China hat den Import von Kohle aus Australien auf unbestimmte Zeit blockiert, weil sich die dortige Regierung „erdreistete“, Peking mitverantwortlich für die Verbreitung des neuen Corona-Virus zu machen und eine Untersuchung forderte. In vier chinesischen Provinzen sitzen deshalb an die 150 Mio. Bürger in eiskalten Wohnungen – die Stromzufuhr wird streng rationiert, geheizt darf nur werden, wenn die Außentemperatur unter drei Grad Celsius liegt.

Von Kornelia Kirchweger

Strom zu zwei Drittel aus Kohle

Das selbst auferlegte Importembargo läuft seit Mitte Dezember und trifft China schwer: Immerhin kommen zwei Drittel des Stroms aus Kohle – und China ist nach Japan und vor Indien der zweitgrößte Importeur australischer Kohle. Betroffen sind die Provinzen Zhejian, Hunan und Jiangxi und die autonome Region der Inneren Mongolei. Dort kommt es zu täglichen Stromabschaltungen und Heizverboten. Die Straßen sind dunkel, die Fabriken stehen still. Einige der dort angesiedelten, lokalen Energieproduzenten wurden angewiesen, die Stromerzeugung zu stoppen. Weil dieser Winter sehr kalt ist, rechnet man mit einem Anstieg des Stromverbrauchs um 9 Prozent.

Bürger müssen büßen

Offiziell heißt es: mit der Kohleblockade wolle man die steigenden Kohlepreise in den Griff bekommen. In Wirklichkeit geht es um einen intolerablen Gesichtsverlust, den die Bürger jetzt ausbaden müssen. So funktioniert zentral diktierte Marktwirtschaft. Indes stauen sich vor den chinesischen Häfen seit Wochen an die 50 nicht entladene australische Kohlefrachter. China holt sich in Summe 21 Prozent der australischen Kohle für die Stromerzeugung im Land, und ist damit – nach Japan (27 Prozent) und vor Indien (16 Prozent – zweitgrößter Importeur.

Klima-Moral: E-Autos mit Kohle-Strom

Es gibt zwar Bemühungen, Energie aus Wind- und Photovoltaik zu erzeugen. Doch diese „sauberen“ Energiequellen tragen zur Gesamt-Energieversorgung nur sehr wenig bei. Und während die links-grüne EU Europas Wirtschaft mit immer waghalsigeren CO2-Reduktionszielen stranguliert, darf in China bis 2030 der CO2-Ausstoß weiter erhöht werden. Auch das Lob an Chinas E-Auto-Flotte ist wenig fundiert: denn sie fährt mit Strom aus Kohle. Sauber ist das nicht, aber es schaut halt gut aus.

Australische Kohle-Aktien steigen

Australien, der weltweit größte Kohleexporteur, bleibt zuversichtlich. Premierminister Scott Morrison, auch „Kohlen-Mo“ genannt, beruhigt: genügend Länder stehen um australische Kohle Schlange. Auch wenn das verschnupfte China jetzt auf das schwarze Gold von Russland oder Südafrika schielt, die Gesamtnachfrage nach Kohle bleibt gleich. Den Markt tangiert die Streiterei auch kaum: Die australischen Kohle-Aktien steigen munter weiter – die von Whitehaven Kohle seit September gar um 70 Prozent.