Gegen Covid-19 selbst ist wohl noch kein Allheilmittel gewachsen. Meist wird Corona daher konservativ wie eine Grippe therapiert. Forscher haben inzwischen aber einige vielversprechender Arzneien identifiziert, zu denen unter anderem das Anti-Depressivum Fluoxetin gehört. Die Politik aber will nichts davon hören.

Von Franziska Bernhard

Jochen Bodem vom Institut für Virologie der Universität Würzburg hat in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut am Gewebe einer menschlichen Lunge experimentiert und dabei herausgefunden, dass sich das Virus bei der Behandlung mit Fluoxetin deutlich schwerer festsetzen konnte. Die Substanz hemmt das Virus in der Zellkultur, sodass es sich schlechter vermehren und in die menschlichen Körperzellen eindringen kann.

Versuche mit Mäusen

Die Wissenschaftler planen jetzt, zusammen mit dem Freiburger Virologen Martin Schwemmle, die Wirkung von Fluoxetin in einem Tiermodell zu testen. Dazu werden speziell gezüchtete Mäuse mit dem Coronavirus infiziert und dann mit dem Anti-Depressivum behandelt. „Wir erwarten, dass die Mäuse keine Symptome zeigen, also nicht krank werden“, sagt Schwemmle.

Fluoxetin: kaum Infektionen, milder Verlauf

Das seit über drei Jahrzehnten zugelassene Fluoxetin ist eigentlich ein Anti-Depressivum, bei dem aber inzwischen auffällig geworden ist, dass faktisch keine Patienten, die das Medikament einnehmen, mit Covid-19 infiziert worden sind. Selbst Risikopatienten sollen entweder gar keine Symptome oder wenn, nur einen milden Verlauf gezeigt haben.

Ein Nürnberger Psychiater erzählt außerdem von einer betagten Dame im Pflegeheim: „Die ganze Station, inklusive Pflegepersonal, hat sich mit Corona infiziert“, sagt der Psychiater. Nur die Testergebnisse seiner Patientin, die täglich Fluoxetin einnimmt, waren dauerhaft negativ.

Psychiatrie: Wenig Probleme mit Corona

Ähnliche Erfahrungen macht Johannes Kornhuber, Direktor der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik am Universitätsklinikum Erlangen. „Wir hatten bei uns in der Klinik bislang wenig Probleme mit Corona. Einen schweren Verlauf haben wir noch nicht beobachtet“, berichtet er. Kornhuber forscht auch selbst zum Thema und war an der Beschreibung des Wirkmechanismus von Fluoxetin gegen Sars-CoV-2 beteiligt.

Weitere Studien belegen Wirkung

Auch kalifornische Forscher aus der Stadt Berkeley machten entsprechende Beobachtungen. Nach einem Corona-Ausbruch unter Arbeitern der örtlichen Pferderennbahn Ende 2020 boten die Wissenschaftler den 113 Infizierten an, täglich Fluvoxamin einzunehmen, ein Derivat von Fluoxetin, das zur gleichen Gruppe gehört. Von denjenigen, die sich gegen die Behandlung entschieden haben, mussten 12,5 Prozent in die Klinik, ein Patient verstarb an Covid-19. Ihre Kollegen, die Fluvoxamin einnahmen, benötigen dagegen keine Behandlung im Krankenhaus. Auch eine französische Studie an über 7000 Krankenhaus-Patienten aus der ersten Welle legt nahe, dass bestimmte Anti-Depressiva einen besonders schweren Verlauf der Erkrankung unwahrscheinlicher machen.

Gesundheitsministerium will davon nichts wissen

Theoretisch klingt all das nach einem leichten Ausweg aus der Krise: Ein seit langem zugelassenes Medikament, das als gut verträglich gilt, scheint die Ausbreitung des Virus stark zu mindern, was durch mehrere Studien verschiedener Länder auch bekräftigt wird. Allein das Gesundheitsministerium möchte nichts davon wissen.

Vielmehr erklärt man auf Nachfrage, dass ja schon jetzt im Rahmen der ärztlichen Therapiefreiheit der Einsatz von Fluoxetin möglich sei. Zudem verweist das BMG auf die Bedeutung von Impfstoffen, deren „Produktion und Beschaffung prioritär“ gewesen sei. Abschließend heißt es, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördere auf Grundlage einer im Januar veröffentlichten Richtlinie die Entwicklung von Medikamenten gegen Covid-19. Die Förderung gilt allerdings nur für Medikamente, die neu entwickelt werden, nicht für solche, die es bereits gibt. Kurzum: Ob Fluoxetin gegen Corona hilft oder nicht, ist völlig egal, weil die politische Agenda weder Therapie noch Prävention will, sondern die Impfung. Und zwar nur die Impfung.

 

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