Als Experte für volkstümliche Musik geht man nicht in den Ruhestand, obwohl der 62-jährige Leo Walch schon seit sechs Jahren Pensionist ist.

Ein Porträt von Kurt Guggenbichler

Die Szene kennt er nämlich wie kein anderer, daher macht Leo auch bis zu seinem letzten Atemzug weiter: als Moderator und „Wochenblick“-Kolumnist.

Volkstümlichen Musikanten

„Auf geht’s, pack mas!“ Zuletzt hat Leo beim „Wochenblick“-Frühschoppen im Linzer Gasthaus Lüftner mit seinem bekannten und mitreißenden Spruch, der im Laufe der Jahre so etwas wie sein Markenzeichen geworden ist, auf die „Linzer Musikanten“ und den Humoristen Pepi Hirt eingestimmt.

Den Hirt, der früher mit den „Ennstaler Spitzbuam“ reiste, kennt Walch schon seit vielen Jahren, was auch nicht verwunderlich ist. „Ich bin schon seit 1978 in diesem Geschäft“, resümiert Walch und es gibt kaum einen volkstümlichen Musikanten der letzten 40 Jahre, mit dem Leo nicht schon auf irgendeiner Bühne gestanden hätte.

Chance genutzt

Zwar hat der gebürtige Waldviertler nebenher auch immer einen bürgerlichen Beruf ausgeübt, doch sein Herz schlug schon von klein auf für die volkstümliche Musik.
In Kontakt gekommen ist er mit ihr durch die legendären „Kasermandln“, dem Duo Klaus und Ferdl, für das Walch schon in jungen Jahren den „Roadie“ (Tournee- begleiter) spielte.
Die „Kasermandln“ waren damals überaus populär.

„Ich war zwei Jahre lang ihr Tontechniker, fuhr sie zu den Auftritten und baute ihre Verstärkeranlagen auf.“ Von den oö. ORF-Legenden Ing. Hermann Nussbaumer und Haymo Pockberger hat Walch dann 1981 die Chance bekommen, in der damals beliebten Radio-Nachmittagssendung „Wochenend-Express“ volkstümliche Gruppen vorzustellen. Nussbaumer und Pockberger seien damals die einzigen Leute im Landesstudio in Linz gewesen, die sich um dieses Musikgenre kümmerten, erläutert Walch noch immer in großer Dankbarkeit den beiden Herren gegenüber, die leider schon verstorben seien.

Sehr populär

Mit ihrem Engagement für volkstümliche Musik stießen sie seinerzeit in eine Marktlücke. Denn just in dem Jahr als Walch als ORF-Moderator begann wurde auch der Musikantenstadl mit Karl Moik aus der Taufe gehoben. Moik und Walch wurden damals – jeder in seinem Bereich – populär.

Karl gelang eine nationale und internationale Karriere, Leo eine oberösterreichische. Mit der von ihm ins Leben gerufenen volkstümlichen Hitparade, die er später auch für „Licht ins Dunkel“ inszenierte und seinen unzähligen Nachwuchswettbewerben ist er in der gesamten Szene (auch über Oberösterreich hinaus) bis heute ein Begriff.

Volkstümlichen Hitparade

Leo erinnert an seine Veranstaltungen in der Linzer Sporthalle, die jeweils 5.000 Menschen und mehr besuchten. „Aber das waren damals andere Zeiten“, sinniert Walch: „Damals redeten die Leute noch mehr miteinander, gingen auch noch viel fort.

Handys gab es noch nicht und die Internet-Entwicklung steckte erst in den Anfängen…“
Die 1980er- und die 1990er-Jahre waren „die Jahrzehnte“ der volkstümlichen Musik und Leo war am Zenith seiner Popularität.