Viele kluge Köpfe sitzen in Besprechungen immer wieder beisammen, um über die wichtigen Dinge des Lebens zu diskutieren: Die Gendergerechtigkeit in der deutschen Sprache. Nach tagelangen Sitzungen werden stolz und manchmal heimlich still und leise die Neuerungen in die allgemeingültige Instanz „Duden“ aufgenommen. Unholdin, Bösewichtin und ja, auch Trunkenboldin sind die aktuellsten Errungenschaften der Linguistinnen und Linguisten.

Ein Gastkommentar von Carina Paul

Dass Sprache das Mindset prägt, ist allgemein bekannt. Dass Sprache diskriminierend sein kann, auch. Dass sich einiges im Sinne der Gendergerechtigkeit ändern sollte, wird wohl auch nichts Neues sein. Doch inwiefern eine „Unholdin“ dies ändern soll, ist doch sehr schleierhaft.

Die „Osterhäsin“ im Geschäftsregal

Um ja niemanden zu diskriminieren und auszuschließen, werden die spannendsten Neologismen und Kombinationen erstellt. Ganz nach dem Motto: Sicher ist sicher! Weswegen auch schon Osterhäsinnen explizit in den Geschäftsregalen als weibliche Formen deklariert werden. Sie trägt ja auch eine Schleife im Haar und ist geschminkt. Welches Geschlechterrollenbild damit unterstützt wird, sei dahingestellt. Solange beide, Häsin und Hase, gleich viel kosten, ist doch alles gut. Und: Hauptsache: Es wird gegendert!

Welche Motive liegen dem „Gendern“ zugrunde?

Zurückblickend haben Frauen schon ziemlich viel im Bezug auf Gleichberechtigung erreicht. Neben dem in Österreich mittlerweile seit über 100 Jahren bestehenden Wahlrecht für Frauen – die Schweiz feiert heuer erst 50 Jahre Frauenwahlrecht – gibt es eigentlich nichts, was Frauen nicht auch können oder dürfen. Jedes Mädchen darf Mechanikerin werden. Sofern sie einen Lehrbetrieb findet, der den Bestimmungen und Auflagen bei Frauen in der Firma gerecht wird. Jedes Mädchen darf sich bilden und jeden Beruf ergreifen, den es möchte. Jedes Mädchen darf sogar Offizierin beim Bundesheer werden. Die leeren Bereiche in den Kasernen – extra für Frauen – warten nur auf sie. Und umgekehrt darf auch jeder Junge Hebamme, also Geburtenhelfer werden. Oder was auch immer er möchte. Ist das nicht toll?

Wer will schon Quotenfrau sein?

Dass Frauen jedoch für die gleiche Leistung, Arbeit oder Tätigkeit noch immer weniger verdienen als Männer, hat sich bis jetzt noch nicht geändert. Dies obliegt nicht nur den von Frauen dominierten Branchen, die halt „grundsätzlich“ weniger verdienen. Sondern immer noch querfeldein – sofern sich die Frau selbst nicht wehrt. Denn: Die Gefahr einer Schwangerschaft ist zu hoch. Das Papa-Monat und die Karenz für Väter sind zwar nette Errungenschaften, die ein Umdenken anstupsen. Aber die Entscheidung dazu, dass Männer in Karenz gehen, ist vorrangig eine finanzielle. Also hat sich eigentlich nichts geändert. Oh, Verzeihung: Die bekannte und gefürchtete Frauenquote! Das ist doch das Ziel jeder weiblichen Person, aufgrund einer Quote einen Beruf zu ergattern. Nicht die Qualifikationen haben die Chefetage zu einer Einstellung bewegt, sondern nur das Vorhandensein der weiblichen Geschlechtsorgane. Ist das nicht wiederum diskriminierend den Männern gegenüber? Wohlgemerkt für die Quoten-Frau selbst auch!

Stellt sich Erschöpfung ein?

Im Übrigen ist die gendergerechte Sprache per se diskriminierend. Denn: Die weibliche Form wird immer vor der männlichen Form genannt! „Linguisten und Linguistinnen“ ist damit als „inkorrekt“ einzuordnen. Auch die genderneutralen Begriffe werden in der Genderforschung nicht gern gesehen. „Lehrperson“ oder „Lehrkraft“ ist ihnen ein Dorn (oder eine Dornin?) im Auge, da die weibliche Form nicht explizit genannt wird. Auch Studierende werden mit einem Sternchen versehen: Studierende*r. Damit beide Formen herausstechen. Somit ergibt sich eine Vielzahl an Möglichkeiten, ob es nun Polizistinnen und Polizisten, PolitikerInnen, Lehrer_innen, Schüler*innen oder auch Wähler/innen heißt. Eine Vielzahl an Möglichkeiten, die Sprache eher kompliziert als einfach machen. Sodass das Mindset auch komplizierter werden kann. Oder sich einfach eine Erschöpfung einstellt, die die Beweggründe nicht mehr nachvollziehen oder erfassen kann. Wenn wiederum nur die weibliche Form genannt wird, ist dies ja dann diskriminierend den Männern gegenüber. Herr Kurz ist sicher nicht erfreut, wenn er Bundeskanzlerin genannt wird. Auch Alexander Van der Bellen wäre über die Betitelung Bundespräsidentin nicht begeistert. Aber vielleicht ist genau das die Lösung: Einfach mal nur die weibliche Form anwenden! Vielleicht könnte so ein tiefergehendes Umdenken aktiviert und motiviert werden, wenn es einfach keine Bürokaufmänner oder Feuerwehrmänner mehr gäbe. Die Traumberufe der Buben wären somit nur noch Anwältin, Polizistin oder Feuerwehrfrau. Klingt genauso, als wenn ein kleines Mädchen sagt, dass es, wenn es groß sei, Bundespräsident werden möchte.

Sind die Stärke, die Kraft und die Ausdauer weiblich?

Ob nun eine „Unholdin“ oder eine „Bösewichtin“ dieses Umdenken zur Genüge hervorrufe, kann nicht beantwortet werden. Ob eine stereotyp weibliche „Osterhäsin“ eine Gendergerechtigkeit unterstütze, lässt sich klar mit „Nein“ beantworten. Ob die vielleicht diskriminierenden explizit weiblichen Varianten der Begriffe eine echte Veränderung bewirken würden, wäre einen Versuch wert. Mit Sicherheit kann jedoch hervorgehoben werden, dass die Kraft, die Stärke und die Ausdauer weiblich sind – zumindest im grammatikalischen Genus deklariert. Was die Frauen daraus machen, bleibt in ihren Händen und in ihrer Macht, die wohlgemerkt auch weiblich ist.

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