gelb westen gelbwesten polizei nimmt helme ab polizisten frankreich

Seit mehreren Wochen demonstriert in vielen französischen Städten die breite Unterstützung erfahrende „Gelb-Westen-Bewegung“ gegen Staatspräsident Emmanuel Macron. Laut Medienberichten gibt es bereits mehrere hundert Verletzte, zwei Menschen sollen ums Leben gekommen sein. In den sozialen Medien kursiert nun ein Video, das zeigt, wie Polizisten vor einer Gruppe von Gelb-Westen ihre Helme abnehmen und sich so solidarisieren. Zum Dank singen die Demonstranten die französische Nationalhymne!

„In Marseille nahmen die Polizisten ihre Helme ab. Sie wollen nicht gegen ihr eigenes Volk vorgehen“, kommentieren deutschsprachige Nutzer das beeindruckende Video.

Werbung

Macron unter Druck

„Und plötzlich nehmen die CRS („Sicherheitskompanien der Republik“, die Redaktion) ihre Helme. Sie werden nichts gegen die Demonstranten unternehmen, die sie größtenteils kennen“, heißt es dazu in einem Bericht der großen Tageszeitung „Le Monde“ über eine Demonstration im südwestfranzösischen Pau. Dort entstand mutmaßlich das jetzt in den sozialen Medien kursierende Video – und nicht in Marseille.

Damit wird die Lage für Macron immer bedrohlicher. Allein bei Ausschreitungen am Samstag gab es laut Medienberichten und Polizei circa 133 Verletzte sowie 412 Festnahmen. Auch im Zentrum von Paris kam es nach vorerst friedlichen Protesten zu massiven Zusammenstößen. Demonstranten in gelben Warnwesten sollen Autos in Brand gesteckt, Fenster zerschlagen und Geschäfte geplündert haben.

Massive Wut

Zudem wurde der Triumphbogen, ein französisches Nationalsymbol, mit Graffiti besprüht und beschädigt! Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. 23 Polizisten sollen verletzt worden sein. Es handelt sich um die schwersten Ausschreitungen in Frankreich seit einigen Jahren!

Macron, der zuerst die überparteiliche „Gelb-Westen-Bewegung“ öffentlich beinahe verurteilte und abschätzig behandelte, scheint nun einzulenken. Nach einer rasch einberufenen Krisensitzung seiner Regierung will er unter anderem die Sicherheitsmaßnahmen überprüfen lassen. Zugleich bat Macron Premierminister Édouard Philippe, „mit einem Anliegen für Dialog“ die Vorsitzenden der wichtigsten Parteien sowie Vertreter der Protestbewegung zu treffen.

Gestiegene Preise und massive Ethno-Konflikte

Der brisante Hintergrund: Der Volkszorn entfachte sich Mitte November zuerst friedlich an angekündigten Steuererhöhungen für Benzin und Diesel. Bereits jetzt leiden zahlreiche Franzosen an teilweise massiv gestiegenen Lebenshaltungskosten. Hinzu kommen ethnische Konflikte in den Vorstädten vieler französischer Städte („Wochenblick“ berichtete). Islamistische Terroranschläge erschütterten immer wieder das Land. In besonders multikulturellen Vierteln in Paris muss inzwischen die marokkanische Polizei aushelfen.

Die relativ spontan entstandene Bewegung der „Gelbwesten“, die sich der Pannenwesten ihrer Autos bedienen, hat keine feste ideologische Ausrichtung und entstand über soziale Medien. Unterstützt wird sie sowohl vom radikal linken Oppositionspolitiker Jean-Luc Mélenchon („La France insoumise“) als auch von der rechtsnationalen Marine Le Pen („Rassemblement National“, zuvor „Front National“). Die Demonstranten vereint vor allem die Gegnerschaft zur als gescheitert geltenden Macron-Regierung. Laut aktuellen Umfragen unterstützen drei Viertel der Franzosen die Proteste der Gelb-Westen!

Gelb-Westen auch in Deutschland

Ähnliche Bewegungen in Deutschland befinden sich – orientiert am französischen Vorbild – bereits im Entstehen. Das einwanderungskritische „Frauenbündnis Kandel“ unterstützte laut Medienberichten bereits französische Demonstranten. In Nürnberg, Stuttgart, Hannover, Berlin und im Saarlandkam es bereits zu von der „Gelb-Westen“-Bewegung inspirierten Protesten. Es wurde sogar dazu aufgerufen, Zebrastreifen zu blockieren! Auf Facebook hat sich bereits eine deutsche „Gelb-Westen-Bewegung“ formiert.