Vor und auch nach der Nationalratswahl wurde ich von einigen interessierten Menschen gefragt, was ich mir für meine Branche und für mich von einer zukünftigen Regierung erhoffe.

Dr. Herbert Samhabers Finanz-Check

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Die größte Gefahr geht für mich als Unternehmer von der Politik selber aus. Was meine ich damit? Die meisten politisch verantwortlichen Personen verstehen meine Branche nicht. Sie geben zwar oft vor, von allen Bereichen des Lebens eine Ahnung zu haben und Experten zu sein, durch das tatsächliche fehlende Wissen über viele Bereiche begreifen sie die Auswirkungen ihrer Entscheidungen allerdings nicht.

Keine bloßen Ankündigungen

Daher wäre mein Wunsch ganz klar: Es darf nicht nur bei Ankündigungen bleiben, es müssen auch tatsächliche Handlungen folgen. Im Wahlkampf wurde öfters vom „Einbinden von echten Experten (aus der Praxis) in den Werdungsprozess“ gesprochen. Das halte ich für eine hervorragende Idee, welche nun unbedingt beherzigt bzw. umgesetzt werden sollte.

Als ein seit Jahrzehnten im Bereich des Finanz- und Geldwesens tätiger Mensch möchte ich an dieser Stelle zur Aufklärung über meiner Branche beitragen. Die meisten dort arbeitenden Personen sind für kleine und mittelständische Unternehmen bzw. in solchen und nicht für riesige internationale Konzerne tätig.

Falschannahme

Werden nun Gesetze oder Verordnungen – seien es österreichische oder europäische – für unseren Sektor beschlossen, so wird viel zu oft von einer Falschannahme, wer die betroffenen Unternehmen sind (und wie diese beschaffen sind) ausgegangen.
Das bringt unsere heimische Branche auf Dauer um!

Denn immer mehr sinnlose Auflagen bedrohen die Existenzgrundlage unseres österreichischen Unternehmensmodells und gefährden damit in weiterer Folge Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Das gehört abgestellt! Ich möchte, dass die nächste Regierung – wie auch immer diese aussehen wird und wer auch immer das Finanzressort übernimmt (hoffentlich ein Experte aus der Praxis) – sich bewusst für unsere gewachsenen Unternehmensstrukturen einsetzt – sei es in Wien oder in Brüssel.

Keine leeren Worthülsen

Daher vertrete ich auch den Standpunkt, dass ein neues Regierungsprogramm (auch in meinem Bereich) keine leeren Worthülsen enthalten darf, sondern wirklich in konkrete Details gehen soll. Es muss in Zukunft gestattet sein, dass sich die möglichen neuen Koalitionspartner auch echte Erfolge gönnen.

Nur so kann man gemeinsam, aber zugleich jeder für sich erfolgreich sein. Außerdem werden für viele gesetzliche Angelegenheiten – auch in meinem Sektor – Zweidrittelmehrheiten im Nationalrat benötigt.

Keine sinnvolle Alternative

Darum sollte bei den künftigen Partnern der Gedanke an das „liberale Zentrum“ für eine dementsprechende Mehrheit am besten bereits beim Ausverhandeln mitberücksichtigt werden. Zeit, lautet die Maxime. Ich halte es für sinnvoller, wenn sich etwaige zukünftige Partner genug Zeit nehmen für ein gut ausverhandeltes Programm, mit dem alle zielstrebig arbeiten können.

Schnellschüsse, die unter Druck entstehen, sind keine sinnvolle Alternative, sondern führen geradewegs zu größeren Problemen oder zu den nächsten Wahlen. Denn nur wer harmonisch auf partnerschaftlicher Ebene zusammenarbeiten kann, der ist auch dazu fähig, in möglichen Krisenzeiten vernünftig und aktiv zu agieren.