Londons linker Bürgermeister mit pakistanischen Wurzeln, Sadiq Khan, forderte kürzlich in einem BBC-Interview, die Covid-19-Impfung neben bestimmten Altersgruppen vor allem auch auf … schwarze Londoner, asiatische und ethnische Minderheiten-Londoner zu konzentrieren.

Diese haben in der Corona-Krise „überproportional gelitten“. Was aber, wenn sie das gar nicht wollen? Ein Viertel der Londoner lehnt nämlich eine Covid-19-Impfung ab.

Vertrauen in Impfung schaffen

Khan meint, dass die Londoner beim Impfen zögerlicher seien als in anderen Teilen des Landes, sprich: sich eben nicht impfen lassen (wollen). Das zeige sich bei Pocken, Polio, Masern/Mumps, HPM (krebserregende Papillomviren). Man müsse ihnen also das Vertrauen geben, dass sich eine Impfung auszahle und sicherstellen, dass die „am meisten Gefährdeten“ die Impfung zuerst bekommen. Onkar Sahota, Chef des Londoner Gesundheitskomitees, meint: …das Vertrauen in die Covid-19-Impfung sei ein großes Problem in der Stadt. Man müsse die Mythen und Verschwörungstheorien rund um die Impfung, vor allem auf sozialen Plattformen, entschieden bekämpfen.

Keine Corona-Jobs für gefährdete Ethnien

Schuld an diesem Dilemma ist natürlich die Mehrheitsgesellschaft, glaubt Khan in einem Gastkommentar im Guardian vom April. Er spricht darin, ganz auf der Linie mit der Black Lives Matter Bewegung, von „strukturellem Rassismus“ in der Corona-Krise. Ethnische Minderheiten leiden mehr unter der Armut, haben eine schlechtere Gesundheit und arbeiten in unsicheren und minder bezahlten Jobs. Er empfahl deshalb den Gesundheitseinrichtungen Minderheiten, die dem Corona-Virus besonders ausgesetzt sind, aus der Frontlinie zu bringen. Denn es gebe Daten wonach Schwarze oder Asiaten überproportional von Covid-19 betroffen sind.

Impfpflicht bei Mangel an Freiwilligen

Der wahre Grund für Khans Sorgen dürfte ein anderer sein: laut Umfragen vom Oktober und November will sich nämlich ein Viertel der „Londoner „sicher oder wahrscheinlich“ nicht gegen Corona impfen lassen. Fast die Hälfte vertraut entweder der Regierung oder den Impfstoff-Herstellern nicht. Die größte Impfskepsis besteht in der Gruppe der 45 bis 54-Jährigen. In Großbritannien gibt es aktuell keine Impfpflicht. Die Regierung würde allerdings eine Covid-19-Impfpflicht in Betracht ziehen, wenn man mit Freiwilligkeit die Ausbreitung des Virus nicht stoppen könne, sagte der Gesundheitsminister. Die britische Regierung hat erst kürzlich Millionen Dosen an Covid-19-Impfstoffen von Moderna und Pfizer/BioNTech gekauft. Weitere sollen bei AstraZeneca-Oxford bestellt werden.