… der wegen Corona zusperren musste. Seit Jahren werden die klassischen Wirtshäuser in Österreich immer weniger. Aber anstatt den Gastronomen zu helfen, fallen der Politik nur immer weitere Maßnahmen ein, um die Arbeit der Wirte zu erschweren und das Wirtshaussterben voranzutreiben. Auch die aktuellen Corona-Maßnahmen machen vielen das Leben nur schwerer und Hilfen kommen nur tröpfchenweise an – der „Wochenblick“ hat sich umgehört.

Von Matthias Hellner

Seit Auftauchen des Corona-Virus und der damit verbundenen Maßnahmen und Einschränkungen hat die Gastronomie noch mehr um ihr Überleben zu kämpfen, als sie es ohnehin schon hatte.

Ab 2016 war es die Einführung der Registrierkasse, die über 1.800 einheimische Wirte zum Aufgeben zwang, und die – wie es Günter Hager vom Linzer Gasthaus „Josef“ ausdrückte – gleichzeitig viele Wirte per se „in ein kriminelles Eck“ rückte.

So, als sei vorher nicht korrekt abgerechnet worden und die Gastronomiebetriebe hätten systematisch an der Steuer vorbei gearbeitet. Später kamen dann die EU-Allergenverordnung und vor allem auch das ewige Hin und Her beim Thema Rauchverbot dazu. (Bereits 2017 berichtete der „Wochenblick“ über das Wirtshaussterben und führte auch eine Podiumsdiskussion zu dem Thema durch!) Hatten viele Gasthäuser zuvor teure Umbaumaßnahmen in Kauf genommen, um Raucher- und Nichtraucherbereiche zu trennen, sollte dann plötzlich doch das komplette Rauchverbot kommen.

Zwar wurde dieses 2017 noch einmal gekippt, seit 1. November 2019 galt dann aber doch „rauchfrei“. Schon bevor das Gesetz in Kraft trat, sperrten die ersten Lokale zu.

In der ersten Woche des Rauchverbots klagten viele Wirte über Umsatzeinbußen von bis zu 25 Prozent  – denn auch der Ansturm von Nichtrauchern auf die nun rauchfreien Lokale blieb aus. Hart traf es vor allem kleine Eckbeisln oder Lokalitäten, die über keine Schanigärten verfügten. Auch das zwang schließlich viele zum Aufgeben.

Starke Umsatzrückgänge

Dabei ist die Wirtshauskultur schon länger im Rückgang. Seit 1978 bis Ende 2017 ist in Österreich die Zahl der klassischen Wirte um 44 Prozent zurückgegangen. 2019 schlossen österreichweit laut der Insolvenzstatistik von „Creditreform“ 781 Beherbergungs- und Gaststättenbetriebe ihre Pforten für immer. Heuer waren es im ersten Halbjahr allerdings mit 294 Insolvenzen 25 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2019, wo 392 Betriebe in Konkurs gingen. Allerdings sagen die Insolvenzzahlen – aufgeschoben ist auch nicht aufgehoben – nichts über Schließungen oder die allgemeine wirtschaftliche Situation aus.

Und die ist derzeit verheerend. Die Umsatzrückgänge, die Gastronomie und auch Tourismus heuer zu verkraften haben, sind enorm. „Ich habe über 60 Prozent Umsatzeinbußen“, so Walter Hofbauer, der Eigentümer der Welser „Altstadtweinstube“. Ebenso erging es dem Betreiber des „Josef“.

Fast die Hälfte des Personals musste gekündigt werden oder kündigte von selbst. „Der Umsatz ist um mindestens 50 Prozent zurückgegangen“, erklärt Günter Hager im Gespräch. Dabei hat er gegenüber anderen Gastronomen noch Vorteile. Das „Josef“ verfügt über einen großen Gastgarten, der in der kalten Jahreszeit noch für einen weiteren Außenbetrieb adaptiert werden soll, sowie über eine extra Raucher-Lounge, die es ermöglichte, auch nach dem Inkrafttreten des Rauchverbots Gäste zu halten.

Willkürliche Corona-Ampel

Ähnlich stellt sich die Situation auch im Hotelgewerbe und im Tourismus dar. Von Jänner bis August waren österreichweit 38,3 Prozent weniger Nächtigungen als im Vorjahr zu verzeichnen. Den stärksten Einbruch hatte dabei Wien mit minus 67,4 Prozent.

Das dürfte einerseits am ausgeprägten Städtetourismus ausländischer Gäste liegen, die während des Frühjahrs und Sommers ausblieben, andererseits an den neuerlichen Reisewarnungen aus Deutschland oder der Schweiz, die wieder für vermehrte Stornierungen oder ausbleibende Buchungen sorgten.

Aber nicht nur die Bundeshauptstadt trifft es hart. Die Regelungen der Regierung, wie etwa die undurchsichtige Corona-Ampel, sorgten auch für Hotel-Schließungen in Tirol. So verkündete das „Alpenbad Hotel Hohenhaus“ in Tirol im Bezirk Schwaz am 28. September auf Facebook, dass es bis auf weiteres schließen werde und erst, wenn sich „die Situation normalisiert“, wieder öffnet.

Grund dafür war, dass die Bundesregierung die Corona-Ampel für den Bezirk Schwaz auf Orange stellte und es dadurch zu zahlreichen Stornierungen kam. Die Hotelbetreiber kritisierten daraufhin das unreflektierte Vorgehen der Politik.

Dieses Vorgehen „ist für uns sehr ärgerlich, weil es in der gesamten Gemeinde Tux sowie in unserer gesamten Tourismusregion Tux-Finkenberg seit Monaten keine einzige positiv getestete Person gibt“, so die Betreiberfamilie Egger, die zudem darauf hinwies, dass die meisten positiven getesteten Fälle in Städten und Ballungszentren des Inntals registriert wurden, aber nicht in den Ferienregionen der Tiroler Seitentäler. „Die Fakten sind öffentlich und der zuständigen Behörde bekannt. Trotzdem hat man den gesamten Bezirk Schwaz auf Orange gestellt“, erklärten die Hoteliers und zeigten ihr Unverständnis über die Maßnahme.

Touristen bleiben fort

Weite Kreise zieht die Krise aber nicht nur im Bereich des „klassischen Auslandstourismus“, sondern auch durch das Wegfallen von Konzerten, Kongressen und sonstigen Veranstaltungen, wie Andreas Danner beschreibt.

Er hat im Hauptberuf eine Handels­agentur und betreibt zudem den Souvenirshop am Linzer Hauptplatz. Gerade Besucher von Konzerten, Opern usw. wären auch Gäste, die vor oder nach der Veranstaltung oft noch ein Lokal aufsuchen oder auch vor Ort übernachten würden.

Davon sind natürlich in erster Linie Städte betroffen, wie etwa Salzburg oder Wien. In Linz merkt er hingegen deutlich den Wegfall von Bus- oder Bootstouristen, die nun durch die Maßnahmen, die auch im Ausland getroffen werden, ausbleiben. Das lässt sich auch an den Umsatz­einbrüchen im Souvenirgeschäft feststellen, die Kundenfrequenz hat sich deutlich verringert.

Derzeit erwartet er eine Belebung des Geschäfts vom Christkindlmarkt, der wohl am Hauptplatz stattfinden wird. Für das nächste Jahr wünscht er sich, zumindest weiter kostendeckend zu arbeiten, denn, so Danner: „Meine Hoffnung geht mittlerweile auf 2022.“

Kritik an Regierungsmaßnahmen

Kritik kommt von allen unisono an einigen Maßnahmen der Regierung. So findet man, dass die Kurzarbeit und auch die Fixkostenzuschüsse durchaus eine gute Idee seien, jedoch ist deren Abwicklung zu kompliziert und mit zu viel Papierkrieg verbunden. Und es kommt auch zu wenig an: Teilweise wurden einmalig eintausend Euro ausgezahlt, aber die Lokale hatten über zwei Monate geschlossen. Auch die Mehrwertsteuersenkung wurde positiv aufgenommen.

Für die sonstigen Maßnahmen herrscht jedoch wenig Verständnis. Die Personenbegrenzung an Tischen oder die neue Regelung, dass nur noch im Sitzen konsumiert werden darf und nicht mehr im Stehen an der Bar, werden mit Kopfschütteln wahrgenommen. Ebenso die Überlegungen zu Sperrstunden. „Als wäre das Virus ab einer bestimmten Uhrzeit auf einmal gefährlich und davor nicht“, kommentiert Hager die Sperrstunde.

Er selbst berichtet zudem von einem kürzlich erfolgten Besuch in der Schweiz, wo die Gastronomie fast ungestört arbeiten kann, ohne Masken oder andere Auflagen. Dazu verweist er auch auf eine aktuelle Schweizer Statistik. Nach dieser infizieren sich 27,2 Prozent über Familienmitglieder, aber nur 1,9 Prozent bei Besuchen von Diskotheken oder Clubs und nur 1,6 Prozent bei Bar- oder Restaurantbesuchen.

Zahlen ähnlicher Größenordnung lassen sich auch für Österreich feststellen. Laut Statistik der AGES – Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit – sind für die 40. Kalenderwoche folgende Zahlen zu Corona-Clustern abrufbar: Von 1573 Fällen in 430 Clustern ließen sich 45,1 Prozent (709 Fälle/252 Cluster) auf Infektionen im Haushalt zurückführen, 23,8 Prozent (374 Fälle/87 Cluster) in der Freizeit, und nur 3,5 Prozent (55 Fälle/13 Cluster) entfallen auf den vielgescholtenen Bereich Hotel/Gastro.

Gastronomie als Sündenbock

Dennoch wird nach Aussagen der Wirte die Gastronomie wieder dafür bestraft. „Eigentlich hat für uns der Lockdown nie wirklich geendet“, so Hager. Und auch der Welser Wirt Walter Hofbauer ärgert sich. „Erst jetzt ist wieder eine Veranstaltung mit 60 Personen abgesagt worden.

Die Leute haben Sorge vor den Strafen. Ob ich wo sitze oder ob ich stehe, wo ist da der Unterschied bei der Übertragung? Aber das kommt raus, wenn man einen Volksschullehrer zum Gesundheitsminister macht.“ Auf ähnliches Unverständnis trifft auch die Sperrstunde. „Wir müssen zusperren, und die Puffs dürfen bis drei oder fünf in der Früh offen haben. Die Leute, die noch was trinken wollen, gehen dann halt ins Puff auf ein Bier“, so der Welser Wirt.

Auch anderen Gastronomen fällt eine Verlagerung auf. „Die jungen Leute kommen früher, trinken was und gehen dann nach Hause oder woanders privat feiern, statt vorglühen halt nachglühen“, so Hager. Diese Beobachtung dürfte sich auch mit der Statistik zu den Corona-Clustern decken.

Die Menschen stecken sich viel stärker im privaten Bereich an. Die Gastronomie wird aber wieder zum Sündenbock gemacht  – und sei es nur, damit die Regierung den Bürgern „Geschäftigkeit“ vorspielen kann.

Auch Zulieferer betroffen

Allerdings wird ein wichtiger Punkt dabei gern übersehen. Nicht nur dem Gastronomie- oder Hotelgewerbe geht es durch mangelnde Kundschaft, der Stornierung von Kongressen und der Absage von Geburtstags-, Weihnachts-, oder Betriebsfeiern schlecht.

Auch die Zulieferbetriebe haben darunter stark zu leiden, seien es Bäcker, Fleischhauer, Brauereien oder Getränkelieferanten, Putz- und Reinigungsfirmen oder auch das Taxigewerbe. Sie alle sind ebenfalls mehr oder weniger von der jetzigen Situation betroffen. So dürfte es der Grieskirchner Brauerei zwar schon zuvor wirtschaftlich nicht allzu gut gegangen sein, der Wegfall der Gastronomie war dann jedoch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und eine Insolvenz unumgänglich machte.

Derzeit hoffen viele der Betriebe darauf, dass das nächste Jahr wieder bessere Rahmenbedingungen liefert oder zumindest doch noch wirksame Wege der Unterstützung gefunden werden. Denn viele zehren von ihren Rücklagen bzw. ihrer Substanz oder mussten bereits Kredite zur Überbrückung der Umsatzeinbußen aufnehmen. Und dass heuer noch eine Besserung der Situation eintritt, daran glaubt inzwischen niemand mehr.

Der Wert vernünftiger Gastronomie

Aber vielleicht ergibt sich auch eine weitere Chance durch die derzeitigen Gegebenheiten. Denn gerade jetzt merken erst viele deutlich, was sie an einer vernünftigen Gastronomie, die auf regionale Produkte und Zulieferer setzt, haben.

Anders als die vielerorts aus dem Boden sprießende Systemgastronomie ist sie nicht nur häufig qualitätsvoller und nachhaltiger, sondern zudem eine wirkliche Stütze der regionalen Wirtschaft. Zugleich trägt ein gutes Wirtshaus am Ort auch zur Sozialhygiene einiges bei: Schließlich ersetzt ein guter Wirt oder Kellner oftmals den Seelendoktor.

 

 

Lesen Sie hier Teil II ‚Geschäftesterben dank Corona: Die Hoffnung liegt mittlerweile bei 2022‘ unseres Wochenthemas „Jeder wird einen Wirt kennen…“