Über 80 Tote durch Messerangriffe gab es in London alleine im Jahr 2017.

Chaos in London: Sogenannte „Jugendbanden“ treiben seit geraumer Zeit ihr Unwesen in der britischen Hauptstadt. Es geht vor allem um Drogen. Ein Chirurg in London berichtete jetzt, er behandle in seinem Krankenhaus regelmäßig Kinder zwischen 13 und 15 Jahren in Schuluniform, die schwere Messer- oder Schussverletzungen haben.

Ein Beitrag von Kornelia Kirchweger

Laut Londoner Polizei kam es allein in diesem Jahr bereits zu 55 Tötungsdelikten. Erst kürzlich wurde wieder ein 20-Jähriger in Hackney auf offener Straße erstochen.

Opfer und Täter immer jünger

Martin Griffiths, leitender Chirurg Im Krankenhaus von Barts Health, sagte in einem Interview mit BBC Radio 4 Today, es gebe eine „signifikante Zunahme“ bei der Zahl schwerwiegender Stichwunden.

Opfer und Täter werden immer jünger. Früher kümmerten sich die Ärzte um 20-Jährige, jetzt sind es Teens und Kinder in Schuluniformen, die eingeliefert werden. Ein Viertel der behandelten Fälle seien schwerwiegende Messer- oder Schussverletzungen.

Ein Militärkollege habe seine Arbeit im Krankenhaus sogar mit Camp Bastion, dem Stützpunkt der britischen Streitkräfte in Afghanistan verglichen. Laut Griffith geht bei den Konflikten sicherlich auch um Bandenbeteiligung. Aber es gebe auch Patienten, die einfach „ihre Impulse nicht kontrollieren können“.

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Sowohl die Rauschgift-Täter als auch die Opfer werden immer jünger.

Sie bestellen Kokain wie Pizza

David Lammy, Labour Abgeordnete für das Stadtviertel Tottenham, in Nord-London, sagte: Was die Banden und deren Gebietskämpfe antreibe, sei ein Kokain-Drogenmarkt von 11 Milliarden Pfund.

Er glaube, die Polizei und das Land haben die Kontrolle über diesen Drogenmarkt verloren.“ Hier Kokain zu kaufen, ist so einfach wie eine Pizza zu bestellen. Allein in meinem Wahlkreis hatte ich vier Todesfälle.“

Zustände werden ignoriert

Der Chirug Griffith ist jedenfalls überzeugt: die Einstellung der Menschen gegenüber Gewalt habe sich verändert. Wenn Jugendliche vor fünf, sechs Jahren erstochen wurden, war das eine Horror-Geschichte.

Jetzt ist es ganz „normal“ wenn Leute von täglichen Morden hören. „Man bekommt die Gesellschaft, die man verdient, wenn man als Bürger Gewalt und Belästigung ignoriert“, sagte er.