Wie im alten Rom: Nicht nur die Art und Weise, wie Strache durch eine kriminelle Intrige, ein politisches Attentat, zu Fall gebracht wurde, auch die Form der dekadenten Gebärdung des FPÖ-Chefs erinnert an den Niedergang im antiken Reich.

Ein Gastkommentar von WB-Club-Leiter Stefan Magnet

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Offene Geheimnisse

Denn auch Rom war für seine auf die Couch gelehnten Senatoren bekannt, die im Alkohol- und Frauentaumel die Geschicke der Republik leiten wollten. Wie die Geschichte mit Brot und Spielen geendet hat, wissen wir. Dass Strache seit 14 Jahren im Dauereinsatz stand, dass er eine schwache Minute hatte oder ähnliche Erklärungen, interessiert die Österreicher herzlich wenig. Die Verhaberung und Parteienverfilzung ist in Österreich allgegenwärtig. Im tiefschwarzen Niederösterreich oder im dunkelroten Wien etwa ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Staatsbedienstete „das richtige Parteibuch“ besitzen müssen, um überhaupt auf die Idee zu kommen, im Staatsdienst aufzusteigen. Dass Staatsaufträge grundsätzlich auch nur an genehme Firmen vergeben werden, ist auch ein offenes „Geheimnis“. Und zu den von Investoren, Banken oder Inseraten „völlig unabhängigen“ Medien wollen wir keine Worte mehr verlieren…

Fragwürdige Sittenbilder

Abgehobenheit, Machtgier, Protz und Luxus: Dieses Bild vermittelt seit Jahrzehnten eine zweifelhafte Elite, die sich so vom Volk entfernt hat. Doch genau darum geht es: Diese dekadente Abgehobenheit wurde in den letzten Jahren abgewählt, indem man die FPÖ als „Game Changer“ gewählt hat. Deshalb ist es umso unverzeihlicher, wenn ein solcher Polit-Stil mit der FPÖ fortgesetzt werden würde. Die ersten Reaktionen aus der FPÖ haben hier erfreulich klar Stellung bezogen. Manfred Haimbuchner prangerte ein „Sittenbild“ an, „das nicht im Einklang mit den hohen Maßstäben steht, die wir Freiheitlichen an uns selbst anlegen.“ Ebenso lehnte der erfolgreiche Welser Bürgermeister Andreas Rabl eine Haltung ab, die „nicht den Werten der FPÖ entsprechen“ würde. Es ist zu hoffen, dass eben genau über diese Werte eine interne Debatte geführt wird. Denn wer Fairness plakatiert, muss dies auch in Haltung und Handlung umsetzen.