Darum macht Putin Krieg: Ukrainischer NATO-Beitritt als direkte Bedrohung Russlands

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Bundesheer-Stratege klärt auf:

Darum macht Putin Krieg: Ukrainischer NATO-Beitritt als direkte Bedrohung Russlands

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Inhalt

Oberst Jürgen Wimmer vom österreichischen Bundesheer leitet an der Verteidigungsakademie das Referat Operation. Er erklärt in einem Video auf YouTube die strategischen Aspekte im Ukraine-Krieg. Um seine strategischen Ziele umzusetzen, habe sich Russland für die „robusteste“ und damit umfangreichste militärische Option entschieden, dabei allerdings womöglich die Stärke der ukrainischen Armee unterschätzt, so die Beurteilung des Militärstrategen. Er ist der Meinung, dass der Krieg daher noch länger dauern wird.

Erweiterung der NATO seit 1989

Oberst Wimmer erklärt Eingangs die Erweiterung der NATO in Richtung Osten seit dem Zerfall der Sowjetunion und des Warschauer Paktes ab 1989. Die Staaten des Warschauer Paktes sind in der folgenden Karte rot eingezeichnet, die der NATO in blau. Die grünen Staaten, wie etwa Österreich, sind neutral.

Die großen Gebietsverluste bzw. die Verkleinerung der Einflusssphäre der ehemaligen Sowjetunion sind auf der nächsten Karte deutlich zu erkennen. Die blau strichlierte Linie im Bild zeigt, wie weit die NATO sich seither in Richtung Osten ausgedehnt hat. Die gesamte West-Grenze Russlands ist “eingekesselt”.

Nur wenige Staaten für harte Sanktionen gegen Russland

Auf dieser Karte ist die momentane “Spaltung” der Welt zu sehen. In gelb sind die Staaten eingefärbt, die mit der NATO sympathisieren. Gut zu erkennen ist dabei, dass eigentlich nur die nordamerikanischen Staaten USA und Kanada, sowie Australien, Japan und Europa den äußerst harten Sanktions-Kurs gegen Russland mittragen. Es sind laut Wimmer die härtesten Sanktionen, die jemals gegen ein Land verhängt wurden.

Putins “Zwickmühle”: Russen in der Ukraine schützen

Militärstratege Wimmer führt einen Artikel einer US-Militärzeitschrift an, wonach der Kreml schon im Herbst des Vorjahres deutlich gemacht hatte, dass es die Ukraine jedenfalls von einem Beitritt zur NATO abhalten werde und sich von der NATO Osterweiterung bedroht fühle.

Putin habe in seiner Rede am 21. Februar dieses Jahres erklärt, dass die Ukraine ein „integraler Bestandteil der russischen Geschichte, Kultur und des geistigen Raums“ sei, wie Wimmer erklärt. Ein Beitritt zur NATO sei eine direkte Bedrohung Russlands. Da die russische Bevölkerung in der Ukraine bedroht sei, „musste“ Putin die Donbass-Republiken Donezk und Lugansk anerkennen. Aus russischer Sicht ist die Ukraine für jedes weitere Blutvergießen verantwortlich, so der Standpunkt Putins.

Strategische Ziele Russlands

Daraus ergeben sich für Russland bestimmte “Kerninteressen“, wie es Wimmer nennt: Die Ukraine soll ein „Puffer“ zur NATO-Grenze werden, dieser also nicht beitreten und eine neutrale Position einnehmen. Auf der anderen Seite gehe es Russland aber auch um den strategischen Zugang zum Schwarzen Meer.

Mögliche Strategien Russlands

Nach der Meinung des Oberst hätte es drei Möglichkeiten gegeben diese Interessen durchzusetzen. Die “Minimum-Variante” wäre gewesen, die Donbass-Republiken und die Krim zu besetzen, um “somit den Zugang zum Schwarzen Meer abzusichern“. Eine “Mittel-Variante” hätte darin bestehen können, die Ost-Ukraine “mit einem Stoß entlang des Dnepr als trennendes Gelände” in Besitz zu nehmen” sowie die Krim und die beiden Separatisten-Gebiete Donezk und Lugansk.

Russland habe sich allerdings für die “robusteste Varianteentschieden und es auf die Zerschlagung der Ukrainischen Armee sowie die Einnahme der Hauptstadt Kiew angelegt. Hierfür rückte die russische Armee von Norden vor, um die Hauptstadt einzunehmen. Mit einem weiteren zentralen Vorstoß in Richtung Süden und dem zusätzlichen Vorrücken vom Süden her versuche man die ukrainischen Streitkräfte zu zerschlagen und den Zugang zum Schwarzen Meer abzusichern.

Militärische Situation

Folgende Grafik zeigt, wie das russische Militär nach drei Wochen operiert. Oberst Wimmer verdeutlicht damit, dass sich Russland für diese umfangreichste Variante entschieden hat. Die Pfeile zeigen Einsätze der Land- und auch Luftstreitkräfte Russlands, um einerseits militärische Ziele auszuschalten und andererseits auch Nachschub für die ukrainische Armee abzuschneiden. Gelb strichliert ist die Verteidigungslinie des ukrainischen Militärs.

Durch die Zusammenführung der militärischen Vorstöße Russlands aus dem Norden und dem Süden, könnten die ukrainischen Streitkräfte “entlang des Dnepr abgetrennt” und isoliert werden. In den umkämpften Städten könnte es zu verlustreichen Häuserkämpfen kommen.

Strategische Folgerungen

Für den Militärstrategen Wimmer ist eindeutig, dass aus russischer Sicht “vitale Interessen” auf dem Spiel stehen. Wenn dies der Fall sei, werde auch gehandelt, so Wimmer. Der blitzartige Angriff Russlands habe gezeigt, dass ein konventioneller Krieg in Europa “sehr wohl möglich” ist. Im Sinne einer Deeskalation solle Europa sich vor allem militärisch zurückhalten, um auch die humanitäre Sutuation nicht noch weiter zu eskalieren.

Destabilisierung des Balkans

Wimmer geht auch darauf ein, dass der Ukraine-Krieg die Spannungen am Balkan befeuert. Das seien einerseits die seit Jahren bestehenden Abspaltungstendenzen der Republik Srpska von Bosnien und andererseits die gespaltene Position Serbiens. Serbien orientiere sich zwar stark in Richtung EU, sei aber auch u.a. wirtschaftlich eng mit Russland verflochten und verhalte sich daher derzeit “sehr neutral”. Der Konflikt habe zu einem “Erwachen Europas” geführt und die Bedeutung einer europäischen Sicherheitspolitik in den Vordergrund gerückt, so Wimmer.

Strategische Bewertung der aktuellen Situation

Für Russland ergibt sich zur Zeit eine schwierige Situation, so der Oberst. Denn Europa sei “mehr geeint denn je”. Russland hingegen sei diplomatisch isoliert. In der medialen Darstellung habe die Ukraine die “Oberhand” und die Weltmeinung vereine sich hinter der Ukraine. Weiters habe es noch nie so harte Wirtschafts-Sanktionen gegeben wie aktuell gegen Russland. Aus militärischer Sicht habe Russland u.a. die Stärke bzw. den “Wehrwillen” der ukrainischen Armee unterschätzt, weswegen Oberst Wimmer davon ausgeht, dass der Krieg in der Ukraine “doch noch einige Zeit dauern wird.”

Video der Einschätzung von Bundesheer-Oberst Wimmer

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