Immer mehr Menschen wollen mit einer Covid-19-Impfung noch zuwarten, aus den vorhandenen Impfstoffen wählen können oder lehnen sie gänzlich ab. Das bereitet der EU Kopfzerbrechen.

Von Kornelia Kirchweger

Man müsse mit mehr Information und Transparenz Vertrauen in die Impfstoffe schaffen, sagte ein Sprecher. Diskutiert wird auch eine Wahlmöglichkeit der Bürger, welchen Covid-19-Impfstoff sie wollen. Das Risiko dabei: Die EU könnte auf ihren neuartigen, teuren mRNA-Präparaten sitzen bleiben, denn gerade ihnen gilt das Misstrauen der Menschen.

mRNA-Präparate nicht beliebt

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA), die für die Zertifizierung der von Brüssel – zentral – für ihre 27 Mitglieder eingekauften Impfstoffe zuständig ist, wird voraussichtlich am 29. Dezember einen Covid-19-mRNA Impfstoff von BioNTech und Pfizer genehmigen. Die Abnahme für den Impfstoff von Moderna wird für 12. Jänner erwartet. Weitere Genehmigungen soll es im Laufe des Jahres 2021 geben. Weil dann verschiedene Impfstoffe auf dem Markt sein werden, wird aktuell diskutiert, ob Bürger daraus wählen können oder zumindest informiert werden, was man ihnen – von welchem Hersteller – verabreichen wird. Grundsätzlich hat man als Bürger ein Recht darauf zu wissen, mit welchem Medikament man behandelt wird.

Staaten bevorzugen „Blanko-Impfung“

In den EU-Staaten gibt es verschiedene Ansätze dazu. Bisher unklar ist, wie Österreich dabei vorgehen will. Keine Wahlmöglichkeit gibt es etwa in Griechenland oder Finnland. Bürger erfahren dort auch den Impfstoff-Hersteller nicht. In Spanien erst kurz vor der Impfung. In Belgien herrscht noch Unklarheit. Wenn alle Impfstoffe einen ungefähren Wirkungsgrad von 90 Prozent haben, reiche das aber ohnehin, heißt es. Keine Wahlmöglichkeit haben die Bürger in Tschechien, aber sie dürfen den Hersteller wissen. Ungarns Gesundheitsministerin Cäcilia Müller hofft, dass im Frühjahr alle die vom Ausland bestellten Impfstoffe verfügbar und mehrere von der Behörde zugelassen sind – „aus denen wir auswählen können“. Ungarn setzt – zum Ärger von Brüssel – auch auf den russischen Vektor-Impfstoff „Sputnik V“, der schon in Einsatz ist – und auf chinesische Präparate – die auch nicht im eingekauften EU-Portfolio sind.