Jetzt geht es Schlag auf Schlag bei den Vektor-Impfstoffen, weil es bei dieser Impftechnologie offenbar das Risiko von Blutgerinnseln gibt. Dänemark hat als erstes europäisches Land das Serum von AstraZeneca völlig gestrichen. Ob die alternative mRNA-Technologie wirklich sicherer ist, gilt aber als zweifelhaft.

von Kornelia Kirchweger

Nach ähnlichen Fällen in den USA stoppt Johnson & Johnson die Lieferung seines Vektor-Materials „Janssen“ in die EU. Auch der russische „Sputnik V“ fällt in die Vektor-Kategorie, wird aber von Bundeskanzler Sebastian Kurz favorisiert.

Signale für ernsthafte Nebenwirkungen

Der dänische Chef der Gesundheitsbehörde Soren Brostrom kündigte am Mittwoch an, AstraZeneca aus dem nationalen Impfprogramm zu nehmen. Er begründete das mit Signalen für „echte und ernsthafte Nebenwirkungen“. Auch wenn das Risiko in absoluten Zahlen gering sei, habe man sich dazu durchgerungen. In Dänemark erlitten zwei Impflinge schwere Thrombosen. Einer davon starb. In Dänemark wird auch der Impfstoff von Pfizer/BioNTech eingesetzt, der auf mRNA-Technologie beruht. Auch dieser Ansatz ist wenig erprobt.

Im März setzten viele EU-Länder die AstraZeneca-Impfung aus, bis die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) wieder grünes Licht gab, obwohl sie eine „mögliche Verbindung zwischen Blutgerinnseln und einer extrem niedrigen Zahl von Blutplättchen und der Impfung“ einräumte. Der Nutzen sei aber höher als das Risiko hieß es, die WHO schließt sich dieser Einschätzung an. AstraZeneca hat seinen Impfstoff nun in „Vaxzevria“ umbenannt. Das Serum wird in Österreich weiterhin verimpft.

Sechs Frauen und ein Todesfall

In den USA wurden kurz hintereinander sechs Blutgerinnsel-Fälle bei Frauen zwischen 18 und 48 nach einer Johnson & Johnson Impfung gemeldet. Eine Person starb, eine weitere ist in kritischem Zustand. Der Impfstoff wurde vorläufig ausgesetzt, weitere Lieferungen in die EU wurden gestoppt.

Zu Wochenbeginn sind zwar die ersten Johnson & Johnson-Dosen in der EU eingetroffen, dürfen aber aktuell nicht verimpft werden. Nach Österreich wurden 16.800 Dosen geliefert. Bestellt wurden laut Medienberichten, unter Berufung auf das Gesundheitsministerium, 2,5 Millionen Dosen. Die nächste Lieferung von 31.200 Vakzinen war für Kalenderwoche 17 geplant.

Pannenserie: Verschmutzte Impfstoffe

Anfang April wurde bei der Herstellung des Johnson & Johnson-Vakzins eine bestimmte Charge von Millionen Dosen versehentlich kontaminiert. Laut New York Times seien Inhaltsstoffe von AstraZeneca und J & J verwechselt worden und es gehe um 15 Millionen Dosen. Vorteil bei Johnson & Johnson: man braucht nur eine Dosis, was eine rasche Durchimpfung ermöglicht.

Das Mittel ist leichter zu transportieren und bei normaler Kühlschranktemperatur zwischen zwei und acht Grad bleibt es mindestens drei Monate haltbar. Es kann also auch in Arztpraxen aufbewahrt werden. mRNA-Impfstoffe, z.B. von Pfizer/BioNTech und Moderna, müssen hingegen bei etwa minus 20 Grad gelagert werden.

Kaum erprobte Technologien im Wettstreit

Vektor-Impfstoffe verwenden ein Trägervirus (in diesem Fall ein Adenorvirus, das üblicherweise ein Erkältung auslöst). Es wurde so verändert, dass es sich nicht vermehren kann. Diese Methode wird bei AstraZeneca, Sputnik V und auch bei Janssen eingesetzt. Dabei werden Antigene in das Erbgut (vermeintlich) harmloser Träger-Viren eingeschleust. Diese sogenannten Vektorviren docken dann an einer Zelle an, die dann erzwungenermaßen selbst das Antigen gegen den Erreger produzieren soll.

Demgegenüber stehen mRNA-Impfstoffe, die gentechnische Anweisungen in die Zelle eingeschleusen, diese soll ein bestimmtes Protein des Covid-19-Erregers Sars-CoV-2 produzieren. Damit wird das Immunsystem auf die Bekämpfung des echten Coronavirus vorbereitet. Auch dort gibt es Bedenken, dass extrazelluläre RNA die Blutgerinnung fördert, präklinische Studien bei den verwandten Coronaviren SARS und MERS beobachteten sogar Verschlimmerungen der Lungenerkrankung. Das Thrombose-Risiko ist also auch bei diesen Impfstoffen nicht vollständig auszuschließen.