Seit wenigen Tagen gilt in Österreich ein generelles Rauchverbot in allen Betrieben der heimischen Gastronomie. Viel Freude haben die meisten Wirte damit nicht. Auch Anrainer von Lokalen, vor denen nun auf der Straße geraucht werden muss, sind mit dem Gesetz nicht wirklich glücklich…

Eine Reportage von René Rabeder

In der Halloween-Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November gab es vor allem für die heimischen Wirte „Saures“. Pünktlich zur Geisterstunde trat das umfassende, generelle Rauchverbot in Kraft. Das Qualmen in der Gastronomie ist somit jetzt eine „Verwaltungsübertretung“. Wer sich dabei ertappen lässt, in einem Lokal an einer Zigarette zu ziehen, wird zur Kassa gebeten. Beim ersten Erwischen drohen bis zu 100 Euro Strafe, im Wiederholungsfall bis zu 1.000 Euro. Natürlich nicht nur den Rauchern selbst, sondern vor allem den Besitzern eines Gastronomiebetriebs drohen noch viel schlimmere Strafen.

Wirte haben keine Freunde

Sie müssen die Einhaltung des Verbots „überwachen und durchsetzen“, wie es in dem Gesetz heißt. Ansonsten hagelt es – bereits beim ersten Verstoß – eine satte Strafe von bis zu 2.000 Euro. Bei mehrmaligen Vergehen kann die Summe aber sogar auf 10.000 Euro steigen. Bei einem Streifzug durch die Lokale der Landeshauptstadt findet man wenig Wirte, die mit der neuen Regelung ihre Freude haben. Und das auch gar nicht mal ohne Grund, wenn man beachtet, dass bereits in den wenigen Tagen, seit das Gesetz in Kraft ist, die ersten Betriebe ihre Gaststuben für immer geschlossen haben. Betroffen davon sind übrigens nicht nur kleine Betriebe, also die klassischen „Eck-Beisln“, in denen Herr und Frau Österreicher so gerne ihren Feierabend verbringen und in denen auch bisher der blaue Dunst fixer Bestandteil des Ambientes war. Neben den heimischen Glücksspiel-Tempeln, die laut Casino-Chefin Bettina Glatz-Kremsner mit Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent rechnen, fürchten auch viele andere große Lokale um ihre Existenz. Im Land ob der Enns dauerte es tatsächlich nur ganze vier Tage, bis die erste Disco zusperren musste. Ein reibungsloser Ablauf sei unter diesen Umständen einfach nicht möglich, musste Friedrich Greinecker-Hintenaus nüchtern bilanzieren. Jener Besitzer, der sein „Go-In“ im Bezirk Eferding am 5. Jänner 2020, just am 48. Geburtstag der beliebten Lokalität, zum letzten Mal aufsperren wird. Um zu rauchen, müssten die Besucher nämlich nun auf den Parkplatz vor der Disco. Und genau hier liegt das Problem.

Raucher nicht erwünscht

Die erste offizielle Beschwerde des Landes wegen Lärmbelästigung flatterte einer Wirtin aus Bruck an der Mur nämlich bereits pünktlich mit Inkrafttreten des Rauchverbots ins Haus: „Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass das Rauchen auf den allgemeinen Flächen unmittelbar vor dem Lokal nicht erwünscht ist und von uns als Verwalter der Anlage untersagt wird“, steht in dem Schreiben, das von der „Brucker Wohnbau“ stammt, die das Gebäude verwaltet. Die Lärmbelästigung durch rauchende Gäste auf den Straßen vor den Betrieben ist bereits jetzt für viele Anrainer unerträglich und es kommt schon verstärkt zu Anzeigen. Etwaige Strafen bleiben hier übrigens bei den Betreibern und eben nicht einmal bei den vermeintlich lärmenden Gästen selbst hängen. Trotz der unsicheren Lage trifft man natürlich auch auf viele kämpferische Wirte, die sich mit teilweise recht kreativen Ideen zu helfen hoffen. Allen voran, wie so oft, der Linzer Szene-Wirt Günther Hager. Im Gastgarten seines Lokals auf der Landstraße, dem „Josef“, hat er kurzerhand eine „Smoker Lounge“ mit allem Pipapo, wie beispielsweise einer riesigen Videoleinwand, eingerichtet.

Maßnahmen nicht zulässig

Aber auch andere Wirte zeigten sich schon findig. So wachsen vor sehr vielen Lokalen bereits Heizschwammerl aus dem Boden. Diese sind übrigens in den meisten Fällen gar nicht erlaubt. „Es ist unzulässig, auf Freiflächen, die nicht zu den Betriebsflächen zählen, Einrichtungen zu schaffen, die den Gästen die Möglichkeit bieten, wenn auch nur kurzfristig für das Rauchen einer Zigarette, Speisen oder Getränke einzunehmen oder die auf sonstige Weise während der Verweildauer zur Bequemlichkeit oder zum Schutz der Gäste vor Witterungseinflüssen beizutragen“, heißt es auf Nachfrage des Wochenblicks offiziell ziemlich humorlos. Auch Planen und kleine Pavillons, die wohl den Wind abhalten sollen, sieht man dieser Tage vor vielen Hausfassaden. „Es ist anzunehmen, dass auch kleine Pagoden von diesem Rauchverbot umfasst sind, wenn keine ausreichende Luftzirkulation gegeben ist. Eine entsprechende Anfrage wurde bereits an das Bundesministerium gestellt“, heißt es zu diesen kleinen baulichen Maßnahmen aber seitens der Wirtschaftskammer.

Nichtraucher bleiben fern

Die WKO empfiehlt Wirten generell, mit allzu großen Investitionen für ihre rauchenden Gäste noch zu warten, bis die neue Bundesregierung Rechtssicherheit schafft, was erlaubt ist und was nicht. Somit bleibt wahrscheinlich auch abzuwarten, ob etwa das „Raucherkammerl“ neben einem Café in einem sehr großen Paschinger Einkaufszentrum von Bestand sein wird. „Diese Raucherlounge ist gesetzeskonform“ steht dort selbstbewusst an der Türe. Schließlich würden in diesem Raum weder Speisen noch Getränke vom Personal serviert. Die Frage: „Ist es zulässig, ab 1. November 2019 in einem Gastronomiebetrieb ein eigenes Raucherzimmer einzurichten?“, wird von der Wirtschaftskammer auf einer eigens dafür eingerichteten Internet-Seite jedoch mit relativ eindeutigen Worten beantwortet: „Nein. Das Rauchverbot bezieht sich auf alle den Gästen zur Verfügung stehenden Bereiche von Gastronomiebetrieben, ausgenommen sind lediglich Freiflächen. Die Errichtung von eigenen Raucherräumen für Gäste ohne Bedienung und Konsumation ist in Gastronomiebetrieben nicht zulässig“.

Nein und Denunziantentum

„Die Nichtraucher, die uns immer erzählt haben, dass sie ab dem Rauchverbot endlich auch zu uns kommen werden, sind bislang noch nicht gekommen. Die Raucher bleiben jetzt lieber zuhause und trinken einfach dort ein paar Glaserl“, erzählt uns ein Wirt in Linz-Urfahr, der einen notdürftig errichteten „Raucher-Windfang“ vor seinem Café schon wieder abbauen musste. Die Nachbarn hätten sich schon darüber beschwert, bevor überhaupt die ersten Gäste vor dem Lokal geraucht hatten. „Ich lass meine Leute jetzt weiter drinnen rauchen“, gesteht er und möchte deshalb an dieser Stelle auch nicht namentlich genannt werden. Angst, so sagt er, hat er dabei eigentlich lediglich vor den Denunzianten, die ihn aus Neid sicherlich bei erster Gelegenheit „verpfeifen“ werden. Unbegründet scheint auch diese Angst nicht zu sein. Gleich am ersten rauchfreien Wochenende kam es in Linz zu einem Polizeieinsatz, weil sich Anrainer bereits am sehr frühen Abend von Rauchern gestört gefühlt hatten, die sich laut weiteren Ermittlungen der Behörden jedoch nur sehr leise unterhalten hatten. Und eine Kellnerin einer Urfahraner Bar erzählt dem Wochenblick von einem Akt ganz besonderem Denunziantentums. Als sie mit ihrer Kollegin das Lokal nach der Sperrstunde bereits verschlossen hatte und die beiden noch rasch etwas aufräumten, hat sie sich vor dem Heimgehen noch eine Zigarette angezündet. Dabei wurde die Servierkraft wohl aber von einem ganz besonders aufmerksamen Mitbürger beobachtet, fotografiert und sogar angezeigt. Das Rauchverbot, so fürchtet sie, hat das Potential, unsere Gesellschaft nachhaltig zu spalten.