Zu wenig Vielfalt: Gesichter auf Klassenfoto dunkler gefärbt!

„Blackwashing“-Skandal

Zu wenig Vielfalt: Gesichter auf Klassenfoto dunkler gefärbt!

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Die Émile-Cohl-Kunstschule in Lyon veröffentlichte auf ihrer amerikanischen Webseite ein Foto, auf dem die Gesichter von Schülern dunkel eingefärbt und zusätzlich dunkelhäutige Personen in das Foto hineinmontiert wurden.

Ein Report von Kornelia Kirchweger

Schüler empört

Der Skandal kam auf, als sich Schüler auf Twitter darüber entrüsteten und von „Blackwashing“ sprachen. Das Foto wurde daraufhin gelöscht.

“Ich weine”

Ein Schüler teilte das Posting eines anderen, in dem es hieß: “Für die Eröffnung einer Zweigstelle der Émile-Cohn-Schule in Los Angeles haben sie ein Klassenfoto verändert, wo sie Schüler hineinmontierten und die Hautfarbe von Schülern veränderten, um die Vielfalt der Schule zu simulieren.”

Zum Vergleich wurde auch das Originalfoto gepostet und die Veränderungen mit roten Kreisen markiert.  Ironisch hieß es: “Finden Sie die Unterschiede auf den Bildern”. Ein Schüler postete: “Freunde, wir müssen eine offene Schule werden – was machen wir jetzt? Wir müssen die Anforderungen der Schule diversifizieren…Neeein, besser – wir photoshoppen einfach. LOL. Ich weine.”

Schule will in Los Angeles mit „Offenheit“ punkten

Die renommierte Kunstschule will in den kommenden vier Jahren eine Zweigstelle in Los Angeles eröffnen. Dazu wurde die Kampagne mit einer eigenenen Webseite gestartet. Das Originalfoto stammt von einem Schüler und wurde an eine Kommunikationsagentur in Kalifornien geschickt.

Die Webseite mit dem „Fakefoto“ wurde letzte Woche geöffnet. Auf dem Foto sieht man bei vier Schülern die veränderte Pigmentierung im Gesicht. Zusätzlich wurden zwei schwarze Schülerinnen in die Mitte der sonst nur aus weißen Schülern bestehende Gruppe “eingefügt”.

Das Foto diente Werbezwecken. Für eine renommierte Kunstschule, wie die Émile Cohn, ist das nicht unbedingt ein Pluspunkt, heißt es in verschiedenen französischen Medien, die darüber berichteten.

Direktor “überrascht”: “Nicht unsere Schuld”

Schuldirektor Antoine Rivière weist die Schuld von sich. “Das war die Initiative des US-Anbieters, das hatte nichts mit uns zu tun“, sagte er. Die Schule bemühe sich, in Los Angeles die Qualität der Schule zu promoten und dieser Vorfall sei gar nicht hilfreich. Rivière besteht darauf: „als wir von der Manipulation erfuhren, haben wir das Foto gelöscht. Wir sind uns des Problems sehr bewusst”.

Die Schule hat sich schließlich bei den Schülern entschuldigt. Doch die Kritik reißt nicht ab. Ein Schüler, den rue89lyon kontaktierte, bestätigte, dass dieser Fall weiterhin für große Aufregung sorgt. Nicht nur in den sozialen Medien, auch in den Gängen der Schule. Viele nehmen der Schule nicht ab, nichts davon gewusst zu haben.

Politisch korrektes Marketing

Wie rue89lyon anmerkt, sei “blackwashing” eine in Organisationen übliche Marketingpraxis, um zu betonen, wie offen man gegenüber Menschen aller Ethnien sei. Eine ähnliche Marketingpraxis gebe es im Umweltbereich – das „greenwashing“.

Dabei bewerben und unterstützen Firmen, deren Aktivitäten umweltschädigend sind, grüne Aktivitäten. Auch „Pinkwashing“  (Rosawaschen) ist ein neuer Begriff im Marketing, um zu betonen, wie sehr man sich mit der Lesben- und Schwulengemeinschaft identifiziert und sie unterstützt.

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