„Bis zum Sommer sind alle geimpft“, titelte die von Kurz & Co. mit Steuermillionen gefütterte „Krone“ am Sonntag. Auch im Blattinnern kann einem das sprichwörtliche „Geimpfte“ aufgehen: Als in Zwettl eine Pflegerin nur Tage nach der Impfung starb, war das Problem des Blattes nicht das tragische Ableben, sondern dass die Nichtverwendbarkeit der betroffenen Charge zu Absagen von Impfterminen führte. Um diese zu forcieren, lässt man groß einen Arzt zu Wort kommen, der viel mehr Impfstrafen fordert. Weg-Impfen möchte man dort am liebsten auch alle Kritiker der Maßnahmen.

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

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„Krone“-Urgestein Claus Pándi unterstellte Teilnehmern friedlicher Demos am Montag etwa, „von der Pandemie verwirrt“ zu sein. Herbert Kickl leide überhaupt an einer „geistigen Umnachtung“ und riskiere einen „Flächenbrand“. Als „Gegengift“ empfiehlt er Kurz eine klare Abgrenzung. Am Folgetag legt Sudelfeder Jeannée nach und vergleicht den FPÖ-Klubobmann gar mit Hitler.

Widerwärtige Publikumsbeschimpfung

Nun gut, ich verstehe: Der politische Betrieb kennt seine Schmutzkübel und jede Zeitung mag ihre Blattlinie haben. Bei den großen Boulevard-Blättern wie „Krone“ & Co. dreht man sich eben mit dem Wind – oder das, was man für die Windrichtung hält. Kurz & Co. belohnen diese unkritische Berichterstattung ja schließlich auch mit einem Batzen an Inseratengeld. Und wirtschaftlich denken soll ja auch keine Schande sein…

Aber dann blättere ich weiter zu den Leserbriefen und merke schnell: Es geht hier nicht um eine zugespitzte politische Kritik. Es geht um Meinungsmache und eine Beschimpfung aller kritischen Bürger. Denn dort finden sich vier Zuschriften, die nur so vor Hass auf die Demonstranten triefen. Eine Gegenmeinung druckte man nicht ab – die Rubrik heißt übrigens „Das freie Wort“. Bei der größten Zeitung des Landes ist dieses aber wohl nur für Kurz-Fans noch zulässig.

Jeden Tag eine neue journalistische Frechheit

Aber ich bin ja kein Unmensch und als Journalist erkundigt man sich natürlich auch, worüber der Mitbewerb so schreibt. Und über Nacht hat sich der erste Blutdruck gelegt. Bin ja auch eher ein Mensch, der seine Kommentar lieber gepfeffert schreibt. Welch ein Heuchler wäre ich also, wenn ich es anderen Leuten vorwerfen würde?

Aber ich wurde nicht enttäuscht, denn in der Mittwochsausgabe fand sich ein Artikel, den man bildungssprachlich irgendwo zwischen Meintat, Neidingswerk und Niedertracht einordnen würde. Der Bürger auf der Straße, dem ich mich bedeutend näher fühle, würde das Papier ungläubig von sich werfen und schreien: „Seid’s ogrennt, es Wappler?!“

Krone-Tenor: Blauwählen gefährdet die Gesundheit

Denn dort ging man ernsthaft der Hypothese auf den Grund, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Anteil von FPÖ-Wählern in einem Bezirk und der dortigen 7-Tages-Inzidenz gebe. Das ganze liest sich ungefähr nach dem Prinzip: „98 Prozent der Mörder sind Brotesser, hüten Sie sich vor der Gefahr aus dem Bäckerladen“. Aber um gegen die ungeliebte Opposition und deren Wähler loszuwettern sind solche Äpfel-Birnen-Vergleiche offenbar noch gut genug. Der Tenor ist entweder: „Nur Kranke wählen blau“ – oder eben „Blauwählen gefährdet die Gesundheit“. Beiderlei Ansatz ist absolut unterirdisch.

Es wäre nicht die „Krone“ des Jahres 2021, wenn nicht als positives Gegenbeispiel eine Liste von Bezirken mit hohem ÖVP-Anteil gelistet wäre. Welch Überraschung: Diese Partei hatte in 14 von 18 Bezirken bei der letzten Landtagswahl eine Mehrheit. Da schlägt man ihren Wählern schon einmal die niedrigen Werte der Stadt Linz zu. Dass dort ein blauer Gesundheitsstadtrat amtiert, erwähnt man nicht einmal im Kleingedruckten. Würde ja das Narrativ zerstören, das man in bester Prawda-Manier ans Volk bringen will.

Hochgradig unjournalistischer Offenbarungseid

Das Ganze macht wenige Tage nach der großen Freiheitsdemo in Wien und einige Monate vor der Landtagswahl in unserem Bundesland einen beunruhigenden Anschein. Man könnte den Eindruck gewinnen, es handelt sich um eine Auftragsarbeit, bei der man einfach vergessen hat, ein „bezahlte Anzeige“ daneben zu schreiben. Oder zumindest um eine beabsichtigte Hetzkampagne, die der einzigen Partei, die sich für die unzähligen Kritiker der totalitären Corona-Maßnahmen auf der Straße und im Parlament stark macht, etwas ans Zeug flicken will.

Mit kritischer Öffentlichkeit hat das alles nichts mehr zu tun. Als kritischer Bürger ärgere ich mich über die gestohlene Lebenszeit, solchen Schund lesen zu müssen. Als Umwelt-affiner Mensch betrauere ich jeden Baum, der dafür gefällt werden muss. Und als Journalist schäme ich mich im Namen unser ganzen Zunft für diese Form von – man kann es leider nicht anders bezeichnen – absoluten Schweinejournalismus. Das Volk mit üblen Milchmädchen-Zahlenspielen zu vernadern ist ein Tabubruch, der in einer „unabhängigen“ Zeitung nichts verloren hat. Ein Offenbarungseid, dass ihnen nichts mehr heilig ist, außer Kurz und die Seinen.

Leserschwund im Mainstream ist hausgemacht

Eigentlich heißt es ja, man soll nicht über Gebühr über den Mitbewerber ablästern. Aber was hier in den letzten Tagen auf Kosten aller Leute, welchen das Corona-Theater der Regierung stinkt, abgezogen wurde, lässt einem keine andere Wahl. Galt die „Krone“ einst als kritisches Blatt, das gerade denen eine Stimme gab, die sonst kein Gehör fanden, wettert sie heute über dieselben.

Sie schreibt den Widerstand aus dem Volk mit Schaum vor dem Mund nieder, unterstellt ihm niedere Motive, macht ihn verächtlich. Von einem türkisen Parteiblatt unterscheidet sie sich nur mehr unmerklich. Aber die Bürger merken das und werden dafür sorgen, dass die Verkaufszahlen solcher Käseblätter weiter einbrechen. Und nutzen die restliche Abo-Zeit dafür, sich die Seiten als Not-Ration zu horten, wenn der „heilige Sebastian“ wieder einmal über Nacht einen Lockdown ausruft und im Geschäft das Klopapier ausgeht…

Aber keine Sorge, liebe Kollegen: Wenn ihr schon nicht das schreibt, was die Menschen im Land bewegt – wir tun es. Beim Wochenblick scheuen wir nicht, den Finger in jede Wunde zu legen. Wir schreiben das, was andere verschweigen – und nicht das, was der Bestbietende gerne hätte. Die entgegen dem Branchen-Trend massiv steigenden Abo-Zahlen der letzten Monate geben uns recht.

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