Immer mehr Migranten aus Bangladesch in Italien

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Per Schleuser-Flug um 10.000 Euro

Immer mehr Migranten aus Bangladesch in Italien

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Mehr als 180.000 Migranten kamen „offiziell“ im Vorjahr über das Mittelmeer nach Italien. Auch in diesem Jahr wird diese Zahl erreicht, wenn nicht übertroffen. Auffällig ist: fast 15 Prozent davon kommen aus Bangladesch, einem der ärmsten Länder Asiens.

Über ein perfektes Schleusermodell mit Zweigstelle in Libyen werden die Migranten im 2-Klassen-System befördert. Im Direktflug nach Rom oder in andere Städte um 10.000 Euro. Oder – mit vielen Schikanen verbunden – per Boot.

Hauptziel: Italien und Großbritannien

Im Laufe der Jahre hat sich für Bangladescher in der Region ein perfektes Schleusermodell entwickelt. Wer kaum Geld hat, muss viele Monate für Schleuser arbeiten, er ist ihnen ausgeliefert, bevor er mit Booten nach Italien kommt. Das sind vor allem Gastarbeiter, die als Arbeitsmigranten nach Libyen kamen, bevor das Land zerfiel.

Flug um 10.000 Euro

Wer es sich leisten kann, geht auf eine gut organisierte Schleuser-Reise bis nach Europa – inklusive falschem Pass und Visum. 10.000 Euro kostet der Flug nach Tripolis, der Transport ans Meer – und eine Überfahrt nach Italien. Bangladescher kamen zuletzt immer häufiger per Flieger etwa aus dem ägyptischen Kairo, Dubai oder der Türkei. Es heißt, die libysche Botschaft in Dhaka (Hauptstadt Bangladesch), stelle für 1500 Dollar Schmiergeld ein Visum aus.

In Italien leben schon seit den 80ern viele Bangladescher – sie kamen als Fabriksarbeiter. 120.000 Menschen zählt die Gemeinschaft dort. In Großbritannien leben mindestens 600.000 Bangladescher. Viele von ihnen sitzen schon im Parlament, in Vorstandsetagen und Universitätsmanagement. London hat die Einreise für Bangladescher jetzt zwar erschwert. Aber per Touristenvisum für sechs Monate ist das kein Problem. Viele bleiben dann einfach im Land und wissen: auch wenn sie kein Asyl bekommen, müssen sie kaum eine Abschiebung fürchten.

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Schlepperei ist ein gutes Geschäft: Dem Chef der Internationalen Organisation für Migration (IOM) William Lacy Swing zufolge kassieren die Schlepper rund 35 Milliarden Dollar im Jahr.

Warum so viele Bangladeschi?

Das dürfte auch mit dem lang schwelenden Konflikt mit der sunnitisch-muslimischen Gemeinschaft der „Rohingya“ im buddhistischen Myanmar im westlichen Bundesstaat Rakhine zusammenhängen. Die Rohingya behaupten, schon immer Bewohner von Myanmar gewesen zu sein, fordern die Staatsbürgerschaft und einen autonomen Staat.

Myanmar lehnt das ab. Sie seien „Bengalen“, die illegal aus Bangladesch eingewandert sind, und keine Ethnie. Rakhine wurde über die Jahre wegen der hohen Geburtenzahlen der Rohingya von einer ursprünglich buddhistischen zu einer mehrheitlich muslimischen Region.

Afghanen versteckten sich in türkischem Sattelschlepper
Auch Oberösterreich wurde schon zur Asyl-Drehscheibe: Vor kurzem konnte die Polizei im Innviertel ein Asyl-Schleppernetz ausheben.

Schwelender Konflikt vor Ort

Die Rohingya-Miliz „Arakan Rohingya Befreiungsarmee“ (ARSA) will mit allen Mitteln die Autonomie für Rakhine und die Rohingya durchsetzen. Facebook etwa setzte ASRA auf die Liste „gefährlicher Organisationen“ – ihre Postings und ganze Facebook-Seiten werden wiederholt gelöscht.

Als es Mitte August erneut zu Übergriffen seitens der ARSA auf Grenzposten kam, bei dem 13 Sicherheitskräfte ermordet wurden, holte die Armee von Myanmar zum Gegenschlag aus. Die Bilder brennender Dörfer und flüchtender Rohingya gingen um die Welt.

Hunderttausende Rohingya gingen ins benachbarte, vorwiegend muslimische Bangladesch, wo sie auch nicht willkommen sind. Man geht davon aus, dass dort mindestens 300.000 Rohingya unregistriert leben.

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