In Unternehmerkreisen formiert sich stärker werdender Widerstand gegen die Regierung und ihre Corona-Bekämpfungsstrategie, die – wie moniert wird – darin besteht, sich von Lockdown zu Lockdown zu hangeln. Deshalb sperren immer mehr Geschäftsleute ihre Betriebe auf, wenn auch oft nur für kurze Zeit.

Eine Reportage von Kurt Guggenbichler

„Sie haben geöffnet? – „Selbstverständlich! – Dann trinke ich einen Cappuccino. – Sehr gern, der Herr“.
So in etwa hatte ich mir meinen Besuch in der Imbissstube „Andis Jausensackerl“ in Bad Schallerbach vorgestellt.

Auf-und-zu „Spiele“

Denn in der Zeitung hatte ich gelesen, dass das Betreiberpaar des Bäckerei-Cafés an der Grieskirchner Straße, die Eheleute Andreas und Bianca Zankl-Erler, ihr Lokal trotz der Covid-Verordnung geöffnet hätten. Doch als ich am Dienstag voriger Woche dort eintraf, war das Café geschlossen, nur noch das Verkaufsgeschäft der Bäckerei war in Betrieb. „Wir haben leider zumachen müssen“, bedauert die Frau des Firmenchefs, daher könne ich jetzt auch keinen Kaffee bei ihr trinken. Sie könne mir aber einen zum Mitnehmen machen. Ich verneine dankend, kaufe ein Brot und frage die Frau, ob sie das, was sich gestern im „Bad-Café“ von Alexandra Pervulesko in Linz ereignet hatte (der Wochenblick berichtete), mitbekommen hätte.

Sie nickte und meinte, das wäre eine Tragik. Weil Pervulesko wegen der Lockdowns schon seit Monaten kein Geld mehr verdienen konnte und nicht mehr wusste, wie sie sich und ihren Sohn ernähren sollte, hatte sie verzweifelt nach einer Lösung ihres Problems gesucht. Im Internet entdeckte Alexandra dann die Protestaktion des Handels „#wirmachenauf – Unternehmer stehen auf“ und folglich öffnete sie am 11. Jänner ihr „Bad-Cafe“.

Hände falten, Gosch´n halten

„Ich habe das sehr mutig gefunden von dieser Frau“, sagt Bianca Zankl-Erler, doch leider hat Pervulesko ihr Mut nicht viel genützt. Statt eines Einkommens, das sie dringend benötigt hätte, bekam sie ein Betretungsverbot für ihre Arbeitsstätte.

„Wenn das mit den Lockdowns so weitergeht, sind wir Kleinen bald alle kaputt“, sinniert Andreas Zankl. Ich stehe nun schon eine ganze Weile mit ihm und seiner Frau in der Bäckerei, in die sich seit meiner Ankunft noch kein anderer Kunde verirrte. Ich bezahle das eingekaufte halbe Brot, das 1,10 Euro kostet, und denke, so kann man auf Dauer wirklich nicht überleben.

Ihre Kunden hätten die Öffnung ihres „Jausensackerls“ jedenfalls goutiert, sagt Frau Zankl und auch die Öffnung des „Bad-Cafés“ war bei den Gästen gut angekommen, wie ich selbst an Ort und Stelle hörte. Alfons Baldinger, der in Rutzenham bei Schwanenstadt eine Gasthausbrauerei betreibt, liebäugelt auch mit dem Gedanken, einfach aufzusperren, traut sich aber nicht, wie er offen eingesteht. Den daraufhin von den Behörden zu erwartenden Druck würde er psychisch nicht aushalten.

„Wir brauchen aber mehr zivilen Ungehorsam“, sagt Friseurin Karin Kienast (54) aus Ampfelwang. Leider seien die meisten Oberösterreicher brave Katholiken, „die lieber die Hände falten und ihre Gosch’n halten“, anstatt gegen Ungerechtigkeiten und Meinungs- und Demonstrationsverbote vorzugehen.

Sie aber wolle nicht länger „die Gosch’n halten“, weshalb sie am vorigen Mittwochabend mit ihren Kolleginnen und künftigen Mitstreiterinnen Rita Lekel (56) aus Neukirchen/Vöckla, Sandra Strasser (49) aus Waizenkirchen und Antje Weissböck (46) aus Manning bei Ottnang die Widerstandsgruppe „Fleißige und idealistische Friseurinnen stehen auf“ gegründet hat.

Friseurinnen für Freiheit

„Wir wollen wieder unser selbstbestimmtes Leben zurück, unsere Freiheitsrechte und unsere Eigenverantwortung und nicht länger am Gängelband der Regierung hängen“, betonen die Frauen unisono. „Einer für alle, alle für einen“, sagt Kienast und Weißböck fordert: Die Spaltung der Gesellschaft müsse ein Ende haben. „Was die Regierung mit uns aufführt, ist schon kriminell“, sagt auch der Gastronom Baldinger, der ziemlich verärgert darüber ist, dass er die versprochene finanzielle Hilfe für November und Dezember noch immer nicht bekommen hat. Bei Nachfragen hieße es immer, seine Sache sei in Bearbeitung, de facto aber käme nichts bei ihm an.

Wegen der Lockdowns hätte er im letzten Jahr bereits 76.000 Euro aus eigener Tasche in den Betrieb schießen müssen, denn die Geschichte mit den Essensabholungen sei nicht einmal mehr ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Speisenbestellungen seien stark zurückgegangen, die Leute dürften kein Geld mehr haben, vermutet Baldinger. Nicht von ungefähr verzeichnen die Sozialmärkte einen bisher noch nie dagewesenen Boom.

Ein Gewerbe, das besonders schwer unter den Maßnahmen leidet, sei auch das der Sexarbeiterinnen. Viele dieser Frauen mussten schon im ersten Lockdown Schulden anhäufen und sind jetzt in einer echten Notlage, weshalb einige überlegen, einfach illegal zu arbeiten. Die Sexarbeiterinnen protestieren dagegen, anders behandelt zu werden, als beispielsweise Friseurinnen oder Masseurinnen, sagt dazu die Bundesvertretung Sexarbeit Österreichs (BSÖ). Diesen Verband gibt es seit August und der Anlass für seine Gründung war „der Frust“ der Sexarbeiterinnen, von politischen Entscheidungsträgern nicht wahrgenommen zu werden, zumindest offiziell. In Deutschland ist das anders, wenn auch nicht im Sinn der Betroffenen. Denn dort haben 16 Bundestagsabgeordnete vorgeschlagen, auch nach der Corona-Krise keine Bordelle mehr zu öffnen.

So kann es nicht weitergehen

Wie das hierzulande weitergeht, weiß zurzeit keiner, weder in der Branche der Liebesdienerinnen, noch in anderen Gewerben. Karin Kienast trägt sich sogar mit dem Gedanken, ihr Friseurgeschäft überhaupt nicht mehr aufzumachen.

„Das kann ich mir leider nicht leisten“, betont Alfons Baldinger: „Ich bin eine Einzelfirma und kann und darf nicht in Konkurs gehen.“ So denken auch viele andere Unternehmer, Einer von ihnen ist in Traun zu Hause (Name d. Red. bekannt) und gehört seit kurzem einem österreichweiten Verein an, der nun gegen die stümperhaft arbeitende Regierung und gegen deren selbstherrliche Verordnungen und Maßnahmen zu Felde ziehen wird. „Der Verein ist gegründet“, erläutert der Trauner, „auch die Homepage gibt es schon und demnächst machen wir das auch publik.“