George Orwell und Aldous Huxley: Zwei visionäre Schriftsteller, die in der heutigen Zeit relevanter denn je sind. Sie lieferten zwei Gesellschaftsentwürfe einer möglichen, finsteren Zukunft. Beide unterschiedlich auf ihre Art, aber doch erschreckend ähnlich, denn der Bürger, der freie Mensch, das denkende Individuum, verlor in jeder dieser Visionen einfach alles. Wohin steuern unsere Gesellschaften gerade?

Kommentar von Hans Gruber

Werbung

Am 19. November war „Men’s Day“ und aus irgendeinem Grund, warum auch immer, komme ich ins Grübeln. Vor rund hundert Jahren haben zwei Männer jeweils ein interessantes Buch geschrieben. George Orwell mit 1984 und Aldous Huxley mit „Schöne, neue Welt“. Ich habe beide gelesen und auch wenn sie auf den ersten Blick eine große Gemeinsamkeit haben, nämlich eine Zukunftsvision unter einer totalitären Regierung, so könnten sie im Detail nicht verschiedener sein. Zumindest auf den ersten Blick.

Orwell gegen Huxley

Orwells Vision ist klar von einer kommunistisch/faschistischen Gewaltherrschaft dominiert. Der große Bruder sieht alles, hört alles, kontrolliert alles. Jeder Widerstand wird im Keim erstickt und mit eiserner Faust zerschmettert. Das Volk wird in Armut gehalten. Ständig herrscht Mangel an selbst den grundlegendsten Gütern. Ein endloser Krieg, der nur zum Schein stattfindet, wird inszeniert, um die Massen unter dem Banner des großen Bruders gegen einen gemeinsamen Feind einzuschwören.

Huxleys Geschichte ist da ganz anders. Die Menschen in seiner Vision werden nicht länger geboren, sondern in Labor-Fabriken gezüchtet. Zu Huxleys Zeiten war Eugenik der neuste Schrei und die ach so gepriesene Wissenschaft hat das ganz begeistert angenommen, darüber debattiert. In seiner Geschichte werden also bereits den Embryonen ihre späteren Aufgaben per Konditionierung und verschiedener genetischer Marker eingeprägt. Sie werden für ihre Rollen in der Gesellschaft also direkt gezüchtet.

Es gibt eine Oberschicht, die Alphas, welche das Lenken und Denken der Masse übernehmen. Eine Mittelklasse hat die Verwaltung inne. Die Menschen der Unterschicht wurden absichtlich dumm gezüchtet, aber mit Muskelkraft ausgestattet wird um die Drecksarbeit zu erledigen.

Die Menschen in dieser Vision beschäftigen sich mit nichts weiter als Hedonismus. Kostenlose Drogen ohne schädliche Nebenwirkungen halten sie bei Laune, ebenso ausgedehnte sexuelle Abenteuer ohne moralische Komponenten. Man geht nicht länger langfristige Beziehungen und Familienbünde ein, sondern vergnügt sich nur noch mit einer häufig wechselnden Anzahl von Partnern. Persönliche Freiheiten und Privatsphäre gibt es in diesem Sinne nicht mehr.

Natürlich haben beide Bücher ihre Protagonisten, welche den „Kampf gegen das System“ aufnehmen, und jeder scheitert auf seine Art grausam, das gehört zu solchen Geschichten dazu. Aber mir geht es an dieser Stelle um etwas anderes, um die Visionen an sich. Beide liegen nun ausgebreitet vor uns.

Welche Dystopie ist schlimmer?

Wenn ich die Frage stelle, welche der Visionen nun schlimmer sei, lautet die Antwort in 99% aller Fälle natürlich Orwell. Der große Bruder der dich in deinem Leid beobachtet, der dich unterdrückt, schneidet natürlich immer schlecht ab im Vergleich zu einer immer währenden Party mit Orgien. Aber … ist es das wirklich? In Orwells Dystopie gibt es zumindest noch eine Chance. Sie mag gering sein, ja schon lächerlich klein, aber sie ist da. Dass sich eines Tages, trotz all der Gewalt, der Kontrolle und der Restriktionen das Volk gegen den großen Bruder erhebt und sich seine Freiheit zurückerobert.

In Huxleys Welt allerdings kann das niemals passieren. Die Menschen wurden schon als gefügige Kreaturen geboren. Ja noch vor der Geburt wurden sie präpariert. Etwas anderes nur zu denken als das, was die Führung will, bereitet ihnen Übelkeit und Schmerz. Die Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber dem Wissenschaftsregime bereitet ihnen hingegen Wonne. Diese Leute KÖNNEN gar nicht anders handeln, als es in ihrer Programmierung vorgesehen ist. Du wirst in dieser Welt niemals frei sein, dich niemals entwickeln. Niemals etwas anderes sein als das, was Wissenschaftler für dich entworfen haben. Du wirst nie über dich selbst herauswachsen können, oder deinen Horizont erweitern können. Dafür gibt es kein „Upgrade“.

Wenn ich also lese, wie die Vereinten Nationen völlig offen orwell’schen Neusprech wie „Male Allies“ einsetzen, als wäre es das normalste auf der Welt, und dabei all die „Diversitäten“ anpreist, die man so auch in der degenerierten Welt von Huxley findet, bekomme ich Gänsehaut.

Das Schlimmste aus beiden Welten

Denn auch bei uns, schon jetzt, gibt es Kreise, die direkt darauf zusteuern, Leute, die genau DAS wollen. Wo sexuelle Neigungen, gleich wie abgründig, ausgelebt werden können, man Geschlechter wie Unterhosen wechselt. Von der Führung bis zu den Medien wird das Leitbild eines sorglosen Menschen propagiert, der sich in seiner Freizeit mit Chemie zuballert und mit allem schläft, was er finden kann. Es scheint so, als wären wir an einem Kreuzweg angelangt. Was darf es sein? Das kommunistisch-faschistische Regime des großen Bruders? Oder die drogeninduzierte, hedonistische Eugenik-Sklaverei einer „schönen, neuen Welt“?

Vielleicht wird es gar eine Hybridversion, das Schlimmste aus beiden Welten. In technologischer Sicht fehlen uns zwar noch die Mittel, Huxleys Menschen zu züchten, aber in ein paar Generationen, wer weiß? Wenn von uns nur noch wenige da sind, für die der Gedanke befremdlich ist, sich selbst mit Hormonen oder Operationen selbst „zu modifizieren“, um den Geltungsdrang zu befriedigen, steht dem „Bürger von morgen“ nichts mehr im Wege. Das Interessante daran ist ja, dass man mit ziemlicher Sicherheit keinen harten Unterdrückungs-Apparat wie bei Orwell braucht. Keinen großen Bruder der dir ständig auf die Finger schaut.

Zumindest ist dafür keine einzelne Person notwendig. Das regelt schon jetzt Big Tech für uns. Indem auf allen relevanten Plattformen Zensur betrieben wird und mit Bestrafung für abweichende Meinungen gearbeitet wird, zensiert man sich selbst bereits. Denn wenn ich weiß, dass mir für meine Ansichten entweder ein Ausschluss von den immer wichtiger gewordenen sozialen Netzwerken droht oder mir gleich ein linksextremer Mob ganz real die Existenz vernichten will, dann werde ich nicht mehr laut werden. Auch dann nicht, wenn etwas geschieht, das ich als Ungerechtigkeit empfinde. Ich werde nicht mehr für meine Freiheit oder für Gerechtigkeit einstehen, wenn ich dafür konstant bestraft und sozial ausgestoßen werde.

Das ist ja auch irgendwo logisch. Wenn man die eine Seite selbst für geringe Äußerungen des Widerstandes sperrt, aber der anderen Seite jede Form des Angriffs gestattet, wird sich die verfolgte Seite natürlich zurücknehmen und schweigen. Man spricht dann von einer „schweigenden Mehrheit“, was von den Medien dann oft als „Gleichgültigkeit“ verzerrt wird, in Wahrheit aber ist es nichts weiter als Furcht. Die Angst davor, ausgestoßen, verfolgt, bedroht oder sogar um seine Karriere gebracht zu werden. Was wohl mit jenen geschah, die während der Hexenverfolgungen seinerzeit aufstanden und laut riefen „Das ist ungerecht, das ist Blödsinn, das könnt ihr nicht machen, ich bin dagegen.“ Es hat wohl seine Gründe, warum die heute niemand mehr kennt.

Werbung

Folgen Sie uns auch auf Telegram, um weiter die aktuellen Meldungen von Wochenblick zu erhalten!

+++ BEZAHLSCHRANKE? NEIN DANKE +++
In Zeiten großer Krisen heißt es zusammenhalten. Der Wochenblick stellt deshalb ab sofort alle exklusiven Inhalte und Reportagen in voller Länge und ohne Zusatzkosten für seine Leser im Internet zur Verfügung. Während Mainstream-Medien verzweifelt um Abos werben, wollen wir nur eines: Ihnen ehrlich und rasch alle Informationen liefern, die Sie in dieser fordernden Zeit brauchen!