Nur Profit zählt: Wie unser Essen krank macht – Teil 1

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Weltmarkt von vier Großkonzernen beherrscht

Nur Profit zählt: Wie unser Essen krank macht – Teil 1

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Die internationale Machtkonzentration auf einige wenige ist bei Weitem nicht nur ein Thema in Corona-Fragen. Sie schlägt sich seit Jahren zunehmend auf die Qualität unseres Essens nieder. In der zunehmend US-dominierten Nahrungsmittelproduktion liegen Macht und Einfluss in den Händen weniger Akteure, die die Märkte und Produktionsmittel beherrschen. Sie und nicht die Politik bestimmen so darüber, wie unser Essen erzeugt wird und was wir zu uns nehmen. Wochenblick widmet sich einer Bestandsaufnahme über Essen, das krank macht.

Von Daniel Matissek

Es war eine Welle von Fusionen, die binnen weniger Jahrzehnte dazu geführt hat, dass der Weltmarkt für Saatgut und Pestizide heute von gerade noch vier Großkonzernen beherrscht wird. Dieser seit Langem anhaltende Trend führt nicht nur, aber insbesondere in den USA dazu, dass der Lebensmittelmarkt von der Saat bis zum Supermarkt heute von dieser Konzernkrake beherrscht wird, die die Landwirtschaft und Tierzucht bis hin zu den Endprodukten nahezu völlig kontrolliert.
In dem auf gnadenlose Effizienz und normierte Produkte ausgerichteten Markt tritt das Tierwohl völlig in den Hintergrund: Um sie schneller zu mästen, werden Kühe, die eigentlich Grasfresser sind, mit Soja und Mais zwangsernährt. Auch Antibiotika sind häufig Bestandteil des Tierfutters. In der nach wie vor weltweit dominierenden Massentierzucht herrschen selbst in den meisten westlichen Ländern apokalyptische Zustände: Kranke, degenerierte Tiere, die unter Abszessen, Entzündungen und anderen Krankheiten leiden und mit dem Futter beigemischten Medikamenten bis zur Schlachtreife am Leben gehalten werden.

Antibiotika und Medikamente

Auf viel zu engem Raum steht das Vieh meist sein kurzes Leben lang in seinen eigenen Exkrementen, hygienische und veterinärmedizinische Standards werden missachtet. Nachdem sie, gequält und meist krank, unter bestialischen Bedingungen geschlachtet wurden, gelangen die Krankheiten, die die wider ihre Natur zwangsernährten Nutztiere entwickelt haben, aber auch die ihnen dagegen verabreichten Antibiotika, Medikamente und Chemikalien später in die Nahrungskette. Betroffen sind vor allem die Schweine- und Rinderzucht.
Auch in der industriellen Puten- und Hühnermast, wo die Tiere in möglichst großer Eile zur Schlachtreife gemästet werden, kommen genmanipuliertes Futter und Antibiotika zum Einsatz. Die Hennen legen keine Eier mehr und wiegen heute mehr als das Doppelte wie vor sechzig Jahren. Eine Reportage des ORF dokumentierte bereits 2018 die erschreckenden Zustände in der österreichischen Hühnerzucht: Innerhalb von fünf Wochen werden die Tiere zur Schlachtreife gemästet, wobei man ihnen das Sättigungsgefühl wegzüchtet. Wie in den USA wird der Schwerpunkt in Europa auf Brustfleisch gelegt. In einem der untersuchten Betriebe wurden die männlichen Küken, die über zu wenig Fleisch verfügen, getötet und zu Futter verarbeitet; alleine in Österreich sind es neun Millionen pro Jahr.

Apokalyptische Zustände

Während öffentlich immer mehr von „Bio“ und „artgerechter Haltung“ die Rede ist, entstammt der größte Teil unserer täglichen Grundnahrungsmittel nach wie vor der industriellen Massenproduktion – vor allem in der Fleischerzeugung. Der Lebensmittelkontrolleur und ehemalige Schlachter Franz Voll bezeichnete gegenüber der „Deutschen Welle“ die Zustände in der deutschen Massentierhaltung als „katastrophal“.
Vor zwei Jahren kam das Leiden der Tiere einer breiteren Öffentlichkeit zur Kenntnis, als Videos über die grausame Behandlung von Schweinen auftauchten, die von Zulieferern an den westfälischen Fleischgiganten Clemens Tönnies geliefert wurden. Ähnliches hatte sich zuvor schon bei einem Zulieferer des größten deutschen Geflügelproduzenten Wiesenhof gezeigt, bei dem kranke Hühner lebendig in den Müll geworfen wurden.

Ethischer Totalbankrott

Neben dem ethischen Totalbankrott, den die in diesen Praktiken zum Vorschein kommende Missachtung der Schöpfung und Geringschätzung der eigenen Lebensmittel bedeuten, liegt es auf der Hand, dass solche Produktionsverhältnisse unmöglich gesund sein können. Im Gegenteil: Eine Untersuchung fand 2017 heraus, dass jedes zweite EU-Fleischprodukt antibiotikaresistente Keime enthielt. Für Deutschland galt dies vor allem für Erzeugnisse, die bei „Aldi” und „Lidl” unter die Lupe genommen wurden. Die oscarnominierte Dokumentation „Food, Inc.“ griff diese Problematik bereits 2008 auf, als sie ähnliche Zustände in den USA aufdeckte.
Ein weiterer Schwerpunkt dieses Films lag auf der einseitigen Produktion von Mais und Soja, die weltweit als Tierfutter zum Einsatz kommen und einen immer stärkeren Anteil an der Zusammensetzung der menschlichen Nahrung einnehmen. 90 Prozent aller industriellen Nahrungsmittel enthalten heute Mais oder Soja – wobei die Konzerne sich mit allen Mitteln gegen eine entsprechende Kennzeichnung der Produkte wehren.

Krebserregende Chemie

Dafür gibt es einen simplen Grund: 94 Prozent der Sojapflanzen in den USA sind mittlerweile gentechnisch manipuliert. Dieses Gen-Futter landet dann im Industriefleisch, das vor allem für den Fast-Food-Bereich produziert wird. Die Kontrollbehörden der US-Regierung sind mit ehemaligen Mitarbeitern der Lebensmittelindustrie durchsetzt und schauen allzu oft weg. Dabei gäbe es nicht nur mit Blick auf genmanipulierte Inhaltsstoffe, sondern auch auf andere eingesetzte „chemische Keulen“ durchaus Verstörendes aufzudecken: Denn die Fleischmasse, die am Ende in Hamburgern und Faschiertem landet, wird oftmals mit Ammoniak durchgewaschen, um E-Coli-Bakterien abzutöten. Letztere geraten wohlgemerkt durch unsaubere Produktionsweise aus den Därmen der Tiere in das Fleisch und können tödliche Auswirkungen nach dem Verzehr haben. Doch die Chemie-Keule verschiebt das Risiko gesundheitlicher Schäden lediglich in die Zukunft und vertuscht somit für die Konzerne die Verantwortlichkeit. Denn Ammoniak ist giftig und stark krebserregend. Eine Folge der Billigfleischproduktion ist zudem ein stetiger Anstieg von Diabetes-Erkrankungen in den USA.

Hier finden Sie den zweiten Teil.

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