniert.

Die gesellschaftliche Ächtung lässt sich nur sehr schwer mit einem richterlichen Freispruch aufheben. Mann ist stigmatisiert, sogar die Familie, die eigenen Kinder werden oft in Sippenhaft genommen.

Der gesellschaftliche Tod ist das Ergebnis eines unheilvollen Zusammenspiels von Lügnern, willfährigen Medien und unerfahrenen Staatsanwälten. Diese Männer sehen sich einer massiven Vorverurteilung gegenüber. Um ihre Person ins schlechte Licht zu rücken, wird der Lebensstil akribisch genau durchleuchtet und moralisch bewertet.

Sie werden von heute auf morgen von Arbeitgebern, Geschäftspartnern und Freunden fallen gelassen. Es legt sich ein unsichtbarer Vorhang aus Scham, Angst und Ekel über diese Männer. Sie werden erst an den medialen Pranger gestellt, dann der Vergessenheit preisgegeben.

Auch ein Freispruch erster Klasse kann oft den Teufelskreis nicht durchbrechen. So erging es auch ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann. Der Zuschauer-Liebling verlor Job, Geld, Freunde und Ansehen, weil ihn seine Ex-Freundin wegen Vergewaltigung angezeigt hatte. Kachelmann verbrachte daraufhin vier Monate in Untersuchungshaft.

Völlig zu unrecht, wie sich später herausstellen sollte. Aber das interessierte dann niemanden mehr. Obwohl das Frankfurter Oberlandesgericht 2016 feststellte, dass die Frau sich die Verletzungen selbst zugefügt hatte und in aller Deutlichkeit verkündete, dass sie Jörg Kachelmann „vorsätzlich wahrheitswidrig der Vergewaltigung bezichtigt“ hat, bleibt der Moderator gebrandmarkt.

Sein Kampf um seine Glaubwürdigkeit, um seine Würde ist kräftezehrend und schier aussichtslos. Mit der Unschuld lassen sich eben keine guten Schlagzeilen schreiben. Klicks bringen nur Schurken!

Die medialen Tribunale verlaufen überall auf der Welt beinahe identisch. Das vermeintliche Opfer erhebt einen Vorwurf und sofort stürzen sich alle auf das eigentliche Opfer. Einer der prominentesten Beschuldigten war der Schauspieler und „House of Cards“-Star Kevin Spacey.

Der Vorwurf: Spacey soll im Juli 2016 einen 18-jährigen Aushilfskellner sexuell belästigt haben. Der junge Mann soll den Griff in die Hose mit seinem Handy aufgenommen haben. Kevin Spacey und sein Anwalt haben dies in der Verhandlung auch nicht bestritten. Alles soll jedoch einvernehmlich geschehen sein.

Mediale Tribunale

Der Oscar-Gewinner verschwindet daraufhin aus der Öffentlichkeit. Man radiert ihn sogar aus seiner Erfolgsserie „House of Cards“ raus. Das Streaming-Unternehmen „Netflix“ beendet die letzte Staffel der Kultserie ohne ihren Superstar. Spacy ist nun „persona non grata“, eine unerwünschte Person.

Doch Spacey wäre nicht Spacey, würde er sich still in die Ecke verkriechen. So postete der diskreditierte Hollywoodstar 2018 pünktlich zu Heilig Abend ein
Video mit dem Titel „Let me be Frank“. Darin spricht er in gewohnter „Frank Underwood“ Manier zum Zuschauer.

Dabei verschwimmt die Grenze zwischen dem Schauspieler und seiner Charakterfigur. „Sie würden doch kein Urteil fällen ohne die Fakten zu kennen, oder?“ fragt er das Publikum. Dabei spielt er direkt auf die Vorverurteilung durch Medien und Öffentlichkeit an. Kevin Spacey ist eben ein Meister der Inszenierung.

Doch nicht jeder ist Spacey, nicht jeder hat diese mediale Aufmerksamkeit, um sich zu verteidigen. Dieser „Trend“, sich mit erfundenen Sexismus-Vorwürfen an Männern zu rächen, zerstört nicht nur das Vertrauen in eine gerechte Gesellschaft, es schadet vor allem den Menschen, die tatsächlich Opfer sexueller Übergriffe geworden sind.

Die Stimmung wird kippen, dann werden die echten Opfer stigmatisiert und ihre Glaubwürdigkeit in Frage gestellt werden. Wenn man #metoo missbraucht, gibt es auf allen Seiten nur Opfer!