Die Diskussion um afghanische Ortskräfte, die aus Afghanistan gerettet werden müssen, könnte eigentlich schnell beendet sein. Denn laut einer parlamentarischen Bundestagsanfrage der Grünen, die im Jahr 2018 gestellt und beantwortet wurde, gab es lediglich 576 Ortskräfte. 576? Warum spricht man also plötzlich von mehreren Tausenden?

Von Achim Baumann

  • Aus 576 Ortskräften im Jahr 2018 werden 10.000 plus Familien im Jahr 2021
  • Kommen noch mehr? Von den USA „Evakuierte“ stellen in der Bundesrepublik Asylanträge
  • Migration Richtung Europa bereits auf dem Weg
  • Wegen Bundestagswahl? Seehofer vermeidet die Nennung von konkreten Aufnahmezahlen

Über 576 Personen zu streiten, scheint im Rückblick von knapp zwei Millionen Aufgenommenen im Jahr 2015 eine Petitesse. Wären da nicht plötzlich weitaus höhere Zahlen in der Diskussion. Zudem stellen auch von den USA Evakuierte ihren Asylantrag in Deutschland. Welche Zahlen kommen also auf die Bürger und Steuerzahler zu?

Alarmierende Zahlen, die man bereits kennt

Die Bundeswehr hat nach Regierungsangaben etwas mehr als 5.000 Personen ausgeflogen. Dies waren laut offizieller Angaben vor allem Afghanen sowie ein paar Hundert deutsche Staatsangehörige. Darunter sollen 248 Ortskräfte mit insgesamt 916 Familienangehörigen sein. Regierungskreise rechnen aber mit rund 10.000 Ortskräften inklusive ihrer Angehörigen. Wie diese Zahlen zustande kommen, ist aber ungeklärt, denn in der Antwort zur Kleinen Anfrage der Grünen im Jahr 2018 hieß es seinerzeit am 18. Oktober noch ziemlich konkret: „Derzeit sind insgesamt für die in Afghanistan tätigen Ressorts 576 Ortskräfte beschäftigt, davon 83 Ortskräfte für das Auswärtige Amt (AA), 10 Ortskräfte für das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und 483 Ortskräfte für das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg).“ Und im Juni 2021 – das ist gerade einmal drei Monate her – erklärte die Bundesregierung erneut auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Bayram: „Derzeit sind 526 aktive und ehemalige Ortskräfte des Deutschen Einsatzkontingents Resolute Support berechtigt, ihre individuelle Gefährdung im Rahmen des Ortskräfteverfahrens anzuzeigen. Mit Stand 28. Mai 2021 haben insgesamt 457 Ortskräfte ihre Gefährdung angezeigt.“ Wieso spricht man plötzlich von 10.000 Ortskräften?

Asyl durch die Hintertür – wer kommt mit als „Ortskraft“?

Innenminister Seehofer indes macht auf „besorgt“. Kein Wunder, mittlerweile ist bekannt geworden, dass unter den inzwischen 5.000 eingeflogenen Afghanen etliche Vergewaltiger, Passfälscher, sonstige Kriminelle und sogar hochrangige Gefährder waren. 20 „sicherheitsrelevante“ Fälle habe man bereits ausgemacht, ganze zwei Personen, die früher schon in Deutschland waren und die offene Haftbefehle hatten, festgesetzt und inhaftiert. 

17.000 bis 19.000 Afghanen warten auf US-Stützpunkten

Wer aber denkt, mit dem Ende der Rettungsflüge sei nun ein Ende der Aufnahme verbunden, irrt. Einerseits bahnt sich offenbar schon ein Migrationszug Richtung Europa, anderseits stellen nun vermehrt Afghanen, die von anderen Staaten gerettet wurden, ihre Asylanträge in Deutschland. So zum Beispiel Afghanen, die von US-Streitkräften zwar gerettet, aber zu US-Basen in Deutschland wie in Ramstein oder in Kaiserslautern gebracht wurden. Denn Deutschland dient als Drehkreuz, bevor afghanische Schutzsuchende langfristig verteilt werden sollen. „Zunächst soll es für sie nicht in die USA gehen, sondern in Drittländer wie Albanien, Kanada oder Costa Rica, die laut US-Außenministerium bereits ihre Hilfe zugesagt hätten“, heißt es in der WELT. Aber wer will schon nach Albanien, wenn man schon in Deutschland ist? Und so haben etliche bereits den Weg aus den US-Basen hin zu deutschen Behörden gefunden und Asyl beantragt. So wundert es nicht, dass der Noch-Innenminister nichts Konkretes zu der Höhe der zu erwartenden Asylanträgen sagen möchte – könnte das im Bundestagswahlkampf doch ein unangenehmes Thema für die einwanderungsunkritischen Parteien werden…

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