Auch am vergangenen Samstag fanden sich wieder mehrere tausend Bürger in der Bundeshauptstadt ein, um ihre Forderung an die Regierung klarzumachen: Kurz muss weg! Während bisherige Demonstrationen durch eine geballte Menschenmasse an einem Platz brillierten, zerfaserte sich dieses Mal der Protest in viele Kleinkundgebungen. Ergänzt wurde die schlechte Organisation durch billigste Polizeischikanen.

Von Franziska Bernhard

Dass zeitgleich eine linksextreme Demonstration am Karlsplatz nicht nur stattfindet, sondern zuvor auch noch genehmigt worden ist, sei geschenkt. Dass diese Demo allerdings ihre offizielle Marschroute exakt in die Richtung der regierungskritischen Kundgebung legt, ist eine offene Provokation.

Behörden genehmigten linke Anti-Polizei-Demo

Auch diese Route ist seitens der Behörden selbstverständlich genehmigt worden, wohlwissend, dass sich dahinter ein enormes Konfliktpotenzial verbirgt. Immerhin demonstrierte die „Demo gegen Rassismus“ unter dem Motto: „No justice, no peace, fight the police!“, zu deutsch: „keine Gerechtigkeit, kein Frieden, bekämpft die Polizei!“

Gingen Provokationen aus dem Weg

Stattdessen aber sammelten sich die Maßnahmenkritiker lieber beim Schloss Belvedere und am Hauptbahnhof, um Provokationen durch Linksextreme von Anfang an aus dem Weg zu gehen. Nachdem der neue Treffpunkt rasch kommuniziert worden ist, versuchte die Polizei auch schon erste Menschenmengen aufzuhalten – vergeblich, denn der Zug kehrte schlichtweg um und nahm binnen weniger Minuten den gesamten Gürtel ein, die Polizei dabei hinter sich lassend. Bis hinter den Hauptbahnhof konnte sich der Zug frei bewegen, immer wieder kam es durch Rufe oder Hupkonzerte zu spontanen Beifallsbekundungen durch Autofahrer auf der Gegenfahrbahn. Doch am Margaretengürtel positionierten sich schon Polizeieinheiten.

Zwischen Yoga und Austro-Pop

Der auf inzwischen fast 10.000 Menschen angewachsene Demo-Zug wurde am Margaretengürtel Höhe Reinprechtsdorfer Straße angehalten, die Polizei verstärkte ihre Sperre mit Fahrzeugen und Wega-Einheiten. Hinter dem Hauptbahnhof dagegen wurde die Demo abgeteilt und die vordere Gruppe eingekesselt. Ein Versuch, in den 5. Bezirk durchzubrechen, wurde sofort mit Pfefferspray seitens der Polizei verhindert, die Veranstaltung aufgelöst. Dennoch blieb die Stimmung friedlich – manche Mädchen machten Yoga, ein Lautsprecherwagen spielte Klassiker des Austro-Pop. Doch den Menschen wurde erst schleichend gewahr, dass sie neuerlich eingekesselt wurden.

Anzeige-Formulare waren bereits vorgedruckt

Zu beiden Seiten gab es kein Entrinnen, lediglich wer seine Personalien bekanntgab und sich anzeigen ließ, durfte den Polizeikessel verlassen. Noch arglistiger hätte die Polizei ihre perfide Schikane wohl nicht gestalten können: Erst kesselten sie eine große Personenzahl ein, erklärten dann deren Veranstaltung für aufgelöst und ließen aber niemanden mehr hinaus. So wurde dann konstruiert, man habe eine aufgelöste Versammlung nicht verlassen. Die Formulare zur Anzeige waren übrigens bereits vorgefertigte Vordrucke, wo man zwischen Verweilen am Ort einer aufgelösten Versammlung, Nicht-Einhaltung des Mindestabstands oder Nicht-Beachtung der Maskenpflicht ankreuzen konnte. Vielen dürften die „Danke, Polizei!“-Rufe nach dieser Erfahrung im Hals stecken geblieben sein.

Friede, Freiheit, keine Diktatur:

Wieder marschierten tausende in Wien unter großem Polizeiaufgebot für die Freiheit:

Austro-Pop durfte auch dieses mal nicht fehlen:

„Macarena“ im Kessel:

Martin Kaser wird zur Personalienfeststellung aus dem Kessel gezogen: