In Hamburg schlägt sich die Führerscheinbehörde mit Beschwerden der anderen Art herum: Denn ihr Fotoautomat kann nur hellhäutige Menschen erkennen. 

Über die skurrile Begebenheit berichtete die Hamburger Morgenpost. Demnach hätte eine dunkelhäutige Kundin sich mehrfach beschwert, weil der Automat – immerhin ein Fabrikat der Bundesdruckerei – ihr Gesicht nicht als Motiv erkannte. Nachdem die Behörde nachbesserte, erkannte die Photobox dann Dunkelhäutige – diese waren aber immer noch so unterbelichtet, dass die Bilder für biometrische Fotos unbrauchbar waren.

Vorfall „nicht akzeptabel“ – Automat musste vom Netz

Das Problem besteht jedenfalls bei zwei Fotoautomaten, die in den Stadtteilen Altona und Borgfelde stehen. Weil in der Zeit einer virulenten öffentlichen Debatte niemand den Vorwurf des Rassismus geben lassen will, nimmt die Hamburger Verkehrsbehörde unter den Fittichen des grünen Senators Anjes Tjarks die Fotobox jetzt vollständig vom Netz.

Wie Dennis Krämer, ein Sprecher von dessen Ressort klarstellte, seien diese offline bis zur Klärung der Fehlfunktion. Jedenfalls könne man gut verstehen, dass sich dunkelhäutige Bürger diskriminiert vorkämen: „Dieser Vorfall ist nicht akzeptabel“. Obwohl Hamburg ein Hotspot der afrikanischen Diaspora in Deutschland ist, machen Schwarze nur einen geringen Prozentsatz der dortigen Wohnbevölkerung aus.

US-Forscherin behauptete, Fotografie sei „rassistisch“

Jetzt versuchen die Behörden die Bundesdruckerei als Herstellerin zu kontaktieren, um die Beleuchtung zu optimieren. Übrigens: Der Vorwurf, dass Fotografie prinzipiell „rassistisch“ sei, ist nicht neu. Wie der Wochenblick bereits berichtete, widmete die US-Forscherin Natasha A. Kelly dieser These im Jahr 2017 sogar eine wissenschaftliche Abhandlung.

Tatsächlich aber dürfte die Problematik dem Portal Heise zufolge vielmehr an der Technik liegen. Diese ist aber nicht „rassistisch“ und wurde auch nicht dezidierte für helle Haut optimiert. Das Problem ist der Kontrastumfang, je nach Format und Kamera kann dieser zwischen fünf und fünfzehn Blenden stehen.

Als Resultat kommt es bei sehr dunklen Personen kommt es oft zu einer Unterbelichtung, bei hellblonden Menschen zu einer Überbelichtung. Übrigens: Das Phänomen kennt man auch von kontrastreichen Gebäudefotos oder sogar Landschaftsbildern.

Kontrast-Beherrschung als Nagelprobe für Fotografen

Der durchschnittliche Mitteleuropäer mit heller Haut und mittlerer Haarfarbe trifft dabei eher zufällig den technischen Idealkontrast, der auch bei fotografischen Laien – oder Maschinen – kaum Fehlerquoten aufweist. Als Königsklasse für versierte Fotografen gilt es übrigens, eine schwarzafrikanische Sportmannschaft in weißen Dressen möglichst originalgetreu darzustellen.