Auch wenn die Regierung und manche Mainstream-Schreiberlinge das nicht wahrhaben wollen: Die Demos in Wien standen und stehen für friedliche Regierungskritik - und nicht für Gewalt.

Seit Wochen versuchen die Eliten ob der wachsenden Zahl an mit den Corona-Regeln der Regierung unzufriedenen Bürgern dem friedlichen Widerstand etwas ans Zeug zu flicken. Obwohl sogar das im Innenministerium beheimatete BVT wahre Horrorszenarien an die Wand malte, blieb die von über 15.000 Menschen besuchte Demo am Samstag in Wien friedlich. Dann trat der „Standard“ auf den Plan – und berichtete unter Berufung auf ein dubioses Antifa-Rechercheportal über vermeintliche Umsturzpläne. 

Angeblich hätten „Hardliner“ in internen Chatgruppen über „radikale Pläne“ beraten. Dort sei die Rede von einer „Übernahme des Parlaments“. Als vermeintlichen Beleg zitiert der Standard dabei einzelne Aussagen zweier Mitorganisatoren. Nun häufen sich allerdings die Indizien, dass die Kollegen beim lachsrosa Blatt in Wirklichkeit eine grob mangelhafte Recherchearbeit betrieben. Denn Chatprotokolle, die dem Wochenblick vorliegen beweisen: Ausgerechnet die beiden angepatzten Personen distanzieren sich besonders deutlich von jeder Form der politischen Gewalt.

Angeblicher Aufhetzer wollte friedliche Demo sehen

Richtig ist zwar, dass eine der Personen einen überschwänglichen Text teilte, der vom Potenzial friedlicher Platzbesetzungen nach Maßstab von Gene Sharp erzählt. Auch ist aus dem Kontext verständlich, dass Gottfried H. sich vorstellen kann, dass der Slogan „Kurz muss weg“ tatsächlich in einem Abdanken der gesamten Regierung endet. Einen angeblichen Plan für einen ‚Sturm aufs Parlament‘ verneint er im selben Chatverlauf aber vorab besonders vehement, um Missverständnissen vorzubeugen.

Vielmehr unterstreicht der Mann seinen Wunsch nach Gewaltlosigkeit der Proteste: „Ich bin mir sicher, es bleibt friedlich“. Dass die Gerüchte über gewaltbereite Personen, die zur Demo kommen könnten, die Runde machen, lässt auch ihn nicht kalt. Als sein Gesprächspartner im Chat ihm zur Verhinderung dessen vorschlägt, mit Ordnern die Regierungsgebäude zu schützen, pflichtet er bei: „Das habe ich mir auch schon gedacht.“

Distanzierung von Gewalt wurde einfach ausgeblendet

Ebenso deutlich ist der Fall des ebenfalls vom „Standard“ angeschossenen Hannes B. Mit dem Zitat, dass er schauen wolle, „wie weit die Bevölkerung ist“, unterstellt das Autoren-Kollektiv des Standard ihm eine Affinität zu Umsturzplänen. Als er davon hört, dass es Personen gibt, die solche Fantasien hegen könnten, schreibt er: „Ich würde so etwas nie unterstützen“. Eine noch deutlichere Distanz zur Gewaltbereitschaft gibt es wohl kaum – beim „Standard“ kam diese Information aber offenbar nicht an.

Wie sehr die Organisatoren darauf bedacht waren, dass es so friedlich ablaufen sollte, wie es letztendlich der Fall war, zeigt auch ein uns vorliegender Chat zwischen den beiden Mitorganisatoren Alex E. und Thomas S.; Letzterer schlägt darin vor, eigene Ordner einzusetzen und die Gefahrenlage mit der Polizei abzuklären. Wie er auf Wochenblick-Anfrage bestätigte, hätte man der Polizei vor Ort sogar Einblick in die genannten Chatverläufe gewährt – man wollte auf Nummer sicher gehen. Der „Standard“ hätte die Organisatoren hingegen für eine Stellungnahme gar nicht erst kontaktiert.

Tirade auch gegen ruhig auftretenden Einsatzleiter

Es wäre allerdings nicht die „Medienarbeit“ der vier „Standard“-Autoren, die großteils bereits in der Vergangenheit mit regelrechten Hetzartikeln gegen dissidente Akteure auffielen, wenn man nicht auch auf Polizisten schimpfte. Dabei schrieben sie über einen der Einsatzleiter, der sich angeblich mit den Demonstranten verbrüdere. Als wäre es ein Skandal, schreibt der „Standard“, dass jener „seit Monaten einen freundschaftlichen Umgang mit Demo-Organisatoren, deren Ordnern und Teilnehmern zu pflegen“ scheine.

Dass man den vorbildlich deeskalierend auftretenden Beamten ebenfalls mit Anwürfen überhäufe, stößt beim Orga-Team der Demos auf breites Unverständnis. Thomas S. ist schockiert über die Negativ-Berichterstattung: „Als ich hörte, wie man mit dem Beamten umging, konnte ich zwei Tage nicht schlafen.“ Gerade Polizisten hätten es schwer, wenn man ihnen auftrage, entgegen ihres Berufsethos die Bevölkerung zu ärgern: „Für so was bist ja normalerweise nicht Polizist geworden“.

Die fragwürdigen Quellen des „Standard“

Bei den Anschuldigungen verließ sich der „Standard“ auf das einschlägig bekannte Portal „Presse Service Wien“. Für die unter dem unschuldigen Namen auftretende Initiative verdingen sich prominente Antifa-Aktivisten. Deren Fotografen besuchen viele kritische Demos in der Bundeshauptstadt, um aus jedem nur erdenklichen Winkel auch noch den letzten Teilnehmer zu fotografieren. Die Seite des Kollektivs besitzt kein Impressum.

Ein Dossier von „Recherche Österreich“, das am Mittwoch in der Grazer „Tagesstimme“, der Online-Zeitung des patriotischen „Freilich“-Magazins, veröffentlicht wurde, deckte die Arbeitsweise auf: „Wenn allerdings Arbeit und Aktivismus verschwimmen, wird es schnell seltsam. Der Antifa-Fotograf mutiert zum „Stalker“, dem nicht nur das Bild wichtig ist, sondern seine persönliche und distanzlose Gegenwart, die wohl sowas wie ein Widerstandsakt sein soll, der auch provoziert.“

Dabei würden die Foto-Objekte das Gefühl der Verfolgung nicht schätzen und auch die Polizei wisse, dass solches Verhalten bei Veranstaltungen eskaliere. Es käme dann aber zu einer Umkehr der Tatsachen: „Zurückweisungen spielt der Antifa-Fotograf dann als ‚Angriff auf die Pressefreiheit‘, etablierte Medien wie ‚Der Standard‘ oder ‚profil‘ spielen da gerne mit.“