Nach den exklusiven Enthüllungen rund um dem Mord eines Asylwerbers an der unschuldigen Michelle begab sich der Wochenblick wieder nach Steyr. Die Menschen auf der Straße zeigen sich schockiert über das sinnlose Verbrechen. Für die Politik finden die Steyrer wenig lobende Worte.

Ein Lokalaugenschein von Julian Utz

Werbung

Nach dem vielen Schneetreiben, das Oberösterreich und weite Teile von Bayern in den letzten Tagen und Wochen heimgesucht hat, strahlt nun an diesem Donnerstag wieder einmal die Sonne in Steyr und der ganze Schnee ist fast weggeschmolzen. Man könnte für eine kurze Zeit meinen, dass es schon wieder Frühling sei.

Schwerpunkt-Ausgabe

Wir, meine Kollegin und ich, sind gerade aus dem Auto ausgestiegen und befinden uns im Stadtteil Steyr-Münichholz, um in den dort ansäßigen vielen Gasthäusern, Cafés und Lokalen unsere zuletzt erschienene AUSGABE 2/19 zu verteilen und wieder mit den Leuten zu reden, wie denn nun das Stimmungsbild sei, fast einem Monat nach dem schrecklichen Mord an Michelle F., der vom siebzehnjährigen afghanischen Asylwerber Saber A. begangen wurde.

Die Orientierung fällt hier für uns als Ortsfremde anfangs schwer, denn in der riesigen „Hitlerbauten“-Siedlung sieht alles vollkommen gleich aus, egal in welche Richtung man blickt oder gehen möchte.

Mit Google Maps „bewaffnet“ starten wir in die Richtung des Gasthauses los, in dem mein Kollege Rene Rabeder ein paar Tage nach dem eiskalten Mord den Wirt getroffen und sich mit ihm und den anwesenden Gästen unterhalten hat.

Es ist kurz vor Mittag, als wir hineingehen, circa zehn Leute stehen gemütlich mit ihren Getränken an der Bar, die nette Kellnerin grüßt freundlich und erkennt uns gleich als Ortsunbekannte.

Großverteilung der Zeitung

Ich erzähle ihr, dass wir vom „Wochenblick“ seien und in unserer letzten Ausgabe wieder einen Schwerpunkt zum Steyrer Mordfall gemacht haben und frage sie, wie die Stimmung dazu nun im Stadtteil sei.

„Der Mord ist natürlich ein Wahnsinn. Wir fühlen uns noch immer von der Politik stark im Stich gelassen, denn seitdem ist bei uns nichts passiert. Es ist aber trotzdem toll, dass ihr weiterhin darüber berichtet und damit Michelle nicht in Vergessenheit geraten lässt. Andere Medien berichten gar nicht mehr, aber auch kein Wunder bei den Frauenmorden, die sonst noch so passieren…“, stellt sie fest.

Ein anderer Gast meint, dass er die Artikel von unserer Zeitung gelesen hat und findet, dass wir „die Einzigen sind, die nichts verheimlichen und so darüber schreiben, wie es auch passiert ist “.

Wir gehen weiter durch das Viertel und verteilen viele Zeitungen an interessierte Personen auf den Straßen und an den Gaststätten, bei denen wir vorbeikommen. Vor uns liegt nun die Berufsschule, in der auch die 16-jährige Michelle F. zur Schule ging.

Wir machen uns auf ins Sekretariat, denn wir wollen die Zeitung auch im Schulgebäude hinterlassen, brauchen dafür jedoch eine Erlaubnis. Diese bekommen wir auch vom Direktor, der sich ebenfalls schockiert zur Tat äußert, und verteilen daraufhin einige Exemplare in der Cafeteria.

Dabei kommen wir mit Schülern ins Gespräch, die Michelle zwar nicht gekannt haben, aber hoffen, dass so etwas nicht bald wieder passieren wird. „Wir verstehen nicht, wie sich die Mädls mit den Asylanten einlassen können.

Interessante Gespräche

Die müssen ja wissen, dass sie von denen sehr wahrscheinlich sch**** behandelt werden“, meint einer der Burschen. Auch sie sind erschüttert und verstehen nicht, wie es zu dem tragischen Ereignis kommen konnte. In der prachtvollen Steyrer Altstadt angekommen, geht es dann schon etwas hektischer zu.

Auch dort verteilen wir eine große Anzahl an Zeitungen. In einer Konditorei fragt uns eine ältere Dame, was für eine Zeitung wir denn hier hätten und meint: „Oh je, es ist schlimm, dass das arme Dirndl so jung sterben musste. Und währenddessen passieren so viele weitere Morde, wie in Niederösterreich, das habe ich kürzlich auch gelesen. Früher gab es das alles bei uns zum Glück nicht.“

Als wir alle unsere mitgebrachten Exemplare verteilt hatten, gingen wir mit einem guten Gefühl nach Hause, denn die Leute schätzten es sehr, dass wir uns einerseits mit ihnen unterhielten und andererseits als Medium darüber schreiben, was andere verschweigen.