Die ungarische Regierungspartei Fidesz hat ein umfassendes Werbeverbot für Geschlechtsumwandlung und Homosexualität unter Minderjährigen auf den Weg gebracht. Der Entwurf ist Teil des „Pädophilie-Paketes“. Demnach ist es nun verboten, unter 18-Jährigen pornographische oder andere Inhalte zu zeigen, die zur Änderung des Geschlechts oder zur Homosexualität ermutigen. Das betrifft auch Werbungen und TV-Shows.

Von Kornelia Kirchweger

Neutrale Sexualkunde

Der Gesetzes-Vorschlag enthält auch eine Liste von Organisationen, die Sexualkunde in Schulen unterrichten dürfen. Dies künftig nur mehr mit Regierungs-Genehmigung und ohne Lehrinhalte, die eine Geschlechtsumwandlung oder Homosexualität promoten. Auch Werbung von Großunternehmen, die sich mit Homosexuellen solidarisieren, soll verboten werden. Im „Pride Month“, das der LGBT-Gemeinschaft gewidmet ist, färben einige Konzerne, wie BMW, ihre Logos – um ihre Verbundenheit mit der LGBT-Gemeinschaft zu unterstreichen.

NGO-Kritik und Fußball-Aktionismus

Fünf NGOs, inklusive Amnesty International Ungarn, bildeten in Vertretung der LGBT-Gemeinschaft, Lesben und Transgender eine Protestplattform gegen das Gesetzesvorhaben. Dieses wird im ungarischen Parlament aufgrund der Mehrheitsverhältnisse wohl durchgehen. Die NGOs sprechen von „Beschneidung der Meinungsfreiheit und der Kinderrechte“. Die Altersgrenze von 18 Jahren kritisieren sie, sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität seien natürliche Eigenschaften eines jeden Menschen und nicht etwas, das am 18. Geburtstag in Geschenkpapier gewickelt werde.

Der Redaktionsleiter des ARD-Magazins „Monitor“, Georg Restle, regte an, dass der Deutsche Fußballbund (DFB) beim Spiel der Nationalelf, während der Europameisterschaft am 23. Juni gegen Ungarn, Regenbogenflaggen als Zeichen der Unterstützung von Homosexuellen verteilen soll. „Ihr seid doch so für Diversität. Wie wär’s? Eine Regenbogenflagge für jeden Fan im Stadion? Dann kriegt das auch der Herr Orban mit“, schrieb Restle auf Twitter.

Orban schützt Familienwerte

Schon als die Orban-Regierung in der Verfassung festlegte, „die Mutter ist eine Frau, der Vater ist ein Mann“, hagelte es Proteste der Opposition, der Mainstream reagierte üblich aufgeregt. Im Dezember wurde ein Gesetzespaket, angenommen, das gleichgeschlechtlichen Paaren die Adoption von Kindern verbietet. Im Jänner hatte Orbán sich dafür stark gemacht, daß ein überarbeiteter Märchenband, der unter anderem Homosexualität propagiert, nur mit einer Warnung erhältlich ist. Der Verlag muss darauf hinweisen, dass die Inhalte im Widerspruch zu traditionellen Geschlechterrollen stehen. In dem Buch geht es um 17 Märchen. Die Helden der neuen Fantasiewelt sind weiblich, schwarz, homosexuell und körperlich eingeschränkt. Ihre Gegner sind nicht länger nur Drachen und Bösewichte, sondern auch – vermeintlich überholte – Gesellschaftsbilder zur Heteronormalität (Mann und Frau).

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