Gratulation zum Buch: Schwester Immaculata Hofer mit Kurt Guggenbichler

Nach der erfolgreichen Präsentation ihres Buches über die Entwicklung der Dialyse bei den Linzer „Liesln“ aus Anlass der 1.000.000ten Blutwäsche (!) in ihrem Ordensspital wird die Autorin, Schwester Immaculata Hofer (77), der „gute Engel der Dialysestation“, wie man sie auch nennt, nun noch zur Museumsplanerin.

Ein Reportage von Chefredakteur Kurt Guggenbichler


Denn worüber im Buch berichtet wird, das soll möglichst bald schon in eigenen Ausstellungsräumen im Erdgeschoss des Krankenhauses dargestellt werden.

Kein Material

Das künftige Museum, mit dem der sensationellen und beeindruckenden Entwicklung der Dialyse bei den Linzer Elisabethinen ein Denkmal gesetzt wird, hätte – wie auch das Buch – eigentlich schon viel früher das Licht der Öffentlichkeit erblicken sollen. Doch weil die Patientenbehandlung stets wichtiger war, seien die beiden Projekte immer vor sich her geschoben worden, erläutert Immaculata, die als Chefschwester in der Dialysestation immer voll in den Dienstplan der Abteilung eingebunden war.

Doch im Juni 2015 hat sie sich endlich einen Ruck gegeben und mit der Recherche für ihr Buch, das ihr nicht nur eine Herzensangelegenheit ist, begonnen. „Leicht war es nicht“, sagt sie, „denn es war überhaupt nichts da: Keine Bilder, keine niedergeschriebenen Informationen.“

Viel Improvisation

Also machte sie sich auf die Suche, klopfte bei einem wichtigen Zeitzeugen, ihrem ehemaligen Chef, Professor Dr. Bruno Watschinger, in Perg an und durchforstete auch die Kellerräume des Spitals nach alten Geräten, wo sie – oh Wunder! – noch die erste selbstgebastelte Blutwäschemaschine fand: „Im Wesentlichen eine Art aufblasbare Badewanne mit Tauchsieder“ wie Primar Dr. Daniel Cejka, der Chef der Abteilung für Innere Medizin III, das vorsintflutliche Gerät augenzwinkernd beschreibt. Dieses wird auch im künftigen Museum einen Präsentationsplatz finden.

Auf Grund seines hohen Alters sei Professor Watschinger leider keine große Hilfe mehr gewesen, bedauert Immaculata, der es aber so nach und nach trotzdem gelungen ist, die Informationen über die Meilensteine der Entwicklung der Dialyse bei den „Liesln“ auch aus der Sicht anderer Beteiligter zusammenzutragen und handschriftlich zu Papier zu bringen. Die kürzlich erfolgte Buchpräsentation konnte Professor Watschinger, der im Juni dieses Jahres im 97. Lebensjahr verstorben ist, nicht mehr erleben.

Von Anfang an dabei

Aber mit ihm und der selbstgebauten Dialysemaschine hat im Keller der Linzer Liesl 1961 alles begonnen. Bis dahin war das Schicksal der Menschen mit akutem und chronischen Nierenversagen fast unausweichlich mit dem Tod verbunden. Doch bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1986 habe er die Verbesserung des Blutwäscheverfahrens enorm vorangetrieben, betont Schwester Immaculata.

Sie selbst war quasi von Anfang an dabei. Denn nach ihrer Ausbildung zur diplomierten Gesundheits- und Krankenschwester wurde sie bereits 1971 der Dialysestation zugeteilt. Schweren Herzens, sagt sie, habe sie sich damals für dieses völlig neue und unbekannte Arbeitsfeld entschieden. Oberarzt Dr. Peter Breitfellner schulte sie intensiv in die „Geheimnisse der Dialyse“ ein und Haustechniker Hermann Schütz erklärte ihr die Geräte.

„Die Anfänge waren höchst experimentell“, betont Dr. Cejka, doch mit der Zeit wurde man immer routinierter, so dass in den vergangenen 56 Jahren hier 7.500 Leben gerettet wurden. Vor 50 Jahren bedeutete akutes oder chronisches Nierenversagen fast unausweichlich den Tod.

Prominenter Patient

1974 wurde bei den „Liesln“ auch die erste Niere erfolgreich transplantiert. Bis heute hat Schwester Immaculata viele Patienten, die eine Fremdniere eingesetzt bekamen betreut, darunter Niki Lauda – und meine frühere Frau Astrid. Sie verstarb 2009 nach einer erfolgreich durchgeführten Nierentransplantation.

Es wäre ihre zweite Niere gewesen. Mit ihrer ersten Niere hatte sie viele Jahre lang gut gelebt. Doch der Körper von Astrid, die seit ihrer Kindheit ein Nierenproblem hatte, war vermutlich von den vielen vorangegangenen Operationen, Blutwäschen und Medikamenteneinnahmen (die die Abstoßung der Spenderniere verhindern sollten) vermutlich schon so geschwächt, dass sie im Alter von 42 Jahren verstarb.
Bei Schwester Immaculata hatte sie sich immer gut aufgehoben und gut betreut gefühlt.