Immer mehr junge Männer sind für das österreichische Bundesheer untauglich. Neben psychischen Problemen ist dabei das Übergewicht ein besonders häufig auftretendes Problem. Gewichtige Probleme schafft das auch für den Zivildienst. Vor allem das Rettungswesen ist auf die Präsenzdiener angewiesen. Vorschläge, die Tauglichkeitskriterien zu lockern, stoßen bei Militär-Experten allerdings auf Skepsis.

Ein Bericht von Rene Rabeder

Experten schlagen schon länger Alarm, nun spitzt sich die Situation in Österreichs Stellungsstraßen aber noch immer weiter zu. Im Schnitt beträgt der Anteil der Untauglichen landesweit besorgniserregende 24,4 Prozent. Diese Zahlen stammen aus der aktuellen Detailauswertung des Verteidigungsministeriums.

Von den 40.500 Stellungspflichtigen waren 30.600 Männer tauglich. 9.900 junge Burschen wurden für untauglich befunden. Die Gründe, warum diese beinahe 10.000 jungen Männer nicht fit genug sind, ihren Präsenzdienst zu leisten, sind vielfältig.

Häufigste Ursache für Untauglichkeit bleiben zwar weiterhin psychische und Verhaltensstörungen, doch vor allem auch körperlich scheinen viele große Defizite aufzuweisen. Ein Problem ist hier besonders „gewichtig“: Schon 2018 wurde bei 1.194 jungen Männern die Diagnose Adipositas gestellt.

Ausländeranteil verdoppelt

Satte 32 Prozent mehr als noch zehn Jahre zuvor. Bei vielen der Gemusterten war ihre Fettleibigkeit der einzige Grund für die Untauglichkeit. Wenn auch die absolute Zahl der knapp 10.000 Untauglichen seit Jahren relativ konstant bleibt, muss man doch beachten, dass die Zahl der Stellungspflichtigen aufgrund von zuletzt vielen geburtenschwachen Jahrgängen immer weiter sinkt.

Dazu kommt noch ein entscheidender Aspekt: In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Anteil an Geburten mit ausländischer Staatsbürgerschaft fast verdoppelt und liegt bei mittlerweile 20 Prozent der Gesamtzahl. Die Leidtragenden dieses demografischen Wandels sind das Bundesheer und Rettungsdienste.

Sie klagen über den verheerenden Nachwuchsmangel. Lösungsvorschläge kommen aus der Politik. Wer nur teiltauglich ist, soll in Zukunft „für eine Verwendung im Büro, in der Küche oder einer anderen individuell passenden Tätigkeit“ zur Unterstützung in Heer oder Zivildienst eingesetzt werden.

Diese Senkung der Tauglichkeitskriterien stand bereits unter der Türkis-Blauen Regierung auf dem Plan, konnte jedoch wegen dem vorzeitigen Koalitionsende nicht mehr umgesetzt werden. Die ÖVP hat dieses Vorhaben vor wenigen Tagen nun wieder zum Wahlkampfthema gemacht.

Wäre Teiltauglichkeit möglich?

Für eine völlige Befreiung von der Wehrpflicht müsse laut ÖVP-Klubchef August Wöginger zukünftig eine körperliche oder geistige Behinderung vorliegen. Kritiker sehen in dieser Überlegung aber nur einen Vorwand, um im Rahmen des Zivildienstes billige Arbeitskräfte zu generieren.

Gleichzeitig würden junge Männer in einen Militärdienst geschickt, für den sie nicht fit genug seien, was den Auftrag der Armee, nämlich die Bevölkerung zu schützen und im Katastrophenfall Hilfe zu leisten, ad absurdum führen würde. Tatsächlich bedeuten viele Untaugliche auch weniger Zivildiener.

Und alleine das Rettungswesen lukriert pro Jahrgang rund 40 Prozent dieser sogenannten Wehrersatzdienstleistenden. Beachtet man, dass sich immerhin 43,9 Prozent der Stellungspflichtigen zum Zivildienst melden, wird klar, warum vor allem viele NGOs großes Interesse an einer Senkung der Tauglichkeitskriterien haben.

Das Bundesheer selbst sieht solche Überlegungen mit Skepsis, verweist auf ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs, in dem es heißt: „Der Dienst im Bundesheer umfasst jedenfalls eine militärische Komponente.

(…) Dies bringt die Anforderung mit sich, dass der Betreffende jedenfalls eine Waffe bedienen und ein gewisses Mindestmaß an Kraftanstrengung und Beweglichkeit entwickeln kann“. Eine „Teiltauglichkeit“ sei danach rechtlich überhaupt nicht möglich, argumentiert das Militär.