Über nichts wird seit Beginn der Corona-Krise so heftig gestritten wie über Zahlen. Infektionszahlen, Anzahl der durchgeführten Tests, Zahlen der belegten und der zur Verfügung stehenden Intensivbetten… Dabei zeigt sich, dass trotz der ständig veröffentlichten Statistiken gar nichts klar und verständlich ist und auch die Maßnahmen umstritten sind.

Von Matthias Hellner

PCR-Test

Die PCR-Tests sind schon seit Beginn der Krise ein Punkt ständiger Kritik. Geben doch die Zahlen über positiv-getestete Personen keinerlei Auskunft darüber, ob sie überhaupt infiziert sind oder genug Viren in sich haben, um andere Menschen anzustecken.

Denn anders als es sehr oft dargestellt wird, zeigen die gelieferten Zahlen nicht die Anzahl der Erkrankten. Dafür sind die verwendeten Tests gar nicht ausgelegt.

Denn für die eigentliche Diagnostik, ob jemand wirklich krank ist, sind die PCR-Tests nicht zugelassen. So heißt es auch in einer Veröffentlichung des Robert-Koch-Instituts vom 24. September 2020: „Im Gegensatz zu replikationsfähigem Virus ist die RNA von SARS-CoV-2 bei vielen Patienten noch Wochen nach Symptombeginn mittels PCR-Untersuchung nachweisbar.

Dass diese positiven PCR-Ergebnisse bei genesenen Patienten nicht mit Ansteckungsfähigkeit gleichzusetzen ist, wurde in mehreren Analysen gezeigt, bei denen parallel zur PCR-Untersuchung eine Anzucht von SARS-CoV-2 in einer Zellkultur durchgeführt wurde.“ Dennoch gelten die Zahlen der Tests als Gradmesser für die Pandemie. Also eine reine Labor-Pandemie?

Intensivbetten

6.000 Infektionen pro Tag war die magische Grenze, die Bundeskanzler Sebastian Kurz am 26. Oktober verkündete. Dann müsse wieder heruntergefahren werden und ein Lockdown kommen, bevor das Gesundheitssystem kollabiere.

Seither werden regelmäßig Statistiken präsentiert, die die Intensivbettenauslastung und die verfügbaren Reserven zeigen. Doch sind die Zahlen ungenau. So gibt es bei der Zählweise der Intensivbetten zwischen Ost- und Westösterreich offenbar deutliche Unterschiede.

In Westösterreich, wo die schwarz-regierten Länder besonders Corona-affin und in weiterer Folge auch regierungshörig sind und die Maßnahmen gern schon vorab übererfüllen, werden nur Betten in die Zählung aufgenommen, die sofort für Corona-Patienten zur Verfügung stehen könnten.

In Ostösterreich hingegen meldet man alle Kapazitäten, also auch Betten, die man im Extremfall unter der Hinzuziehung von Ressourcen aus anderen Stationen verfügbar machen kann. Und was auch verschwiegen wird: Schon im Frühjahr 2012 kämpften Spitäler in Wien wegen der Grippewelle und dem Ausbruch einer Durchfallerkrankung durch Noro-Viren mit Kapazitäten und griffen sogar auf Gangbetten zurück.

Maskenpflicht

Als „Instrument der Freiheit“ bezeichnete der bayerische CSU-Ministerpräsident Markus Söder die Masken. Dabei ist der Schutz, den ein Mund-Nasen-Schutz bietet, vor allem, wenn es sich um die sogenannten „Alltagsmasken“ handelt, eher gering.

Im Gegensatz zu FFP2- oder FFP3-Masken, die, wenn die Qualität stimmt und sie richtig benutzt werden, rund 97 bis 98 Prozent der Aerosole abfangen, sind es bei den weitverbreiteten selbstgenähten Stoffmasken teilweise nur höchstens 10 Prozent.

Problematisch können nicht professionelle Masken durch einen erhöhten CO₂-Gehalt in der Luft werden. Vor allem, wenn das Maskenvolumen zu groß ist und kein ausreichender Luftaustausch stattfinden kann, kann die CO₂-Konzentration unter der Maske gefährlich werden.

Wie schnell das zur Gefahr werden kann, zeigten schon die Tests eines Sachverständigen. Es dauerte nicht lange und die Grenzwertverordnungen waren deutlich überschritten. Warnte Bundeskanzler Kurz zu Beginn der Corona-Krise noch vor Maskentragen als Panikmache, ist die nun nicht mehr wegzudenken, denn Angst haben ist jetzt erwünscht. 

Lockdown

Der Lockdown wird derzeit von der Regierung als alternativlos bezeichnet, wenn es um die Eindämmung der Corona-Infektionszahlen geht. Dabei ist dieses Corona-Allheilmittel alles andere als unumstritten.

Nicht nur, dass die Maßnahmen der Wirtschaft und vielen Unternehmen schweren Schaden zufügen, auch die Menschen leiden unter Vereinsamung, und Experten bestätigen, dass psychische Probleme zunehmen.

Dabei gibt es Länder, die zeigen, dass es auch ohne derartig einschneidende Maßnahmen geht. Neben Schweden hat auch Japan bisher keinen Lockdown verordnet. 

Das öffentliche Leben ging normal weiter, Arbeitsplätze blieben geöffnet, öffentliche Verkehrsmittel fuhren wie eh und je, das soziale Leben war und ist in keiner Weise eingeschränkt, Restaurants, Fitness-Studios etc. blieben geöffnet.

Und obwohl Japan aufgrund seiner hohen Bevölkerungsdichte denkbar schlechte Voraussetzungen hatte, um mit der Corona-Pandemie fertig zu werden, liegt die Mortalitätsrate von Personen, die wegen Corona sterben, einer Studie zufolge bei niedrigen 0,0006 Prozent. Woran es liegt, sollen weitere Studien klären.

Schule

Immer wieder stehen auch Schulschließungen zur Debatte. Nun, beim zweiten Lockdown, werden wie schon im Frühjahr die Schulen  auf „Distance learning“ umgestellt. Dabei sind Schulschließungen mehr als umstritten, und der Nutzen der Maßnahme ist zweifelhaft.

Denn, so hat sich bisher gezeigt, Kinder und Jugendliche tragen nicht zum Infektionsgeschehen bei. Dies wurde auch durch die Ergebnisse der „Erst­untersuchung der Schul-SARS-CoV-2-Monitoringstudie“ bestätigt.

Bei der sogenannten „Gurgelstudie“ an repräsentativen Schulen wurden nur 40 der 10.156 Probanden, Schüler und Lehrer wohlgemerkt, positiv getestet, also nur 0,4 Prozent. Diese Wenigen hatten alle keine Symptome, sind somit keine Überträger der Krankheit.

Die AGES schreibt: „Für eine Weiterverbreitung der Infektion spielen asymptomatisch Infizierte eine untergeordnete Rolle“. Dennoch gelten Kinder nun als Gefahr.