Was so skurril wie unfassbar klingt, ist in Schweden jetzt tatsächlich Teil der öffentlichen Debatte: Ein Wissenschaftler und Humanist sprach sich nämlich in einer Zeitung dafür aus, die Landesflagge abzuändern. 

Nach Ansicht von Patrik Lindenfors in seinem Meinungsbeitrag für die „Göteborgs-Posten“ ist die schwedische Flagge ein „klares Beispiel dafür, wie betriebsblind man werden kann“. Hätte er als säkulärer Schwede die Wahl, würde „ein anderes Symbol als das Kreuz unser schönes Land vertreten“. Dieses wiederum sei als Symbol nicht zuletzt wegen seiner Geschichte problematisch.

Sklaverei unter dem Kreuz – nicht „inklusiv“ genug

So sei es im Namen des Christentums, dessen heiligstes Zeichen es darstellt, auch zu Sklaverei gekommen. Sogar die Bibel spreche sich nicht deutlich gegen diese aus, obwohl sie etwa zahlreiche Speiseverbote kenne. Insbesondere aber hätte das Christentum keinen positiven Effekt auf Schweden gehabt. Er verwies dabei auf die – tatsächlich teils brutale – Christianisierung Skandinaviens zu Ungunsten früherer heidnischer Religionen.

Allerdings denkt er wohl kaum an Personen, die sich auf das alte Heidentum besinnen, wenn er davon spricht, dass Schweden immer häufiger nicht-christliche Bekenntnisse hätten. Dass das Land religiös diverser werde, ist laut dem „Forscher für Zukunftsstudien“ ebenso ein Argument wie der Umstand, dass immer mehr Personen vom christlichen Glauben abfielen. „Aus Sicht der Inklusion“ sei es sinnvoll, ein anderes Symbol zu nutzen.

Verwechslungsgefahr mit Kreuzfahrer-Flaggen?

Sogar der Umstand, dass schwedische Soldaten im mittleren Osten auftreten, ist nach Ansicht von Lindenfors ein Grund für die Abschaffung der historischen Flagge. Denn die Menschen in Afghanistan könnten das Panier für eine Kreuzfahrerflagge halten und diese somit als aggressives Symbol interpretieren.

Tatsächlich soll das Symbol der Legende nach auf einer Erscheinung während des Feldzugs zur Christianierung Finnlands im Jahr 1157 basieren. Tatsächlich zweifelsfrei belegt ist die blau-gelbe Farbkombination als offizielles Logo Mitte des 15. Jahrhunderts.

Auch Schweden erlebt Denkmal-Debatte

Gleichzeitig ist die Flagge nicht das einzige nationale Kulturerbe Schwedens, das gerade im Kreuzfeuer gerät. Nachdem eine gambische Anti-Rassismus-Aktivistin zur Enfernung der Statue des weltberühmten Wissenschaftlers Carl Linné aufrief, weil sie diesen für den „Vater der Rassenbiologie“ halte, sammelten sich hunderte Fußball-Hooligans vor dem Denkmal, um dieses vor allfälligen Angriffen durch Linksradikale zu beschützen.