Blackout droht wegen Energiewende: Vom Wirtschaftswunder zu Dunkeldeutschland

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Zivilisationsverfall fürs Klima

Blackout droht wegen Energiewende: Vom Wirtschaftswunder zu Dunkeldeutschland

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Im der Fernsehsendung „WISO” wurde am 1. August 2022 erstmalig ausführlich die hohe Wahrscheinlichkeit von Blackouts diskutiert. Der Begriff „Blackout“ (Dunkelflaute) charakterisiert eine Situation, in der eine Windflaute (Windstille oder Schwachwind) zusammen mit wetter- oder jahreszeitlich bedingter Dunkelheit auftritt und somit das Angebot von Wind- und Solarenergie nur gering ausfällt oder zum Erliegen kommt. „Dunkelflauten“ treten je nach Wetterlage und Jahreszeit regelmäßig, in extremer Form etwa alle zwei Jahre auf, in denen bis zu zwei Wochen kaum Strom aus Wind- und Solaranlagen gewonnen werden kann. Eine „Dunkelflaute“ gehört „zu den größten Risiken für unser Land“, so Wolfram Geier, Abteilungsleiter für Risikomanagement und Internationale Angelegenheiten im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Und der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, Jörg Asmussen, hat erkannt: „Leider sind wir in Deutschland auf die Folgen eines flächendeckenden Stromausfalls nicht ausreichend vorbereitet“, wie er in der „Tagesschau” vom 16. Februar 2022 sagte.

Von Rolf Bergmeier für Ansage

In dieser Frage sind sich alle Experten einig: Wenn es bei den Plänen bleibt, alle Atom- und Kohlekraftwerke zu schließen und die derzeitigen Gaskraftwerke lediglich zur Überbrückung einer Stromlücke zu nutzen, wird in Deutschland regelmäßig das Licht ausgehen – es sei denn, die Bundesregierung verabschiedet sich von ihrem Energiekonzept. Die Probleme sind systembedingt, werden gerne kleingeredet oder mit Phantasien, vom „Import afrikanischen Wasserstoffs“ bis zur „Sektorenkopplung„, vom Tisch gewischt.

Luftnummern

Es sind Luftnummern, die den drohenden Absturz einer Industrienation nicht verhindern können. Denn in Deutschland gibt es fast nur im Off-Shore-Betrieb und im Bereich der Küsten ausreichend Wind für einen wirtschaftlichen Betrieb der Windkraftanlagen. In der Mitte Deutschlands und im Süden sieht es in puncto Wind eher trostlos aus. Im Jahr 2018 gab es von Mitte Februar bis Anfang März eine Periode mit Temperaturen von
bis zu minus 20 Grad Celsius, in der tagelang nur in geringem Umfang Strom aus erneuerbaren Energien in das Netz eingespeist worden ist. Das Jahr 2019 zeigte ein ähnliches Bild: Zwischen dem 20. und 25. Januar 2019 lieferten Solar- und Windkraftanlagen überwiegend weniger als zehn Prozent der Gesamtleistung (siehe hier). In den windschwachen Monaten Juni, Juli und August des Jahres 2019 erzeugten die Windkraftanlagen durchschnittlich nur 17 Prozent des erzeugten Stromes. Und ein windarmer November 2019 ließ die 30.000 Windkraftanlagen in Deutschland schwächeln, so dass am 20. November 2019 um 12 Uhr ganze 607 Megawatt ins Netz eingespeist wurden – bei einem Bedarf von etwa 76.000 Megawatt (76 Gigawatt) zu dieser Stunde.

Im Jahr 2020 waren – nach Angaben der Bundesnetzagentur sowie von „smard.de“ – 14 Perioden mit jeweils mindesten zwei Tagen zu verzeichnen, an denen Offshore- und Onshore-Anlagen weniger als 15 Prozent der benötigten Stromenergie lieferten. Und 2021 gab es laut Bundesnetzagentur an insgesamt 60 Tagen praktisch keinen Ökostrom. Im ersten Halbjahr sank hier der Anteil des von Windrädern ins Netz eingespeisten Stroms von 29,1 Prozent auf 22,1 Prozent, und vom 1. bis 15. September 2021 war eine 15-tägige Windflaute zu verzeichnen. Experten des Deutschen Wetterdienstes gehen davon aus, dass es in Deutschland im Mittel zwei Perioden pro Jahr gibt, bei denen die mittlere Energieproduktion aus Wind und Sonne über einen Zeitraum von 48 Stunden unter zehn Prozent der Leistung bleiben wird.

Die Versorgung bricht auf allen Ebenen zusammen

Der Leistungsabfall von Windkraftanlagen ist physikalisch bedingt und nicht änderbar, da die Windgeschwindigkeit in der 3. Potenz mit der Energie skaliert. Das heißt: Bei halber Windgeschwindigkeit gibt es nicht die Hälfte Strom, sondern nur ein Achtel. Diese Zusammenhänge sind typisch für ein Binnenland wie Deutschland. Dunkel- und Halbdunkelflauten werden deshalb nach Abschalten der Masse der Kern- und Kohlekraftwerke eher die Regel als die Ausnahme sein. Selbst wenn die Anzahl der Windkraft- und Solaranlagen verdoppelt würde, so wäre die erforderliche Leistung bei weitem nicht verfügbar. Wenn kein Wind weht, stehen alle Windräder still – gleich ob 30.000 oder 130.000.

Wird dieses Problem nicht gelöst, so ist die Energiewende am Ende. Dem Industrieland Deutschland, das sich selbst in diese alternativlose Situation hineinmanövriert hat, wird dann durch den regelmäßigen Einbruch der Stromversorgung buchstäblich der Lebenssaft entzogen. Die Folgen wären dramatisch. Wir leben in einer technisierten und sich fortwährend stärker digitalisierenden Zivilisation, die allen Bürgern die sichere und selbstverständliche Versorgung mit den Grundgütern Wasser, Licht, Wärme, Nahrungsmitteln, Kleidung, Mobilität und Zugang zu modernen Medien bietet. Sie ist die Grundlage für die lückenlose Bereitstellung der Güter. Wird diese Versorgung durch Ausfall der Energieversorgung unterbrochen, ist der Zugang zu diesen Gütern unterbrochen. Das Leben steht dann still. Hält man sich vor Augen, dass Krankenhäuser nur für maximal 24 Stunden eine Notfallversorgung mit Strom aufrechterhalten können und nach etwa einer Stunde das Wasser wegen Ausfall der elektrischen Pumpen ausgeht, dass bei Stromausfall Zehntausende von Aufzügen stecken bleiben, kein Industrieroboter und keine digitale Steuerung arbeitet, den E-Autos der Strom zum Aufladen der Akkus fehlt, dass alle Bahnen vom ICE bis zur Straßenbahn in Sekundenschnelle ihren Betrieb einstellen, kein Kühlschrank läuft, keine Tankstelle und kein Wasserwerk betrieben werden kann, keine Aldi-Registrierkasse und kein Bargeldautomat arbeitet, weder Wärmepumpen zur Heizung der Gebäude, noch Handy, Netflix oder WhatsApp funktionieren, Kühe nicht mehr gemolken werden können und ein Massensterben von Nutztieren folgt, dann wird die zentrale Bedeutung dieses Problems sichtbar.

Abenteuerlich und unverantwortlich

Dauert der Ausfall länger als 24 Stunden, beginnen Menschen zu sterben, die Schwächsten und Patienten auf Intensivstationen zuerst. Ein Großteil der Krankenhaus-Patienten muss unbehandelt nach Hause geschickt werden und die von Medikamenten abhängigen Kranken bleiben unversorgt, denn kein Arzt hat ohne Strom Zugang zu den gespeicherten Daten. Ein Kollaps der gesamten Gesellschaft ist nicht mehr zu verhindern.

Die Sorglosigkeit, mit der die meisten Politiker mit diesem an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eintretenden Szenario umgehen, ist abenteuerlich und unverantwortlich. Immerhin geht es um das Überleben als Industrienation; zumal dem Bundestag seit 2011 eine 260 Seiten starke Studie des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag mit dem Titel „Was bei einem Blackout geschieht. Folgen eines langandauernden und großflächigen Stromausfalls“ vorliegt. Die Studie fasst in einem Fazit zusammen: „Bereits nach wenigen Tagen [ist] im betroffenen Gebiet die flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit (lebens)notwendigen Gütern und Dienstleistungen nicht mehr sicherzustellen. Die öffentliche Sicherheit ist gefährdet, der grundgesetzlich verankerten Schutzpflicht für Leib und Leben seiner Bürger kann der Staat nicht mehr gerecht werden. Damit verlöre er auch eine seiner wichtigsten Ressourcen – das Vertrauen seiner Bürger.

Riesengeschäft „Klimaschutz“

Der Klimaschutz ist längst zu einem Riesengeschäft geworden, an dem sich auch Politiker gesundstoßen. Eine Unzahl von NGOs, Instituten, Beratungsgesellschaften und Unternehmen ziehen ihren satten Profit aus dem Klimageschäft. Deren Anzahl ist schier unüberblickbar geworden. Zahllose Organisationen wollen genährt werden, verteidigen ihre Unverzichtbarkeit mit Händen und Klauen, produzieren Berge von Papier und zehren am Budget, das eigentlich für Hilfe vor Ort gedacht ist. Nun ist die Zeit abgelaufen; die grünen Träume verdunsten rasend schnell. Spätestens wenn das Millionenheer der Arbeitslosen und Einkommensschwachen auf die Straße geht, weil sie nicht mehr bereit sind, die Kosten einer „großen Transformation“ zu tragen, werden die Gewerkschaften erkennen, was es bedeutet, Deutschlands Wirtschaft auf den Kopf gestellt und die Sorgen von Handwerkern, Kassiererinnen und vielen kleinen Leute missachtet zu haben, denen jede Strompreiserhöhung existentielle Sorgen bereitet.

Und dann endlich – vermutlich zu spät – werden auch unsere Abgeordneten sich fragen müssen, ob eine Politik, die einzig und alleine auf das Ziel ausgerichtet ist, den deutschen CO2-Anteil um einen für das Weltgeschehen völlig unerheblichen und nicht mehr darstellbaren Minimal-Prozentsatz zu senken, nicht unverantwortlicher Unfug ist.

Rolf Bergmeier ist Autor des im Juni 2022 erschienenen Buches „Ratlos. Die Agonie der deutschen Klima- und Energiepolitik”.

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