Trotz neuer und strengerer Waffengesetze seit dem Christchurch-Attentat, ist die Schußwaffenkriminalität in Neuseeland so hoch, wie noch nie.

Nach den Anschlägen von Christchurch (Neuseeland) vor über einem Jahr, als ein bewaffneter Mann in zwei Moscheen stürmte und mehrere dutzend Menschen tötete oder verletzte, versuchte sich die neuseeländische Regierung in hektischer Betriebsamkeit. Wie jedoch nur allzu oft nach derartigen schrecklichen Ereignissen, entpuppen sich die Reaktionen der politischen Entscheidungsträger in weiterer Folge als Schnellschüsse. Als erste Maßnahme verbot Neuseelands Regierung aus Sozialdemokraten, Populisten und Grünen halbautomatische Waffen, wie sie der Täter verwendet hatte. Zudem wurde eine großangelegte Rückkaufaktion von halbautomatischen Waffen initiiert, die Bürger bei der Abgabe derselben entschädigt.

Weitere Gesetzesverschärfungen folgen

Geplant oder bereits in der Umsetzung begriffen sind zudem weitere Maßnahmen. So ein nationales Waffenregister sowie eine Einschränkung der Lizenzen. Es gehe darum, zu verhindern, dass Waffen in falsche Hände fallen, sagte die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern. Die Erstellung eines nationalen Waffenregisters soll rund fünf Jahre dauern. Die Regierung will zudem Ausländern den Kauf von Schusswaffen verbieten. Bei dem Angreifer von Christchurch handelte es sich um einen Australier. Zudem dürfen Menschen, die wegen Straftaten im Zusammenhang mit Gewalt, Bandenkriminalität, Drogen oder Schusswaffen verurteilt wurden, künftig keine Waffenlizenz besitzen.

Schußwaffenkriminalität auf Rekordhoch

Nun zeigt sich allerdings, dass schärfere Gesetze nur brave und auch gesetzestreue Bürger treffen, nicht jedoch die Kriminellen. Wie Radio New Zealand berichtete, gab es 2019 so viele Tötungsdelikte mit Schußwaffen, wie seit fast zehn Jahren nicht mehr. Zwar gab es bereits 2018 einen Anstieg der Kriminalität zu verzeichnen, die Erwartungen der Waffengegner, dass schärfere Gesetze auch zu einem Rückgang der Kriminalität führen, gingen nicht in Erfüllung. Der Anstieg setzte sich 2019 – trotz der verschärften Gesetze – fort. In 3.540 Fällen wurden Straftaten unter Einsatz von Schusswaffen verübt. 2019 beschlagnahmten die Behörden 1.263 illegale Schusswaffen, 50 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren.

Kriminelle scheren sich nicht um Gesetzes

Auch bereits im Vorfeld der geplanten Verschärfungen durch die neuseeländische Regierung zeigte sich, dass sich Kriminelle nicht für Gesetze interessieren. So hatten einige Gangs offen zugegeben – welche Wunder – illegale Waffen nicht abzugeben. Es zeigt sich also wiedereinmal, dass die Kriminalität – steigt, sobald das Waffenrecht verschärft wird – eine Erfahrung die auch schon andere Staaten machen mußten. Schließlich wissen auch die Kriminellen, dass die gesetzestreuen Opfer weniger wehrhaft sind.