Abkommen unterzeichnet: Bosnien kann Pakistaner abschieben

Kein "Migranten-Parkplatz"

Abkommen unterzeichnet: Bosnien kann Pakistaner abschieben

[responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Vorlesen"]

Bosnien kann nun – nach jahrelangem Konflikt – illegal im Land lebende Pakistaner in ihre Heimat abschieben. Das Abkommen wurde jetzt unterzeichnet. Im April war es zu einem Eklat gekommen: der mittlerweile zurückgetretene bosnische Sicherheitsminister kritisierte die mangelnde Unterstützung Pakistans und der zuständigen Botschaft bei der Identitäts-Feststellung von Migranten. Der Botschafter solle abtreten, Bosnien dürfe nicht der „Migranten-Parkplatz“ Europas werden, forderte er.

von Kornelia Kirchweger

Immer mehr Pakistaner

Die zuständigen Behörden für Rückführungen werden das pakistanische Innenministerium und das bosnische Sicherheitsministerium sein. Die Abgeschobenen werden jeweils an den Flughäfen von Islamabad bzw. Sarajewo „empfangen“, denn auch illegal in Pakistan lebende Bosnier können rückgeführt werden. Laut Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM), bosnischer Behörden und von NGOs leben aktuell 10.000 Migranten illegal in Bosnien. Ein beträchtlicher Teil davon sind Pakistaner, der Rest kommt aus Afghanistan, Algerien und Marokko.

Migranten-Parkplatz für Europa

Diese Migranten seien ein großes Sicherheitsrisiko für die Bürger im Land, in Sarajewo ebenso wie in Bihaj, nahe der Grenze zur EU, sagte der bosnische Ex-Sicherheitsminister Fahrudin Radoncic im April. Tausende Migranten warten darauf, über die Grenze zu gelangen. „Wir sind nicht unmenschlich, aber wir haben selbst zwischen 30.000 – 50.000 Arbeitslose und müssen gleichzeitig 10.000 illegale Migranten erhalten. Sie warten hier und wir werden zum Migranten-Parkplatz für Europa. Das lassen wir nicht zu“, sagte er. Radoncic weigerte sich auch strikt, noch mehr Migranten – etwa im Camp von Lipa – aufzunehmen. 

Botschafter soll gehen

Im April wies Radoncic das Service-Center für Ausländer-Angelegenheiten (SFA) an, eine Liste der geschätzten 10.000 illegal im Land lebenden Migranten zusammenzustellen (Syrer ausgenommen). Darunter seien mindestens 3.000 aus Pakistan, meinte er. Deren Identitätsfeststellung sei unmöglich, weil die zuständige Botschaft nicht kooperiere. In Pakistan gebe es zudem angeblich nur biometrische Datenbanken für Straftäter, beklagte Radoncic. Er forderte sogar, den Botschafter Pakistans zur „unerwünschten Person“ zu erklären. Seine Forderung wurde weder vom Außenminister noch vom Vorsitzenden der Staatspräsidentschaft unterstützt. Radoncic trat deshalb im Juni zurück.

Abkommen unterzeichnet: Bosnien kann Pakistaner abschieben TEILEN
Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on telegram
Telegram
Share on reddit
Reddit
Ähnliche Artikel
Schlagwörter
NEWSLETTER

Bleiben Sie immer aktuell mit dem kostenlosen Wochenblick-Newsletter!

Neuste Artikel