Weil ein Stier "Nigerianer" hieß, wird den Toreros Rassismus unterstellt.

Der Stierkampf hat in Spanien eine Jahrhunderte alte Tradition. Und doch gab es schon immer Kritik an diesem tödlichen und vor allem brutalen Treiben. So drohte bereits im Jahr 1567 der heilige Papst Pius V. allen Menschen mit der Exkommunikation, die mit dem Stierkampf etwas zu tun hatten oder diesem als Zuschauer beiwohnten. Gebracht hat das nichts, der „Sport“ ist bei den Spaniern tief verwurzelt. Aber zunehmend gibt es Kritik, vor allem von der jungen Generation. Neu hingegen ist die Diskussion um Namen von Stieren, die politisch inkorrekt sein sollen.

  • Brutale Tierquälerei zunehmend in der Diskussion
  • Wegen Rassismus und frauenfeindlichen Namen Stierkampfverbot
  • Darf ein Stier „Feminist“ oder „Nigerianer“ heißen?
  • Stierkampf seit dem Jahr 2013 nationales Kulturgut

Von Achim Baumann

Der Stierkampf ist nicht nur aus Sicht eines deutschsprachigen Mitteleuropäers eine furchtbare Tierquälerei. Das sehen auch immer mehr im Heimatland des Stierkampfes Spanien so. Besonders die Jugend kann nicht mehr viel mit dem seltsamen und ungerechten Treiben in den Arenen des Landes, an dessen Ende traditionell der Tod des Stieres steht, anfangen. Nun hat eine spanische Bürgermeisterin den Stierkampf in ihrer Stadt verboten – allerdings nicht etwa, weil das Treiben aus tierschützerischer Sicht eine ziemliche Qual ist. Nein, weil einige Stiere Namen trugen, die angeblich rassistisch und frauenfeindlich seien.

In Spanien ist der Stierkampf kulturell tief verwurzelt.

Sozialistin verbietet Stierkampf

Gijón ist eine Universitäts-, Hafen- und Industriestadt in Asturien und zugleich wirtschaftliches Zentrum dieser nordspanischen Region. Mit rund 280.000 Einwohnern ist es fast eine Großstadt. Die Bürgermeisterin Ana González Rodríguez, eine Sozialistin, verkündete nun, dass die stadteigene Arena nicht mehr für Stierkämpfe bereitgestellt wird, was einem faktischen Stierkampfverbot in der Stadt gleichkommt. Grund: „Grenzen seien überschritten worden“. Denn kürzlich wurden zwei Stiere mit den Namen „Feminista“ (Die Feministin) und „Nigeriano“ (Der Nigerianer) in der Arena getötet. „Eine Stadt, die an Integration und an die Gleichheit von Männern und Frauen glaubt, kann so etwas nicht zulassen“, teilte die 58-Jährige als Begründung mit. Nun könnte man denken, dies sei ein vorgeschobener Grund, aber das Tierwohl ist hier wirklich nicht die Motivation des Verbots, wie die Sozialistin versicherte. 

„Feminist“ und „Nigerianer“ alte Traditionslinien

Die Stierkämpfer zeigen sich entrüstet. Kein Wunder, möchten sie doch nicht als Rassisten und Frauenfeinde stigmatisiert werden. So haben sie für die Namen auch eine einfache Erklärung: Der Name einer Kuh werde auch auf ihre erstgeborenen Kinder vererbt, auch wenn diese männlich seien. So hieß die Mutter des Stieres „Feminist“ ebenso – weil sie eine starke Kuh gewesen sei. Und die Mutter des Stieres „Nigerianer“ sei eben komplett schwarz und sehr kraftvoll gewesen. – Aber auch diese Begründung wird als rassistisch ausgelegt.

Stierkampf-Lobby geht gegen das Verbot vor

Das spanische Verfassungsgericht stufte den Stierkampf im Jahre 2013 indes als nationales Kulturgut ein. Das hat zur Folge, dass nur der Staat und damit die spanische Regierung ein generelles Verbot von Stierkämpfen erlassen könnte. So wurden die meisten Stierkampfverbote in anderen Städten meist wieder vor Gerichten kassiert. Die Stierkampf-Lobby möchte nun auch gegen das Verbot von Ana González Rodríguez vorgehen. Aber es ist ja nur ein Verbot durch die Hintertür, da die Stadt ihre Arena einfach nicht mehr den Toreros zur Verfügung stellt. Auch wenn die Begründung des Rassismus und der Frauenfeindlichkeit absurd erscheint, den Stieren dürfte es egal sein, weshalb sie am Leben gelassen werden.

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