Österreich verfolgt das sogenannte „Hammer-and-Dance“ – Modell. Dabei soll auf eine Phase des Lockdowns immer wieder eine Phase der Infektionsverbreitung folgen.

Das Modell soll gewährleisten, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Und das so lange, bis die Immunität eines Großteils der Bevölkerung erreicht ist.

Zweiter Lockdown droht

Das kann dauern. Experten schätzen den natürlichen Durchseuchungszeitraum auf mindestens 12 Monate ein. Sollte die berüchtigte zweite Welle im Herbst kommen, wären wir also erneut im Lockdown, sofern uns keine ungeahnte Immunität davor bewahrt. Das ist zwar unwahrscheinlich, theoretisch aber im Bereich des Möglichen.

Derzeit geht die Wissenschaft der Frage nach, ob sich die Infektionen mit Vorgängern des Coronavirus (SARS) auch immunisierend für Covid-19 auswirken. Da Infektionen mit Coronaviren in 80 % der Fälle symptomfrei verlaufen, könnte eine hohe Dunkelziffer bereits immun gegen den Vorgängertypus sein.

Die wahre Anzahl könnte aber nur ein flächendeckender und valider Antikörpertest zu Tage fördern. Die Wahrscheinlichkeit für eine solche Maßnahme ist äußerst niedrig und die Tests sind derzeit noch unzuverlässig.

Gesundheitsfolgen unklar

Einige Fachleute sprechen sich gegen den Lockdown als Maßnahme aus. Psychiater und Public-Health-Experten befürchten dramatische Folgen für die psychische Gesundheit der Bevölkerung. Man wisse noch aus der Wirtschaftskrise 2008, dass diese hunderttausende Selbstmorde zu Folge hatte.

Eine Studie der Donau-Universität Krems hat eine enorme Zunahme von Depressionen, Schlaf – und Angststörungen als Folge der Corona-Situation ermittelt. Auch das Herunterfahren der medizinischen Versorgung auf ein Minimum wird Konsequenzen geben.

Verschobene Untersuchungen, wirtschaftliche Schäden

Jene Vorsorgeuntersuchungen und nicht überlebensnotwendigen Behandlungen und Operationen, die während der Zeit des Lockdowns auf Eis gelegt wurden, werden sich als Folgeschäden des Lockdowns früher oder später zeigen. Noch sind die Auswirkungen für die Wirtschaft für die meisten nicht spürbar.

Die Arbeitslosenzahlen steigen aber rapide an und es ist anzunehmen, dass im Zuge der bereits begonnenen gigantischen Wirtschaftskrise bald Kürzungen im Sozialsystem in den Fokus der öffentlichen Debatte rücken. Niemand wird vom wirtschaftlichen Schaden unberührt bleiben.

Lockdown als soziales Experiment

Der Lockdown ist ein riesiges soziales Experiment. Das gesamte Ausmaß der gesellschaftlichen Folgen, die dieses Experiment nach sich zieht, wird erst die Zukunft zeigen. Wenn die Schweden recht haben, wird auf Österreich nach der Abkehr von den Maßnahmen eine ebenso hohe Sterblichkeit zukommen. Damit stünde es wohl „unentschieden“ zwischen dem österreichischen und dem schwedischen Weg.