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Nach dem „Wochenblick“-Exklusivbericht über schlecht ausgebildete Zuwanderer beim Arbeitsmarktservice (AMS) meldet sich nun ein Trainer von AMS-Kursen zu Wort. Unverblümt spricht er über Gewalt gegenüber Vortragenden und erklärt den „Volkssport“ Krankenstand zu Kursbeginn.

Eine Reportage von Hartwig Eder

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Große Wut

Man merkt Thomas H. (39, Name der Redaktion bekannt) an, dass es in ihm brodelt, wenn das Gesprächsthema auf seinen beruflichen Aufgabenbereich gelenkt wird. „Immer dann, wenn ich von Verantwortlichen des AMS lese, wie gut alles läuft, schlage ich die Zeitung zu“, sagt der resiginiert wirkende Mann im exklusiven Gespräch mit dem „Wochenblick“.

H. ist seit mehreren Jahren in verschiedenen Bundesländern Österreichs als Trainer für AMS-Kurse bei namhaften Kursinstituten, wie etwa dem Berufsförderungsinstitut (BFI) beschäftigt. Für diese leitet er „Maßnahmen“, die das AMS bei den Kursträgern zugekauft hat.

Manche Dinge laufen beim AMS wohl in die falsche Richtung: Manche Kursteilnehmer mussten den gleichen Kurs mehrmals absolvieren. Ein lukratives Geschäft für die Kursinstitute…

Über das Ausbildungsniveau schockiert

Besonders häufig hat es H. in seinem Arbeitsalltag mit so genannten „Jugendlichen“ zu tun. Laut AMS-Definition sind dies Menschen bis zum vollendeten 24. Lebensjahr. „Wenn man sieht, welche großen Defizite diese Personengruppe an den Tag legt, wundert es mich nicht, wenn überall von einem Fachkräftemangel in Österreich gesprochen wird“, urteilt der Kurstrainer.

Doch auch die Definition von „jugendlich“ nervt ihn überaus. Das sei „AMS-Sprech“, denn eigentlich denke man bei Jugendlichen nicht an 24-Jährige. „Das sind im Volksmund eher Erwachsene. Gescheiterte Existenzen“, folgert der 39-Jährige. Dabei zeigt sich der Trainer vor allem schockiert über mangelnde Rechtschreib- wie auch Mathematik-Kenntnisse der „Jugendlichen“.

Probleme mit Migranten-Kids

Einmal habe er sich erlaubt, eine einfache Prozentrechnung in einen Kurs einzubauen, der die zumeist über 20-Jährigen auf eine Lehre vorbereiten sollte. Das Ergebnis schockierte ihn: „Die eine Hälfte hat die Arbeitsanweisung nicht verstanden und viele andere konnten die Aufgabe nicht lösen.“

Mittlerweile habe H. verstanden, dass es bei vielen Kursen weniger darum gehe, den Jugendlichen bei ihren Lernschwächen zu helfen, er sehe seine Aufgabe vielmehr darin, den Teilnehmern einen geregelten Lebensalltag näherzubringen. Besonders in migrantischen Familien aus dem „muslimischen Kontext“ sehe er eine „Kultur der Verhätschelung“ von jungen Burschen.

Trainerin geohrfeigt

„Besonders mit tschetschenischen und arabischen Jugendlichen gibt es immer wieder große Probleme. Das reicht von Drohungen bis hin zum konsequenten Boykott des Unterrichts“. Im Nachgespräch erzählt H., dass es auch schon zu Gewaltausbrüchen von Migranten gekommen sein soll. Besonders ein Fall aus Wien schockiert, bei dem eine Trainerin zuerst als „Schlampe“ bezeichnet und dann geohrfeigt worden sein soll.

„Die beteiligten Institutionen haben alles unternommen, um der Frau eine Mitschuld einzureden und die Sache unter den Tisch zu kehren.“, sagt der 39-Jährige. Insbesondere der Kursstart löse in ihm immer besonders großen Stress aus. Engagierte Trainer wie er blickten demnach bange auf die „zugebuchte“ Liste des AMS-Teilnehmeradministrationssystems (TAS), aber bereits wenige Minuten nach Kursstart folge die Ernüchterung. „Dass Teilnehmer zu spät zum Kursbeginn erscheinen, ist bei vielen Erwachsenen wie auch Jugendlichen Usus, doch ich habe auch schon Kurse vor leeren Rängen gehalten“.

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Vor allem junge Migranten verfügen oft über schockierend schlechte Deutschkenntnisse.

Unter den Teppich gekehrt

Das Problem? Krankenstände! Er kenne einen langzeitarbeitslosen 56-Jährigen, der vom AMS immer wieder in die selbe „Qualifizierungsmaßnahme“ des BFI gesteckt werde. Irgendwann habe dieser die Kursangebote wie Englisch, EDV und Bewerbungscoaching allesamt absolviert. Sogar einen Staplerführerschein soll der Büroangestellte gemacht haben. Als er wieder vom AMS zu der BFI-Maßnahme geschickt wurde, meldete er sich zu Kursbeginn krank.

Krankenstände und sinnlose Kurse

„Seitdem sah ich den Mann immer wieder auf der Anwesenheitsliste, aber am ersten Kurstag war er immer vom Arzt entschuldigt“, sagt H. Was im Fall des sich immer wiederholenden „Sinnloskurses“ verständlich klingt, hat sich mittlerweile zu einem echten Problem entwickelt: „Ausgerechnet am ersten Tag krank zu werden, ist mittlerweile ein Volkssport“. Dem AMS sind in solchen Fällen die Hände gebunden. Wenn Teilnehmer von einem Arzt krank geschrieben werden, ist der aktuellen Rechtslage zufolge die Anwesenheit entschuldigt.

Warum Krankenstände aufgetreten sind, wird vom AMS nicht hinterfragt. Der Insider sieht die Schuld vor allem bei Ärzten, die Teilnehmer „immer und immer wieder“ zu Kursbeginn krank schreiben würden. Generell fällt der 39-Jährige kein gutes Urteil über das AMS und die Kursträger. Demnach würden zu viele „Sinnloskurse“ angeboten. „Arbeitswillige Menschen, die etwas lernen wollen, bleiben auf der Strecke“, resümiert er geknickt.