Sperrfrist 04.09. | Wenn Unscheinbares zu Kunst wird
Foto: Wochenblick

Für Sabine Krump ist klar: Die Welt ist eine Scheibe! Genau genommen ein Knopf. Denn bei der Künstlerin mit dem ansteckenden Lachen dreht sich alles um Zwirnknöpfe.

Ein Bericht von Elsa Mittmannsgruber

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Ein fast vergessenes Handwerk, welches die originelle Pregartnerin in ihrer „Knopfstubn“ auf ganz spezielle Weise aufleben lässt. Der „Wochenblick“ wurde in ihr buntes Universum eingeladen und dabei auch gleich meine Fingerfertigkeit auf die Probe gestellt.

Sabine Krump im Bann des Zwirnknopfes. Ein Alltagsgegenstand im Wandel der Zeit

Ein rund 3cm großer silberner Ring, eine Nadel sowie ein blauer, ein violetter und ein grüner Zwirn beschäftigen mich eine ganze dreiviertel Stunde lang. Aber bereits nach fünf Minuten fangen die Finger zu schmerzen an. Ich bekomme eine zusätzliche Lampe und sogar eine Lesebrille bereitgestellt, obwohl ich normalerweise kein Brillenträger bin – aber vielleicht hilft’s?!

Nein, doch lieber ohne. Immer wieder rutscht der Faden vom Ring und ich bin kurz davor meine Geduld zu verlieren. Zum Glück ist die Knopfmacherin Sabine Krump stets zur Stelle und greift ein, bevor ich das kleine Ding in meiner Hand aus dem Fenster schmeiße. „Nur Geduld, es wird schon“, bestärkt sie mich und behält dabei Recht. Langsam aber doch formt sich eine Kornblume, das Knopf-Motiv, für das ich mich entschieden habe.

Dreimal noch den Zwirn um den Ring wickeln, Faden abschneiden und fertig! Unglaublich, wie fordernd so ein kleiner Knopf sein kann. Und genau das wollte mir die 48-jährige Handwerkskünstlerin zeigen. Denn wo für sie der Zwirnknopf ein Schmuckstück und Ausdruck ihrer Individualität ist, war er für ihre Mutter und Großmutter ein Zubrot.

Einst der „Arme-Leute-Knopf“

Die beiden gehörten nämlich zu den vielen Heimnäherinnen, die im Wald- und Mühlviertel den sogenannten „Arme-Leute-Knopf“ herstellten und verkauften, bevor sie in den 1940er-Jahren durch maschinelle Fertigung abgelöst wurden.
„Das Zwirnknopf-Machen ist damals nichts Schönes gewesen. Meist im Winter wurden bei Kälte und im Licht von Petroleum-Lampen die Knöpfe für Kleidung und Bettwäsche in Akkord-Arbeit von Kindern und Mägden hergestellt.“, weiß Sabine Krump.

„Die Region hat davon gelebt. Es ist ein wichtiger Teil von Oberösterreichs Geschichte“, betont die zweifache Mutter, die ihre Leidenschaft für die kleinen Scheibchen schon als Kind entdeckte. Vor 25 Jahren haben sie die Zwirnknöpfe dann endgültig in ihren Bann gezogen. „Auf einmal erkennt man den eigenen Weg, das spürst du einfach“, schwärmt Sabine. Fünf Bücher, ein Geschäft und sogar eine eigene Ausstellung folgten.

Kulturgut soll bewahrt werden

Was aber kann einen so an Knöpfen faszinieren, dass man ihnen den Großteil seiner Zeit widmet? Da muss Sabine nicht lange überlegen: „Das Knopfmachen ist ins Hintertreffen geraten. Ich möchte aber nicht, dass dieser Teil unserer Geschichte sowie das wunderschöne Handwerk vergessen werden. Es ist ein altes Kulturgut und wichtig, dass die Kinder das sehen und lernen. Die Geschichte muss bewahrt und weitergetragen werden.

Sie ist ein Schatz, ein kostbares Gut. Nicht nur die eigene Familiengeschichte, sondern auch die des Heimatlandes. Ich selbst bin im Mühlviertel verwurzelt und das ist mir sehr wichtig. Traditionen und Handarbeit halte ich sehr hoch.“
Für Sabine Krump ist die Geschichte aber auch etwas Wandelbares. Deshalb gibt sie den Zwirnknopf eine ganz neue Bedeutung. Einst waren sie rein weiß und eben nur zur Zweckerfüllung eingesetzt worden.

Schmuckherstellung aus Zwirnknöpfen

Sabine jedoch wandelte sie in kleine Kunstobjekte. Entgegen alten Knopfmacherinnen, die das als Kitsch bezeichneten, blieb sie „auf ihrer bunten Welle“ und fertigt aus ihren farbigen Zwirnknöpfen auch Ketten, Ringe, Anstecker und vieles mehr.

Da die aufgeweckte Pregartnerin hauptsächlich Auftragsarbeiten macht, setzt sie hier keine Grenzen und sieht besondere Kundenwünsche als Herausforderung. Auch sie selbst schmückt sich von Kopf bis Fuß mit bunten Zwirnknöpfen. Nicht nur, weil sie von ihnen so begeistert ist, sondern auch weil „modernen Schmuck jeder trägt und ich gerne gegen den Strom schwimme“. „Man muss den Leuten zeigen, was man gerne tut.

Knopfstubn als Künstler-Plattform

Nur so kannst du sie begeistern, wenn du das Ganze selber lebst und nicht nur davon redest.“ Und deshalb gibt sie ihr selbst angeeignetes Zwirnknopf-Wissen nicht nur über Bücher und Kurse weiter, sondern bietet mit ihrer zwölf Monate jungen Knopfstubn in Pregarten auch eine Plattform für andere Künstler: „Den eigenen Weg zu gehen und seinem Herzen zu folgen ist nicht immer einfach.

Man muss sich dabei auch gegenseitig helfen“, spricht die Künstlerin aus Erfahrung. In ihrem Geschäft können deshalb auch andere Künstler ihre Werke zum Verkauf anbieten. Derzeit können die Schöpfungen von rund zehn weiteren Kreativen in Sabines Knopfstubn bestaunt und erstanden werden.

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