Weltweit gingen an diesem Wochenende unzählige Menschen auf die Straße, um gegen die überschießenden Corona-Maßnahmen ihrer Regierung zu protestieren. Für diverse Mächtige wohl zu viele – denn die offiziellen Teilnehmer-Angaben stehen in keinem ordentlichen Verhältnis zu der sichtbaren Anzahl von Menschen. Freilich: Es ist nicht ganz einfach, Menschenmassen zu schätzen. Dennoch fällt auf: Bei Demos, die dem Zeitgeist entsprechen, werden die offiziellen Zahlen gerne aufgeplustert – und bei kritischen Demos gerne nach unten nivelliert. Es ist eine Taktik mit einiger Geschichte. 

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Für den Mainstream ist das eine brauchbare Taktik, um den Regierenden zu gefallen und vielleicht beim nächsten Mal wieder Werbe-Inserate oder Exklusiv-Infos aus den diversen Ressorts abgreifen zu können. Für freie Medien hingegen gibt es den Anspruch, über das zu berichten, was wirklich geschieht. Glücklicherweise lügen die Systemmedien aber mittlerweile so ungeniert, dass es einfach ist, ihre Zahlenspiele zu durchschauen. Ein eklatantes Beispiel ist die Demo in Paris am Samstag.

Behördenangabe um ein Vielfaches zu niedrig

Laut Behördenangaben sollen sich nur 11.000 Menschen auf dem Place du Trocadéro-et-du-11-Novembre gegen das Macron-Regime eingefunden haben. Unser Korrespondent war vor Ort und ist der Ansicht, dass das nicht stimmen kann. Ob die 100.000, die von Veranstalter-Seite kolportiert werden, stimmen, kann er zwar nicht bestätigen – aber es sei zumindest im Bereich des Möglichen. Denn wie eine Plakette auf dem „Trocadéro“ erinnert, sollen im Jahr 1987 schon einmal 100.000 Menschen dort gegen weltweite Armut protestiert haben. Das ist mit Sicherheit der Maßstab, anhand welchem die Veranstalter ihre Zahl schätzten – denn der Platz war gut gefüllt.

Ob die damalige Zahl stimmte, steht freilich in den Sternen. Der Platz mit einem runden Querschnitt hat einen Durchmesser von 164 Metern. Das heißt: selbst wenn er bis zum bersten voll wäre, müssten sich dafür pro Quadratmeter knapp fünf Menschen tummeln. Dennoch zeigt sich: Bei einem dermaßen gut gefüllten Platz wie am Samstag sind 11.000 Menschen eine konservative Schätzung. Die Menschen stehen über weite Teile des Platzes sehr kompakt, teilweise auch noch hinter der Baumreihe – jede Einordnung unter 30.000 oder 40.000 Menschen kommt einem Hohn gleich, da das Auge etwas anderes sagt. Wenn mein Bekannter laut Zeitgenossen „sicher 2m groß ist“, dann kann er vllt. auch „nur“ 1.95m groß sein, aber 1.50m ist er wohl mitnichten.

Unglaubwürdige Zahlenspiele französischer Behörden

Geht man selbst vom positiven Fall aus – einer Herausrechnung um den Faktor drei – dann müsste man dies sicherlich auch auf die gesamtfranzösischen Zahlen beziehen. Dass bei 168 Veranstaltungen nur 161.000 Menschen auf der Straße gewesen sind, erscheint als sehr unglaubwürdig. Falls die Behörden auch andernorts bei den Zahlen tricksten, wäre nach dieser Hochrechnung wohl von sicherlich einer halben Million auszugehen. Denn, dass im Schnitt weniger als tausend Menschen auf der Straße waren, klingt bei den sehr protestfreudigen Franzosen denkunmöglich.

Freilich: Die zwei Millionen, die manche Augenzeugen gesehen haben wollen, sind auch eher Wunschdenken. Auch wenn es durchaus seriöse Quellen gibt – wie etwa den Chefredakteur der Zeitung France Soir – die eine solche Größenordnung für möglich halten. In Frankreich hat es 27 Mio. Erwerbstätige, in deren Alter werden die meisten Demonstranten sein. Glaubt man einer halbschwindligen Umfrage, auf die sich der Mainstream reihum beruft, stimmt eine Mehrheit der Franzosen auch in diesen Alterskohorten den totalitären Macron-Maßnahmen leider zu. Dass jeder sechste oder siebte Kritiker auf der Straße war, wäre schön – aber leider auch nicht wahrscheinlich. 

Aber man muss die Hochschätzung dem Widerstand verzeihen, es ist auch das Recht von Regierungskritikern, sich möglichst zahlreich darzustellen, um Druck aufzubauen. Es wäre die Aufgabe der Exekutive eine verlässliche Zahl als Alternative zur Verfügung zu stellen – und nicht etwa eine willkürlich niedrige, die einem Blinden als gehässige Flunkerei auffällt.

Kritische Demos oft „nach unten gerechnet“

Denn dieser wird es längst gewohnt sein, dass seine Zahlen lächerlich niedrig gerechnet werden. Dies ließ sich schon vor Monaten in Österreich berichten, der ORF sprach selbst bei Riesen-Protesten in Wien mit vermutlich weit über 20.000 Teilnehmern noch von wenigen tausend Teilnehmern. Bei einer grenzübergreifenden Demo zwischen Salzburg und Bayern wollte man auf insgesamt nur 350 Menschen erkennen. Auch die „18.000“ bei den Berlin-Demos im Sommer 2020 waren nicht haltbar, sogar die Systempresse korrigierte die Zahl in Folgeberichten sukzessive nach oben. In allen drei Fällen kam Wochenblick diesen Schwindeleien auf die Schliche.

Und Paris/Frankreich war nicht der einzige Fall am Samstag, wo absurde Zahlenspiele auftraten. In Australien, wo Polizei & Politik mit Schaum vor dem Mund wie in einer Diktatur auf mündige Bürger losgingen, die nicht für einstellige 7-Tages-Inzidenzen zum fünften Mal in einem Endlos-Lockdown darben wollen, war es ähnlich. Dort war die Drückung der offiziellen Zahlen so eklatant, dass sogar ein regionales Mainstream-Medium zugeben musste, dass die Behördenzahlen scheinbar um einiges zu niedrig waren. Es ist wie ein ständiger Kampf um die Zahlen, bei dem die Mächtigen die Menge ihrer Kritiker klein reden wollen.

Frisierte offizielle Zahlen bei zeitgeistigen Demos…

Dass es auch in die andere Richtung funktioniert, zeigen zwei bekannte Beispiele aus Wien. Bei der „großen“ Black Lives Matter-Demo übernahmen alle Mainstream-Medien ohne jede Überprüfung den Schmäh der „50.000“ Teilnehmer am Platz der Menschenrechte. Die dazugehörigen Bilder zeigen einen Ausschnitt von etwa 50 mal 50 Metern, der prall gefüllt ist – dazu schütteren Besuch am restlichen Platz, der selbst in seiner Gesamtfläche kleiner als der „Trocadéro“ wäre. Vielleicht ist die historische Nachbetrachtung ja so gütig und räumt ein, dass Zahlen hier vertauscht wurden.

… und Parteiauftritten der Mächtigen

Ein weiterer Fall war der berühmt-berüchtigte 1.-Mai-Aufmarsch der SPÖ vor dem Wiener Rathaus im Jahr 2019. Dort kamen schon wenige Tage später große Zweifel auf, dass die behaupteten 120.000 Besucher stimmen könnten – die Exekutive nannte nämlich nur 12.000. Und die Luftbilder von damals lassen schließen, dass das zumindest annähernd hinkommen kann und die SPÖ-Zahlen abenteuerlich frisiert waren. Denn die Menschen standen auf einem asphaltierten Streifen von vielleicht 50 mal 100 Metern. Was es sicherlich nicht waren: elf Mal so viele Menschen wie am Samstag in Paris…

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