Der Spitalsneubau in Wien-Floridsdorf kommt auch im neuen Jahrzehnt nicht aus den Schlagzeilen. Denn aus vermeintlichem Respekt vor Gläubigen anderer Konfessionen möchte man im Krankenhaus Nord keine Kreuze an den Wänden der Patientenzimmer haben.

Es sollte ein Prestigeprojekt der Bundeshauptstadt werden – und war stattdessen nach einer teils skurrilen Pleiten, Pech- und Pannenserie das österreichische Pendant zum Berliner Flughafenbau. Die Kosten explodierten von etwa 800 Millionen auf über 1,4 Milliarden Euro, es kam zu Bauverzögerungen aufgrund mehrerer Konkurse von an der Errichtung beteiligten Firmen. Nach undurchsichtigen Auftragsvergaben im parteinahen Umfeld und weiteren Skandälchen wie überteuerten Brunnenbauten und Zaunsanierungen waren zwei SPÖ-Stadträtinnen vom Dauerfiasko schwer politisch beschädigt.

KH Nord: Energiering ja – christliche Kreuze nein

Den meisten Österreichern ist das mittlerweile in „Klinik Floridsdorf“ umbenannte Projekt aber wegen einer Episode in Erinnerung, die im Frühjahr 2018 an die Öffentlichkeit geriet. Denn um stolze 95.000 Euro beauftragte man einen oberösterreichischen Esoteriker, welcher einen Energieschutzring um den Neubau ziehen sollte. Und der Beauftragte lieferte – insgesamt 30 Dienstleistungen an diverse Personen im Krankenanstaltsverbund Wien (KAV). Dafür erntete man im November desselben Jahres den Negativpreis „Goldenes Brett vorm Kopf“, welcher den „erstaunlichste pseudowissenschaftlichen Unfug“ des Jahres im ganzen deutschsprachigen Raum ehrt.

Nun ist die Akte KH Nord um eine weitere Facette reicher: Denn im Gegensatz zu einem Energieschutzring kann man mit christlichen Symbolen in den Patientenzimmern nichts anfangen. Wie oe24.at berichtet, will man die beliebten Wandkreuze in der Heilanstalt aussparen. Aus religiöser Toleranz wie Pflegedirektor Jochen Haidvogel betont: „Grund hierfür ist jener, dass sonst nur vielleicht ein religiöses Symbol in den Zimmern ist, und das auch andere Konfessionen diskriminieren könnte“. Seinem Glauben könne man in christliche, jüdischen und muslimischen Gebetsräumen im dritten Stock nachgehen.

FPÖ-Nepp: Kreuzabnahme ist „kulturelle Selbstaufgabe“

Dieser Umstand beschäftigt in Wien nun die Politik – allen voran die FPÖ kritisiert diese Ansichten der Krankenhausleitung scharf. Vizebürgermeister Dominik Nepp bezeichnete die Abnahme der Kreuze als „kulturelle Selbstaufgabe“. Er rief den roten Bürgermeister Michael Ludwig in die Pflicht – nähme dieser die Entscheidung nicht zurück, „unterwerfe er sich dem Islam“. Für allfällige muslimische Patienten, welche sich an einem Kreuz im Zimmer stießen hatte er eine andere Empfehlung übrig. Diese mögen sich stattdessen „in einem islamischen Land behandeln lassen“.

Aber auch bei der Volkspartei hat man kein Verständnis für die Maßnahme. Das Kreuz sei nämlich nicht alleine religiöses Symbol sondern auch ein „geistes- und kulturgeschichtliches Symbol Europas“. Auch bei der Kirche zeigte man sich irritiert. Michael Prüller, der Sprecher der Erzdiözese Wien findet, dass das Kreuz neben seiner religiösen Bedeutung „auch ein Zeichen dafür, dass aus Leid Heil entstehen kann und dass Krankheit und Tod nicht das letzte Wort haben“. Amen.