Während die Regierung groß von Öffnungsschritten tönt, führt sie gleichzeitig einige absurde Beschränkungen ein, wie etwa den Passus, dass jedes Zusammentreffen von vier Personen bereits als Veranstaltung gilt, das mit Geld- und sogar Haftstrafe belegt werden kann. Gleichzeitig versucht man, den Souverän darauf vorzubereiten, dass man ihm auch das bisschen eingestandene Freiheit schon bald wieder nehmen könnte.

Anzeichen dafür finden sich aber nicht nur im neuen Automatismus, dass Orte und ganze Bezirke bei Erreichen einer bestimmten 7-Tages-Inzidenz automatisch zu Sperrgebieten werden können. Denn längst bringen sich die ersten Stimmen in Stellung, die das ganze Land wieder in den vollständigen Corona-Knast schicken wollen. Sogar Gesundheitsminister Anschober übt sich bereits vorauseilend im Dementi – ähnlich wie beim Berliner Mauerbau ein recht sicheres Anzeichen, dass man eben doch die Absicht haben könnte…

Rot-Kreuz-Chef will „kurzen und harten Lockdown“

Erstaunlich viele davon wählen dabei die „Kleine Zeitung“ als Medium ihrer Wahl, um diese Kunde ans Volk zu bringen. Die Zeitung gilt traditionell als betont ÖVP-nahe, dennoch ist es nicht Kanzler Kurz, der mit dem Damoklesschwert des vierten Lockdowns droht. Dieser ist nämlich gerade zu beschäftigt damit, den Bürgern einen digitalen Impfpass samt umfassender Überwachung und Diskriminierung Ungeimpfter schmackhaft zu machen.

Aber es springen andere in die Bresche, wie Gerry Foitik, der Leiter des Roten Kreuzes, der sich in Stellung bringt, um seine Ansicht zu verkünden, dass ein „kurzer und harter Lockdown“ seiner Ansicht nach am sinnvollsten ist. Auffällig: Foitik wiederholt damit fast wortgleich die Forderung, die er anlässlich der Lockdown-Verlängerung im Jänner anbrachte – in der ebenfalls nicht für ihre ÖVP-Ferne bekannten „Presse„. Auch bei der von umstrittenen Maskenpflicht in Schulen war Foitik ein zentraler Stichwortgeber.

Anschober kann vierten Lockdown nicht ausschließen

Mittlerweile nimmt aber bekanntlich sogar schon Anschober den „vierten Lockdown“ in den Mund. Wörtlich sagt er: „Ich hoffe nicht, dass einen vierten Lockdown gibt“. Das erinnert an seine Kommunikation vor dem zweiten und dritten Lockdown. Ersterer war noch drei Wochen vor seinem Inkrafttreten für den Grünen-Politiker „überhaupt nicht vorstellbar“. Und in der kurzen Phase zwischen diesem und der langen, dritten Sperre sah er sich bemüßigt, Tipps zu geben, wie Letzterer zu verhindern sei.

Auch im Hinblick auf einen „vierten Lockdown“ wiederholte der gelernte Volksschullehrer seine belehrende Strategie. Auch damals spielte er den Ball der Bevölkerung zu, konnte aber schon einen Tag vor der Teil-Öffnung im Februar unter Auflagen nicht ausschließen, dass es zu einem vierten Lockdown kommen könnte. Diese Art der Kommunikation ist klar, denn sie verläuft nach dem Prinzip: „Wir wollen das alle gar nicht, aber ihr wart halt nicht brav genug, also können wir nicht anders.“

Erste Medien rechnen mit neuen Schließungen

Mit dem Konzept anfreunden können sich längst auch die ersten Journalisten. In seinem Leitartikel für die Print-Ausgabe der „Kleinen Zeitung“ am heutigen Samstag befand der Journalist Georg Renner, dass es „düster“ für weitere Öffnungen zu Ostern ausschauen könnte. Er ist sich sicher, „dass wohl schon kommende Woche mehr darüber wird gesprochen werden müssen, was man wieder zusperrt, als darüber, was man noch aufmacht“.

Immerhin sieht der Niederösterreicher die Regierung in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass es nicht so weit kommt. Andererseits: Im Dots von Kurz-Freund Martin Ho sind derzeit noch Reservierungen ab der Karwoche möglich. Ein kleiner Funken der einstweiligen Entwarnung? Denn dort schien man vorab über die Gastro-Sperre ab Anfang November Bescheid zu wissen und schien schon im Jänner ein Öffnungsdatum rund um Ostern antizipieren zu können – Wochenblick berichtete.