Für gläubige Muslime müssen bestimmte Produkte bestimmten religiösen Vorschriften entsprechen. Gütesiegel dafür ist das Halal-Zertifikat, das in Österreich hauptsächlich von zwei Stellen ausgegeben wird. Von einer Linzer Firma und der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ). Letztere muss jetzt, laut Urteil vom Handelsgericht Wien, ein Unternehmen gründen, damit sie weiterhin zertifizieren darf.

Ein Beitrag von Kornelia Kirchweger

Der Begriff „halal“ kommt aus dem Arabischen und bedeutet „erlaubt, rein“. Alle unzulässigen Handlungen gelten als „haram“. Alkohol und Schweinefleisch sind haram. Für Halal-Fleisch gelten eigene Schlachtregeln.

Konkurrenzkampf mit Linzer Halal-Zertifizierer

Neben der IGGÖ zertifiziert das Linzer Unternehmen Islamic Information Documentation and Certification GmbH (IIDC) seit Jahren ca. 90 Prozent der Halal-Produkte bei uns. IIDC hat 12 Mitarbeiter und ist auch beratend tätig. Firmengründer und Chef ist Günther Ahmed Rusznak.

Die IGGÖ berief sich bei der Ausgabe ihrer Halal-Zertifikate bisher immer auf ihren Status als religiöse Vertretung. Sie behauptete deshalb auch bei Akkreditierungsanfragen, die IIDC sei nicht zur Zertifizierung berechtigt.

Handelsgericht: IGGÖ muss Gewerbe anmelden

Rusznak ließ sich das nicht gefallen, ging vor das Handelsgericht Wien und bekam in erster Instanz Recht: will die IGGÖ weiterhin Halal-Zertifizierungen ausstellen, muss sie ein Gewerbe anmelden und natürlich auch Steuern zahlen. Die IGGÖ will deshalb jetzt eine GmbH gründen. Vorbild ist Bosnien. Organisatorisch und personell von der religiösen Vertretung getrennt, mit eigenem Geschäftsführer, Lebensmitteltechniker und zwei Kontrolleuren, soll die Firma im kommenden Jahr starten. Läuft das Geschäft gut, könnte man mit den Gewinnen die Aufgaben der religiösen Vertretung finanzieren.

Gutes Business mit „Halal“

In Österreich sind Halal-Produkte ein wichtiger Wirtschaftszweig. Sie werden zu über 90 Prozent in islamische Länder exportiert. Auch die Halal-Zertifizierung ist ein einträgliches Business. Denn Industrie (Lebensmittel, Getränke, Kosmetik, Bekleidung etc.), ihre Zulieferer und die Lebensmittelvermarkter (Restaurants, Werks-, Schul- und Kindergartenküchen, Catering-Unternehmen, Hotellerie, Fluglinien, Banken, etc.) brauchen das Gütesiegel für muslimische Kunden. Und die gibt es in Hülle und Fülle: in 57 islamischen Ländern, mit weltweit 1,6 Milliarden Muslime, davon 45 Mio in Europa, 5 Millionen in Deutschland und ca. 700.000 in Österreich. 2018 lag das Volumen des zertifizierten Halal-Lebensmittelexporte bei 632 Mrd US-$.