Wild oder Wald? Jäger schaffen Balance
Der Geschäftsführer des OÖ Landesjagdverbandes Christopher Böck kämpft seit Jahren gegen die Gerüchte rund um die Jagd an. (Fotos: Wochenblick)

Jahrtausende lang sicherte die Jagd das Überleben der Menschen. Wurde sie jedoch einst als etwas Notwendiges und Natürliches erachtet, ist sie heute in Verruf geraten. „Jäger sind Mörder. Die Jagd ist eine veraltete Methode und wird nicht mehr benötigt“, sagen viele. Aber ist da was dran? Der „Wochenblick“ hat die Fährte aufgenommen…

Reportage von Elsa Mittmannsgruber

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Es ist 8:00 Uhr morgens. Als ich am Gemeindeplatz von Kematen an der Krems ankomme, stehe ich bereits vor versammelter Mannschaft: Forstdienst, Jäger und Grundbesitzer. Sie treffen sich heute aus einem besonders wichtigen Anlass: der Erstellung des Abschussplans. Er soll für die kommende Jagdsaison regeln, wie viel Schalenwild die Jäger schießen müssen. „So werden die wildlebenden Huftiere wie Hirsche, Rehe, Gämse oder Wildschweine bezeichnet“, erklärt mir Christopher Böck, der Geschäftsführer des OÖ Landesjagdverbandes. Doch Zeit für Unterhaltung ist später, jetzt geht es in den Wald.

Wild vor Wald?

Wild oder Wald? Jäger schaffen Balance 3Abschussplan – klingt grausam. Besonders für diejenigen, die sich ihr Schnitzel im Supermarkt nebenan besorgen. Der Bezug zum Fleisch als totes Tier ist für viele verlorengegangen. Bunte Verpackungen täuschen über den Leidensweg hinweg, welchen das Tier auf sich nehmen musste. Die Arbeit der Jäger hingegen ist ehrlich und ist alles andere als blindes Töten. „Dahinter steckt mehr, denn ein Jäger ist auch Heger und muss den Lebensraum des Wildes im Auge haben“, weiß Christopher Böck und wird von einem Jagdkollegen während unseres Fußmarschs durch Laub und Matsch ergänzt:

 

Eingezäunte „Vergleichsflächen“

Wild oder Wald? Jäger schaffen Balance 1„Dass wir immer die Bösen sind, ist Blödsinn. Das wird aber oft so dargestellt.“ Schnell wird man dann eines Besseren belehrt, wenn man bei der Abschussplan-Begehung dabei ist. Wir haben unseren Zielort inmitten des Waldes erreicht. Vor uns ein eingezäunter Bereich. „Das ist eine Vergleichsfläche“, erklärt mir Gottfried Diwold vom Landesforstdienst, „sie dient dazu, die natürliche Waldverjüngung ohne Wildeinfluss festzustellen“.
Denn gibt es zu viel Wild, in diesem Fall Rehe, fressen sie zu viele Jungpflanzen. Zum Vergleich wird dann eine sogenannte Weiserfläche, eine freie Fläche im Wald beurteilt. Akribisch genau, werden die jungen Bäume betrachtet und nach Wildeinfluss untersucht, bis wir uns zur nächsten Vergleichsfläche in einem weiteren Waldstück aufmachen. Nachdem wir insgesamt fünf Flächen beurteilt haben, geht es zurück in den Ort zum Kirchenwirt.

Natur kann sich nicht mehr selbst regulieren

Alle sind sich einig: Der Abschussplan vom Vorjahr mit 180 Rehen muss nicht erhöht werden. Wild und Wald sind im Einklang. Und das ist auch das Ziel von Jäger und Grundbesitzer: „Keine Rehe oder keine Waldverjüngung – beides will man nicht. Der Jäger will nachhaltig jagen. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Das ist gut für Tiere, Pflanzen und die Grundbesitzer“, stellt Christopher Böck klar. „In einer Kulturlandschaft kann sich die Natur nicht mehr selbst regulieren.

Jäger sorgen für Gleichgewicht

Wir wollen die Natur für uns nutzen und gleichzeitig für ein Gleichgewicht in der Tier- und Pflanzenwelt sorgen“, erläutert Böck. Gottfried Diwold streicht dabei die große Bedeutung der Zusammenarbeit von allen Parteien heraus: „Oberösterreich ist da ein Vorreiter bei der Zusammenarbeit von Grundbesitzern und Jägern. Wir sind das einzige Bundesland, wo jedes Jahr eine gemeinsame Begehung stattfindet und der Abschussplan nicht rein am Schreibtisch gemacht wird“, freut sich der Waldexperte.

Lesen Sie diesen und weitere spannende Artikel in der neuen „Wochenblick“-Ausgabe (15/17, vom 20.4.2017), die HIER gratis angefordert werden kann.

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